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Redaktionsschluss 7. Januar 2010
Wir gratulieren
unseren Mitgliedern
Wir gratulieren
weiterhin Udo Mammen
Neue Mitglieder
Fritz Treu gestorben
Abend zum Gedenken an Horst Kunze
Künstlerische Reproduktionsgraphiken der Reichsdruckerei
Erinnerungen und Sammlerfreuden
Projekte-Verlag Cornelius GmbH Halle
Bücher vom 18. Jahrhundert bis heute
»Herfurths
schönste Seiten«
Zum 350. Gründungsjubiläum des Cotta Verlages
Der gesellige Abend des Leipziger Bibliophilen-Abends
Das Jahresprogramm 2010 des Leipziger Bibliophilen-Abends
Wir
gratulieren unseren Mitgliedern. Zum 60. Geburtstag: Michael Maurer
(Biederitz) am 4. 4. Zum 65. Geburtstag: Gisela Klostermann (Stralsund) am 2.
3., Hans-J. Möller (Winnenden) am 6. 3., Ernst Volker Braun (Dresden) am 19. 3.,
Karl-Walter Heller (Magdeburg) am 31. 3., Ulrike Scheffler (Dresden) am 6. 4.,
Hans-Jürgen Ullrich (Berlin) am 8. 4., Hans-Joachim Prenzel (Frankfurt am Main)
am 2. 6. Zum 70. Geburtstag: Dr. Dietrich Haferburg (Leipzig) am 7. 5., Peter
Minkewitz (Cottbus-Döbbrick) am 16. 5., Manfred Wendland (Berlin) am 4. 6. Zum
75. Geburtstag: Sigrid Henschel (Rottleberode) am 1. 3., Wolfgang Ilgner
(Dresden) am 19. 3., Paul Bücheler (Radolfzell) am 10. 4., Gottfried Bergdolt
(Mannheim) am 1. 5., Heinz Hellmis (Hennigsdorf) am 6. 6. Zum 81. Geburtstag:
Kristian Bäthe (Filderstadt) am 29. 6. Zum 82. Geburtstag: Prof. Dr. Lothar Lang
(Grünheide/Mark) am 20. 3., Annemarie Verweyen (Mönchengladbach) am 21. 3. Zum
84. Geburtstag: Werner Papke (Berlin) am 3. 5. Zum 89. Geburtstag: Johannes Kopp
(Halle/Saale) am 28. 6. Zum 95. Geburtstag: Walter Berger (Berlin) am 23. 6.

Wir gratulieren weiterhin Udo Mammen
zur Verleihung des Verdienstkreuzes am Bande des Verdienstordens der
Bundesrepublik Deutschland 2009 für seine ehrenamtliche Tätigkeit im
Förderkreis Gleimhaus e.V., für sein Engagement als Vorstandsmitglied des
Vereins zur Bewahrung des jüdischen Erbes in Halberstadt und Umgebung und als
Gründungsmitglied der Pirckheimer-Gesellschaft. Zu den wichtigsten Aufgaben des
Förderkreises Gleimhaus e.V., dessen Vorsitz Mammen seit 2006 inne hat, gehört
die Trägerschaft des Gleimhauses in Halberstadt.

Neue Mitglieder: Christa Kley, Erfurt.
Agnes Kunze, Lehrerin, Berlin. Bernd Höfer, Diplomforst-ingenieur,
Jenapriessnitz. Peter J. Moosbrugger, Königsbrunn.

Fritz Treu gestorben. Unser Ehrenmitglied Fritz Treu aus Radebeul ist am 5.
November 2009 gestorben; er hat seinen 102. Geburtstag, den wir im Heft 196
schon angekündigt hatten, nicht mehr erlebt. Fritz Treu stammte aus einer
schlesischen Bergarbeiterfamilie und war als Sechzehnjähriger nach Dresden
gekommen, wo er als Page in einem Hotel zu arbeiten begann. Nach dem Zweiten
Weltkrieg zog Treu nach Radebeul, wo er nach einem Fernstudium Leiter der
Bibliothek eines Dresdner Großbetriebs wurde. In seinem Beitrag zu unserem
Almanach Jubelrufe aus Bücherstapeln (geschrieben im 96. Lebensjahr!)
schilderte Treu, wie er, noch ohne Mitglied zu sein, Leiter der Radebeuler
Pirckheimer-Gruppe wurde. Mit 70 Jahren rief Fritz Treu den Radebeuler
Grafikmarkt ins Leben, der noch heute existiert.
