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GESAMMELTES Eine Jahresbilanz Der gewisssenhafte Büchersammler schlägt das imposante Zugangsver-zeichnis auf, in dem seit Jahren die Eingänge seiner Bibliothek mit genauer Herkunftsangabe sorglich eingetragen werden, und stellt fest, daß in den letzten zwölf Monaten 637 Nummern neu vermerkt worden sind. Rot unterstrichen leuchten die besonders bemerkenswerten Akquisitionen entgegen, mehr als sonst diesmal, obwohl der Zuwachs an sich niedriger ist als in den vorhergehenden Jahren. Einige durch die berufliche Arbeit veranlaßte längere Reisen bewirkten diesen sichtbaren Unterschied, wobei gleich festzustellen ist, daß in der Deutschen Demokratischen Republik dem kundigen Sammler von Grafik und Büchern viel mehr Möglichkeiten zum Ausbau der vielleicht schon vorhandenen Schatzkammer oder zum Aufbau einer ganz neuen Sammlung offen stehen, als man nach den üblichen Gesprächen vermuten könnte. „Haben Sie etwas Neues gefunden? Bei mir ist überhaupt nichts mehr los!" Das ist beinahe schon eine feststehende Begrüßungsformel, wenn man diesem oder jenem „Pirckheimer" begegnet. Lugt man aber ein bißchen hinter die Kulissen, siehe da, so kommen die vergnüglichsten, erst kürzlich getätigten Funde ans Tageslicht. Was kann nicht allein durch die Kataloge unserer Antiquariate schon wieder an Freuden gewährt werden! Ein Blick aufs Zugangsjournal bestätigt das sofort: der ausgezeichnete 200 Seiten starke Katalog Nr. 6 „Literatur und Sprache" vom Deutschen Buch-Export und -Import enthält z. B. eine kunterbunte Materialfülle, die beim immer wiederholten Durchkämmen immer wieder kleine Überraschungen bietet. Gewiß ist viel „Gemüse" dabei, aber erstens kann man manchmal gerade darunter einige langgesuchte Kleinigkeiten entdecken, und dann ist es für den Jäger verlockend, das im Gestrüpp äußerst reichlich vorhandene erlesene Wild aufzustöbern. Hier fand ich etwa ein Exemplar der Stifter-Biographie des alten Hein von 1904, erfreulich billig mit DM 16,00, das prächtig ausgestattete Werk konnte ja einst nur in ganz geringer Auflage im Selbstverlag hergestellt werden und gehört seit langem zu den begehrten Seltenheiten. (Die Wiener Neuausgabe von 1952 kann sich in vielfacher Hinsicht 12
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