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bürg mit eigenhändigen Bemerkungen des Autors (975-1018), die 1945 großenteils in Dresden zerstört ist; die (auch stark beschädigte) Bilderhandschrift des Sachsenspiegels aus Dresden, das hervorragend illuminierte deutsche Alte Testament (15. Jahrh.) der Landesbibliothek Dessau; Otto von Passau (Von den 24 Alten, 1446), Hugo von Trimberg (Renner, 15. Jahrh.), Conrad von Würzburg (Goldene Schmiede, 14. Jahrh.), Hans Sachs (Fastnachtsspiele, Autograph 1533), dazu niederdeutsche Stücke aus Rostock: Liederbuch, Gebetbuch, Arzneibuch, medizinische Traktate, Schwabenspiegel und Kaiserrecht (alles aus dem 15. Jahrh.). IX. Mittelalterliche Wissenschaft. Des Boethius Consolatio philosophiae (13. Jahrh.), Horatius, Vergil, Alexanderroman, juristische Codices des 14. Jahrh. (Dekretalen, Decretum Gratiani). X. Autographen, beginnend mit Luther und Melanchthon, über bekannte Persönlichkeiten des Dreißigjährigen Krieges (Wallenstein, Tilly, Octavio Piccolomini, Ernst von Mansfeld, Axel Oxenstjerna) und der wiedererwachenden deutschen Literatur (Bodmer, Gleim, Wieland, Christian zu Stolberg, Novalis, Voß, Seume, Jean Paul) führend zur deutschen Klassik: Lessings Autograph des Laokoon, Goethe (Brief an Frau von Stein; Bleistiftniederschrift der „Lustigen von Weimar"; der kürzlich aus Trümmern wiedergeborgene Spruch, der als Motto der Ausstellung gewählt wurde, da er in unübertrefflicher Kürze und Prägnanz ihren Sinn verdeutlichte) und Schiller (noch ungedruckter, auch aus Trümmern zurückgewonnener Brief), anschließend die Philosophen: Kant (Anthropologie), Fichte, Schelling, Hegel, Feuerbach (Briefe), und endlich die Männer, die die Welt nicht mehr nur interpretieren wollten, sondern sie veränderten: Marx, Engels, Lenin. Überschauen wir das Ganze, dann drängt sich der heiße Wunsch auf, daß alle diese Handschriften, jede in ihrer Art bedeutend, uns und unseren Nachfahren erhalten bleiben mögen, nie wieder durch Kriege mit Zerstörung bedroht, als Denkmäler edler Kunst und echter Kultur, Mahnmale des Friedens unter den Völkern. Willi Göher
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