Mir hatte er einmal, da schon über 90 Jahre alt, geschrieben, daß er unbedingt
den 50. Geburtstag unserer Gesellschaft noch erleben wolle. Und in der Tat, er
war dann der mit Abstand älteste Teilnehmer bei unserem Jubiläumsfest im Januar
2006. Bei seinem 100. Geburtstag, den er in großer geistiger Frische erlebte,
zeigte er sich sehr geehrt und gerührt, daß der Pirckheimer-Vorstand zu zweit
gratulieren kam. Nachdem die meisten Gratulanten die Wohnung verlassen hatten,
ging er mit uns in sein Bücherzimmer und zeigte uns seine reichhaltige Sammlung
an Dresden-Literatur. – Die Pirckheimer werden den stets freundlichen,
bescheidenen und noblen Fritz Treu und sein Wirken für unsere Gesellschaft in
guter Erinnerung behalten.
WK

Abend zum Gedenken an Horst Kunze. Anläßlich des 100. Geburtstages von Horst
Kunze gedachte die Regionalgruppe Berlin-Brandenburg am 15. Oktober 2001 unter
dem Motto Büchervermittler und Büchermacher. Ausstellung, Lesung und Gespräch
des Mitbegründers und großen Anregers der Pirckheimer-Gesellschaft und
Mitglieds des Redaktionsbeirats der MARGINALIEN. Rund 40 von ihm verfaßte oder
herausgegebene Bücher waren zur Einsicht ausgelegt. Neben vier
Aufsatzsammelbänden und kleineren Schriften befanden sich darunter die
gewichtigen Werke zur Buchillustration, zum Werk Werner Klemkes, das Große Buch
vom Buch, der Schatzbehalter vom Besten aus der älteren deutschen
Kinderliteratur (sechs Auflagen), ferner das erste von ihm 1938 vorgelegte Buch
Lieblingsbücher von dazumal. Eine Blütenlese aus den erfolgreichsten Büchern von
1750-1860. Sein zweites Buch, die Sammlung von Scherzdichtungen Dunkel war's,
der Mond schien helle (1940), erlebte sieben Auflagen und erschien 2005 sogar in
einer gelungenen neu illustrierten Ausgabe im Verlag Faber & Faber. Horst Kunze
strebte stets danach, seine Buchbegeisterung auch anderen Menschen zu
vermitteln. Das tat er unter anderem durch gut lesbare und sachkundig
geschriebene Texte, durch informative Vor- und Nachworte zu Werken, die er
herausgab, sowie durch viele Vorträge und Seminare. Er arbeitete lange Zeit
engagiert in der Jury zur Auszeichnung der „Schönsten Bücher“ eines Jahres in
der DDR, in Verlagsbeiräten und anderen Gremien mit. Seine Bemühungen,
Lesern/Nutzern von Büchern das Lesen zu erleichtern, galten folgerichtig auch
der ästhetischen und der zweckmäßigen inneren und äußeren Gestaltung des Buches,
so zum Beispiel der Anordnung der einzelnen Elemente im Buch.
Die Lesung des Abends erfreute die Anwesenden mit einer von Kunze
zusammengestellten Textcollage aus der frühen Nachkriegszeit und mit drei
Anekdoten von ihm und einer über ihn. Sie zeugten von Kunzes Humor und seiner
oft bewiesenen Fähigkeit, durch Schlagfertigkeit Verkrampfungen aufzulockern.
