HANDSCHRIFTEN AUS ZWEI JAHRTAUSENDEN

Ausstellung

im Festsaal der Deutschen Staatsbibliothek zu Berlin
25. Mai bis 1. Juli 1956

Durch die letzten Kriege ist von den Handschriften und Büchern, die durch Alter, Schönheit oder Inhalt jeden kulturempfänglichen Menschen mit Ehr­furcht und Freude erfüllen, so viel unwiederbringlich vernichtet worden, daß der Wunsch bestand, einmal eine Auswahl aus dem zu zeigen, was uns ein gütiges Schicksal bewahrt hat. Deshalb veranstaltete die Kommission für Handschriften und Inkunabeln, die diese Bestände im Bereich der Deutschen Demokratischen Republik betreut, in engster Zusammenarbeit von zwanzig wissenschaftlichen Bibliotheken und Einrichtungen die Aus­stellung „Handschriften aus zwei Jahrtausenden", mit der der wieder auf­gebaute Festsaal der Deutschen Staatsbibliothek während der nach Berlin einberufenen Versammlung des Vereins Deutscher Bibliothekare in würdiger Weise eingeweiht wurde. Die Ausstellung fand das Interesse von etwa 3500 Besuchern, deren an den Handschriften entzündete und oft geäußerte Begeisterung den Gestaltern und Betreuern der Ausstellung reicher Lohn war.
In 48 Vitrinen wurden folgende Gruppen gezeigt:

I. Vorspiel: Zwei Keilschrifttexte aus der im Robertinum zu Halle auf­bewahrten Sammlung Julius Kurth; eine sumerische Tontafel (um 2000 v. d. Z.) mit einer Verpflegungsabrechnung für Tempel­sklavinnen und ein Stein Nebukadnezars II (604-561) mit seinem Namen.

II. Antike und ihr Ausklang: Der unter dem Namen Dikaiomata bekannte große juristische Papyrus (um 260 v.) aus Halle, das für stenographische Übungen verwendete griechische Wachstafelheft (6. Jahrhundert), ebenfalls aus dem Halleschen Robertinum; der welt­berühmte Codex Sinaiticus der Septuaginta (4./5. Jahrhundert) mit seinem in der Leipziger Universitätsbibliothek aufbewahrten Teil, dessen wohlausgewogene Schriftkolumnen, die auf jeden besonderen Schmuck verzichten, jeden Betrachter in ihren Bann zogen, die Qued-

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