|
Späherblick und unbeirrbarer Zähigkeit muß man sich im Kampf gegen die Konkurrenz und die an allen Ecken herumpirschenden Händler behaupten, um dann schließlich stolz mit dieser oder jener eroberten Trophäe davonziehen zu können. Alte Hosemann-Bände und eine englische Heine-Ausgabe in der Übersetzung der Tochter von Freiligrath gehörten jetzt zur recht umfangreichen Beute. Die Antiquare in den größeren Geschäften versicherten, daß bei ihnen nichts mehr an deutscher Literatur zu finden sei, weil die westdeutschen Händler regelmäßig alle Möglichkeiten des billigen Einkaufs abgrasten, und schon gar nichts sei in Amsterdam zu holen. In Amsterdam holte ich aber für den Preis eines halben Brötchens den „Prinz von Theben" der Eise Lasker-Schüler in der Erstausgabe' von 1914 mit den farbigen Bildern von Franz Marc, die in den späteren Drucken fehlen. Die Krönung - fast hätte ich einen Herzschlag vor Aufregung bekommen - war, zum Preis von etwa zehn Brötchen, nichts Geringeres als ein herrliches Exemplar der Erstausgabe der Fabeln von Lafontaine von 1668 - 1679 mit den wunderhübschen Kupfern von Chauveau. Mit stolzer Schadenfreude zeigte ich diesen Fund den Antiquaren in Brüssel, die mir Amsterdam hatten schlecht machen wollen und die jetzt einer Ohnmacht nahe waren. Es war ein hübscher Eckladen inmitten des malerischen Gewirrs der Grachten von Amsterdam, ein allen Sammlern wohlbekannter Winkel, und der Lafontaine hat dort viele Monate auf mich gewartet . . . Wer es nicht glaubt, kann ihn gern einmal besichtigen mitsamt den übrigen Zimelien der Jahresbilanz, unter denen mir ein Geschenk am teuersten ist: die Erstausgabe von „Mozart auf der Reise nach Prag" mit einer handschriftlichen Widmung Mörikes auf dem Originalumschlag. Bruno Kaiser Es ist leichter, das Buch zu behalten, als das, was darinnen steht. Montaigne Ein Zimmer ohne Bücher ist wie ein Körper ohne Seele- Cicero 14
|