Schon zu seinem 75. Geburtstag hatte Fred Rodrian festgestellt, daß Kunze zwar
im „Ausruhealter“ sei und sein Lebenswerk so intensiv getan habe, daß es für
zwei oder drei Leben reichen würde. Aber Kunze war weiterhin aktiv und voller
Pläne. So wurden auch Vorhaben erwähnt, die er bis zu seinem Tod im Jahre 2000
leider nicht mehr vollenden konnte. Unter den etwa 60 Besuchern des Abends
befanden sich zahlreiche ehemalige Studenten, Mitarbeiter und Kollegen, die sich
ihm dankbar verbunden fühlen. Das zeigte sich auch auf dem großen Kolloquium am
19. Oktober, das das Institut für Bibliothekswissenschaft und wissenschaftliche
Information in der Humboldt-Universität zu Berlin über ihn als Bibliothekar,
Bibliothekswissenschaftler, Hochschullehrer veranstaltete. Inzwischen
publizierte die Staatsbibliothek unter gleichem Titel die Reden des Kolloquiums
(auch auf CD-ROM). Hinzuweisen ist außerdem auf den Vortrag des Kölner
Bibliotheksdirektors Prof. Dr. Wolfgang Schmitz am 12. November in der
Leibniz-Sozietät in Berlin mit dem Titel Bibliothekar, Buchwissenschaftler und
Bibliophile, der in der Zeitschrift der Leibniz-Gesellschaft veröffentlicht
werden wird.
Renate Gollmitz

Künstlerische Reproduktionsgraphiken der Reichsdruckerei. In dem gut besuchten
Kleinen Säulensaal der Landes- und Zentralbibliothek brachte am 19. November
2009 Prof. Dr. Konrad Vanja, Direktor des Museums Europäischer Kulturen der
Staatlichen Museen in Berlin-Dahlem, den Berlin-Brandenburger Pirckheimern die
Thematik Reproduktionsdruckgraphik alter und neuer Meister der Reichsdruckerei
nahe. Die Bilder sollten in hoher Qualität breiten Schichten der Bevölkerung
für die häusliche Atmosphäre zugänglich gemacht werden, ebenso für das Studium
von Fachleuten und Laien. Die Thematik der „Bilder für jedermann" ist ein Thema
des Museums Europäischer Kulturen, das sich der Menschen und ihrer Alltagswelt
annimmt und auch die ästhetischen Bedürfnisse nach Bildung und Bilderschmuck
dokumentiert.
Das von der Reichsdruckerei (heute Bundesdruckerei) und Friedrich Lippmann
(1838-1903), dem damaligen Direktor des Berliner Kupferstichkabinetts, begonnene
Unternehmen, die besten Kupferstiche und Holzschnitte älterer Meister in
originalgroßen Nachbildungen zu veröffentlichen, schien vor einigen Jahrzehnten
mit der Herausgabe des sogenannten Lippmann'schen Atlasses, der in 10 Bänden 500
auch einzeln käufliche Reproduktionen enthielt, einen gewissen Abschluß
gefunden zu haben. Der Katalog von 1928 von Elfriede Bock, enthielt bereits
1200 Kunstwerke. Aufgenommen wurden Werke deutscher, niederländischer,
spanischer, italienischer, französischer und englischer Meister. In der
Abteilung Deutsche Männer, Deutsche Stätten wurden neben Goethe, Wieland,
Herder, Wilhelm von Humboldt oder den Brüdern Grimm auch Bauwerke wie das
Straßburger Münster oder die Wartburg bei Eisenach aufgenommen. Ebenso die
politischen Größen der Zeit wie Bismarck, Friedrich Ebert, Hindenburg, deren
Porträts auch zur offiziellen Ausschmückung von Dienst- und Amtsräumen dienten.
Zu den Heliographien und Strichätzungen kamen später meisterhaft farbige
Lichtdrucke. Die Nachbildungen erschienen anfangs als Mappenwerk im Verlag der
Reichsdruckerei. Seit 1890 wurden sie über die G. Grote'sche Verlagsbuchhandlung
(Berlin) ausgeliefert. Bis 1897 kamen acht Sammlungen zu je 50 Blättern heraus.
Seit 1895 konnten die Blätter über die bekannte Kunsthandlung Amsler & Ruthardt
in Berlin auch einzeln erworben werden.
Zu der steigenden Verbreitung der Bilder trug auch die im Jahre 1921 erfolgte
Umgestaltung des Verlages der Reichsdruckerei bei, der seitdem mit dem
Kunsthandel in unmittelbare Verbindung trat. Elfriede Bock, Kustos des Berliner
Kupferstichkabinetts, schrieb 1928: „Die Reproduktionen ... grüßen uns heute
aus dem Schaufenster jeder guten Buch- und Kunsthandlung". Die Beliebtheit der
Drucke war groß. Die Reproduktion erfolgte in solch guter Qualität, daß sie zur
Unterscheidung vom Original besonders gekennzeichnet werden mußten. Sie
erhielten den rückseitigen Stempelaufdruck „Faksimilereproduktion der
Reichsdruckerei Berlin", später noch ein geschütztes Warenzeichen, ein Adlerkopf
mit der Beschriftung „Reichsdruckerei", der als Blindprägestempel oder als
Wasserzeichen am rechten unteren Papierrand der Reproduktion angebracht wurde.
