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ich wenig Erfolg hatte. In mir unbekannten Antiquariaten wurde ich seiner- und meiner gründlichen Sucherei wegen entweder für einen Kriminalpolizisten gehalten, der nach verbotenen oder unanständigen Büchern suchte, oder für einen Buchhändler, der seine Kollegen übers Ohr zu hauen suchte. Das hörte erst auf, als ich mir einen neuen Mantel kaufen konnte. Ehefrauen, deren Männer alte Bücher sammeln (es gibt wenig Frauen, ciie so etwas selbst tun, wie man sich denken kann), behaupten von jeher, man schleppe mit den alten Schwarten Seuchen und Bazillen ins Haus. Nun ist es wahr, wenn man das Glück hat, alte Bücher durchsehen zu können (das muß aber in einem Antiquariatskeller stattfinden, nicht in einer piekfein eingerichteten, sorgfältig abgestaubten und gebohnerten Buchhandlung), dann ist das eine Arbeit, die gleich nach dem Kohlensortieren kommt. Das macht schon dreckig - aber dieser alte Staub scheint sehr gesund zu sein, ich wenigstens habe noch nie von einem Antiquar oder Sammler gehört, der dadurch Schaden an seiner Gesundheit genommen hätte. Nun, es müssen ja nicht unbedingt alte Bücher sein. Das ist nicht so billig. Man stelle sich vor eine Sammlung sämtlicher Insel-Bändchen mit allen Varianten! Von denen hätte jedes Bändchen durchschnittlich eine Mark gekostet - die Sammlung wäre also mit verhältnismäßig bescheidenen Mitteln zusammenzubringen gewesen. Aber - aber! Ich weiß nur von einer solchen Privatsammlung in Deutschland. Den Sammler kann man nur bewundern - seinen Fleiß, seine Ausdauer und seine Sachkenntnis. Er hat nämlich eine Sammlung zusammengetragen, die in der Geschichte des Buches (neben Reclams Universal-Bibliothek) einen Ehrenplatz einnimmt. Die Gesellschaft, die im Januar gegründet wurde, trägt den Namen Willibald Pirckheimers - des großen Humanisten und Nürnberger Ratsherren, des Freundes Albrecht Dürers, der ihn zweimal gezeichnet bzw. in Kupfer gestochen hat. Das Signet der Gesellschaft trägt auch sein Bildnis. Dieser Pirckheimer hatte eine wunderschöne Bibliothek zusammengebracht, in der man eine beinahe vollständige Sammlung von „Aldinen'" bestaunen konnte. (Das war eine Serie von griechischen und römischen Klassikern, die der berühmte Drucker Aldus Manutius herausgegeben hatte.) Diese Bibliothek
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