Zusätzlich erhielt die Rückseite der Blätter später den Stempelabdruck
„Urgetreue Nachbildung der Reichsdruckerei Berlin". In der Inflationszeit war
ein jährlicher Absatz von 150 000 Stück keine Seltenheit, danach ging der Absatz
der Reichsdrucke stark zurück. 1927 wurden nur noch 21 000 Stück verkauft. Nach
Erscheinen des vollständigen Katalogs Die Reichsdrucke im Jahr 1928 stieg der
Verkauf wieder auf 40 000 Stück.
Ein Teil der Druckplatten, teilweise geborgen aus den Trümmern, überstand die
Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges. Die Staatsdruckerei Berlin konnte bereits
im Dezember 1945 wieder mit der Herstellung und dem Verkauf einiger Reichsdrucke
beginnen. Bei der Auswahl der etwa 50 Blätter wirkte eine vom Magistrat der
Stadt Berlin eingesetzte „Kunstkommission" mit. 1947 erschien mit einer Auflage
von nur 500 Stück unter dem Titel Kunstblätter der Staatsdruckerei ein
Verzeichnis von 104 verkäuflichen Kunstblättern, wie die Reichsdrucke seitdem
genannt wurden. Die Kunstblätter der Bundesdruckerei erreichten zeitweise
ähnliche Beliebtheit wie die Reichsdrucke. 1977 waren 892 Blätter lieferbar.
Nach Hinweisen auf die Forschungssituation zur Geschichte der Reichsdrucke
zeigte uns Prof. Dr. Konrad Vanja einige Beispiel, die er dank der Unterstützung
der Bundesdruckerei aus dem reichen Angebot von Faksimile-Kunstdrucken der
Bundesdruckerei mitgebracht hatte. Erfreut und fachkundig betrachteten die
Pirckheimer die Kunstblätter, und es entspann sich eine lebhafte Unterhaltung.
Herzlicher Beifall dankte dem Referenten.
Gretel Bouchette

Erinnerungen und Sammlerfreuden. Diesem Thema widmeten die Berlin-Brandenburger Pirckheimer am 10. Dezember traditionell ihr letztes Treffen im Jahr als Gäste
in der Büchergilde-Buchhandlung am Wittenbergplatz bei Frau Binger. Inmitten von
Büchern und umgeben von einer Ausstellung mit Werken der Graphikerin und Malerin
Linde Bischof erwies sich dieser Ort wieder wie geschaffen für diesen angenehmen
Abend. Ursula Lang ließ zu Beginn nochmals die Höhepunkte des letzten Jahres
Revue passieren und legte Rechenschaft über die Arbeit der Regionalgruppe und
ihres Vorstandes ab, um dann den Anwesenden einen Überblick über das Programm
des kommenden Jahres zu geben.
Den weiteren Verlauf des Abends gestalteten wieder die Mitglieder unserer
Regionalgruppe selbst, indem sie den interessierten Zuhörern, häufig mit kleinen
Anekdoten oder spannenden Erläuterungen ausgeschmückt, ausgewählte Erwerbungen
des letzten Jahres vorstellten. Carlos Kühn hatte den Antiquariatskatalog Biblia
Sacra. Das Buch der Bücher. Die Bibel vom 13. bis zum 20. Jahrhundert in
ausgewählten Exemplaren von Heribert Tenschert (mit einem Vorwort von Martin
Walser) mitgebracht, ein „wahres Monstrum“, während Thomas Kaemmel berichten
konnte, daß er Feuchtwangers umstrittenes Buch Moskau 1937 aus dem
Querido-Verlag geschenkt bekommen hat. Jürgen Wilke präsentierte interessante
Brieffunde von Oskar Nerlinger, Ursula Lang einen frühen Gedichtband von
Gerhard Altenbourg und Abel Doering eine Bierdose, welche, in einer limitierten
und signierten Auflage mit einer Originalgraphik von Arno Waldschmidt umkleidet,
aus Anlaß des 100. Geburtstages Bert Brechts erschienen ist. Carsten Wurm, der
sich derzeit mit Erstlingswerken deutscher Schriftsteller beschäftigt, hatte
Günther Weisenborns Die Barbaren und Otto Flakes Straßburg und das Elsaß
mitgebracht. Es gab vieles Interessantes zu sehen und zu hören, und der Abend
wurde lang. Und wie schon häufig bildete auch 2009 wieder den Abschluß des
spannenden und anregenden Treffens die geistreiche Schilderung Dr. Fritz
Jüttners über die Erweiterung seiner Klopstock-Sammlung, die im letzten Jahr im
Erwerb des wohl berühmtesten Portraits des Dichters, eines Ölgemäldes von dem
dänischen Bildnismaler Jens Juel, gipfelte.
Abel Doering

Projekte-Verlag Cornelius GmbH Halle. Zu ihrer letzten Begegnung im Jahr 2009
luden die halleschen Pirckheimer am 24. November den Geschäftsführer und
Verleger der Projekte-Verlag Cornelius GmbH Halle, Reinhardt O. Cornelius-Hahn,
ein. Die nach der Wende erfolgte Belebung der Verlagslandschaft in und um Halle
gab den Anlaß zu einer Vorstellung dieses fast zwei Jahrzehnte bestehenden
Verlagsunternehmens, dessen erfolgreiche Entwicklung, Schwerpunkte und Vorhaben
im Mittelpunkt der Ausführungen des Verlagschefs standen. Bevor sich Reinhardt
O. Cornelius-Hahn seinen Aufgaben als Verleger widmete, wurde er bei einer
größeren Leserschaft durch seinen Lebensbericht Das erste letzte Glas (1986)
bekannt. Auch heute noch greift er hin und wieder zur Feder (Aus Liebe zum Volk,
2004, OPK „Broiler“, 2009), doch der größte Teil seines engagierten Wirkens
gehört dem Verlag, der 30 Mitarbeiter beschäftigt und über eine eigene
Druckerei und Buchbinderei, die „Buchfabrik“, so die offizielle Bezeichnung, in
Halle und in Merseburg verfügt. Nicht ohne Stolz verwies Reinhardt O.
Cornelius-Hahn auf die beachtliche Gesamtproduktion von rund 1300 Titeln, davon
allein 219 Editionen im letzten Jahr. Diese positive Bilanz kommt nicht von
ungefähr, sie basiert auf einer gut durchdachten und soliden wirtschaftlichen
Grundlage, die Cornelius-Hahn auch näher erläuterte. Die ökonomische Basis
bildet maßgeblich die „Buchfabrik“, also die Herstellung, die in nicht geringem
Maße auch für andere Verlage tätig ist. Desgleichen fungiert der Projekte-Verlag
auch als „Dienstleister“ für Erstautoren, Chronisten und Biographen, deren Werke
in einer bedarfsgerechten Anzahl gedruckt werden, was ökonomische Mißerfolge
ausschließt. Auch der Druck von Diplom- und Magisterarbeiten sowie
Dissertationen gehört zu den Dienstleistungen der „Buchfabrik“. Weiterhin
erhält der Verlag, und hier vor allem auf dem Sachbuchsektor, finanzielle
Unterstützung von den auftraggebenden Organisationen und Einrichtungen.
Seine wichtigste Aufgabe aber sieht der Verlag neben der Förderung von Neu- und
Erstautoren in der Herausgabe von Büchern des klassischen Erbes und der
Belletristik, die der Verbreitung bedürfen, um nicht vergessen zu werden –
Vorhaben, die nicht frei von Risiken sind. Erwähnt sei in diesem Zusammenhang
der Lyrik- und Kunstband zu Paul Fleming Ich bin ein schwaches Both ans große
Schiff gehangen (Hrsg. v. Richard Pietraß und Peter Gosse, 25 Euro), eine
Edition aus dem neuesten Programm. Alljährlich zeigt der Verlag Präsenz auf den
großen Buchmessen in Leipzig, Frankfurt, Linz, Wien und anderen Orten.
Hervorgehoben sei das Statement des Verlagsleiters, die Qualität niemals
zugunsten schneller wirtschaftlicher Erfolge zu vernachlässigen. Die
mitgebrachte Buchpräsentation war hierfür ein überzeugender Beleg.
Die Besucher des Abends, zu denen auch die beiden Autoren des Projekte-Verlages
Karl-Diether Gussek und Gertraude Clemenz-Kirsch zählten, erfuhren viel Neues
und Interessantes über eine „Buchfabrik“, die solide verlegerische Traditionen
mit den modernen Möglichkeiten der Herstellung sinnvoll in Einklang bringt.
Ute Willer

Bücher vom 18. Jahrhundert bis heute. Sammlerabend bei den rhein-mainischen
Pirckheimern. An einem trüben 26. November trafen sich die Mitglieder der
Regionalgruppe Rhein-Main-Neckar zum alljährlichen Sammlerabend. Im Mittelpunkt
des Interesses standen Neuerwerbungen und Lieblingsobjekte aus den Bereichen
Buch und Graphik. Der Bogen spannte sich von frühen Klassikerausgaben bis zur
neuesten Bibliographie aus der burgart-presse.
Die zweite Ausgabe des Schauspiels Die Räuber, 1782 bei Tobias Löffler,
Frankfurt und Leipzig, erschienen – wegen des von Ridinger gestochenen Löwen
auf dem Titel „Löwenausgabe“ genannt – wurde von Friedrich Schiller wegen
mehrerer Fehler sehr gerügt. Ein wohlerhaltener Almanach fürs Theater (1807)
enthält mehrere Kupferstiche mit Darstellungen des bekannten Schauspielers
August Wilhelm Iffland in verschiedenen Posen. Drei illustrierte Ausgaben von
Annette von Droste-Hülshoffs Die Judenbuche zeigen sehr unterschiedliche
bildliche Umsetzungen des schwierigen Stoffes. Eher volkstümlich genrehaft sind
die „handbemalten Bilder“ und Zierstücke von Hugo Wilkens in einem gut
gestalteten Bändchen von Rösl & Cie. (München 1921). Kantiger, die westfälische
herbe Art betonend sind die Holzschnitte von Hans Pape in einem Bändchen des
Verlages Aschendorff, Münster (1955). Auch Heiner Vogel weiß die Lebenswelt des
Protagonisten der Erzählung der Droste mit seinen Holzstichen in einer Ausgabe
des Union Verlages (Berlin 1964) treffend darzustellen.
Ein in jeder Hinsicht gewichtiges Werk ist Anton Tschechows Der Kirschgarten als
zweiter Band der bei Georg Müller herausgegebenen Reihe Welttheater –
Meisterdramen mit Originalgraphik. Das 1919 erschienene, bei Drugulin gedruckte
Werk enthält 15 Steinzeichnungen von Rudolf Großmann. Der gleiche Sammler
präsentierte noch ein bestens restauriertes Exemplar des Don Quichotte von der
Mancha mit Illustrationen von Gustav Doré, 1884 bei Schmidt & Sternaux
herausgekommen. Hier wurde vor allem die handwerkliche Fähigkeit des
Restaurators bewundert.
An das Wirken der zum Bedauern vieler Bücherfreunde kürzlich untergegangenen
Mariannenpresse wurden die Anwesenden durch einige Titel erinnert, vor allem in
Gestalt des 125. Drucks der Presse, Alaska! von Bora Cosic, mit Graphiken von
Wolfgang Petrick (2008, 60 Exemplare). Ein Graphikfreund, der 2009 eine viel
beachtete Ausstellung mit Graphiken des Radierers Stephan von Stengel
(1750-1822) in Mannheim ausrichtete, zeigte zwei Radierungen, die er erst
kürzlich „entdeckte“ und die sich eindeutig Stengel zuschreiben lassen. Den
Abschluß des Reigens bildete Herfurths schöne Seiten, die 2009 in der
burgart-presse von Jens Henkel erschienene Bibliographie des bekannten Leipziger
Graphikers, dessen witzige und geistvolle Einfälle in diesem Buch aufs
Prächtigste ins Bild gesetzt werden.
Ferdinand Puhe

»Herfurths schönste Seiten« war die Ausstellung betitelt, die der Leipziger
Bibliophilen-Abend vom 4. November bis 30. Dezember 2009 im Leipziger Haus des
Buches aus Anlaß des 65. Geburtstages des Graphikers zeigte. Präsentiert wurde
ein Querschnitt aus dem buchgraphischen Werk des Künstlers; Plakate und freie
Graphik waren nahezu, Exlibris zur Gänze ausgeschieden, obwohl Herfurth auch in
diesen Gefilden reiche Ernte aus vierzig erfüllten Schaffensjahren eingebracht
hat. Zur Vernissage am 3. November waren über 250 Freunde der Herfurthschen
Blätter aus nah und fern, Künstlerkollegen und Autoren erschienen. Zur
Einführung sprach Prof. Lothar Lang einfühlsam über Wurzeln und Charakteristika
des Herfurthschen Zeichenstils und Bildwitzes. Reiko Brockelt (Altsaxofon)
umrahmte die Veranstaltung mit stimmungsvollen Weisen. Auch der Verleger Jens
Henkel war angereist mit druckfrischen Exemplaren der in seiner burgart-presse
soeben erschienenen Bibliographie des buchgraphischen Werkes von Egbert
Herfurth, die den gleichen Titel wie die Ausstellung trägt und dank eines
Vorzugspreises und originalgraphischer Zugabe rege nachgefragt wurde. Überdies
hatte der Leipziger Bibliophilen-Abend ein kleines antiquarisches Angebot von
signierten und gewidmeten Herfurth-Büchern zusammengestellt, das dank kleiner
Preise in kurzer Zeit bis zum letzten Exemplar abgeräumt war. Wer davon nichts
abbekommen hatte, konnte sich eigene Sammlungsexemplare durch Egbert Herfurth
›trüffeln‹ lassen. So waren eigentlich alle Voraussetzungen für einen anregenden
und fröhlichen Abend gegeben, die Stimmung jedoch überschattet durch den Tod
von Renate Herfurth, die wenige Tage vor Eröffnung der Ausstellung ihrer
schweren Krankheit erlegen war.

Zum 350. Gründungsjubiläum des Cotta Verlages war im Stadtmuseum Tübingen von
Mai bis September 2009 eine Ausstellung mit dem Titel Von der Zensur zum
Welterfolg. 350 Jahre Cotta zu sehen (mit informativem Katalog). Eine von Peter Kaeding verfaßte Biographie erinnert an den bedeutendsten unter den
Cotta-Verlegern, an Johann Friedrich Cotta (1764-1832): Peter Kaeding: Die Hand
über der ganzen Welt. Johann Friedrich Cotta. Der Verleger der deutschen
Klassik. Stuttgart: Klett-Cotta 2009. 490(4) S., Ln. ISBN 978-3-7681-9712-0.
Zwar ist die wechselvolle Geschichte des Cotta-Verlages recht gut erforscht,
über das Leben Johann Friedrich Cottas jedoch, des Verlegers der deutschen
Klassik, war bislang wenig bekannt. Den Spuren dieses exemplarischen
Verlegerdaseins ist Peter Kaeding nachgegangen und hat in akribischer,
detektivischer Arbeit eine äußerst kenntnisreiche und kurzweilig zu lesende
Biographie verfaßt. Grund genug für die Leipziger, den Autor der Biographie für
den 11. November 2009 zu einem bibliophilen Abend einzuladen. In seinem Vortrag
wurde deutlich, daß die Entwicklung des 1659 gegründeten Familienunternehmens
von lediglich regionaler Bedeutung zu einem international renommierten Verlag
nur durch die Weitsicht und Entschlußkraft Johann Friedrich Cottas, durch das
Balancehalten zwischen geistigem Anspruch und marktpolitischem Handeln möglich
wurde.
Dabei war diesem die Verlegerlaufbahn durchaus nicht vorbestimmt; sein Interesse
gilt der Geschichte, Physik und Mathematik, die er an der Universität belegt,
und mit dem Examen schließt er die nicht sonderlich geliebten juristischen
Studien ab. Eine Reise nach Paris, dem kulturellen Zentrum Europas, bringt den
vielseitig begabten Cotta mit Literatur, Philosophie, den schönen Künsten und
ihren Protagonisten in Kontakt. Der ersehnte Ruf als Prinzenerzieher nach
Warschau bleibt politischer Unruhen in Polen wegen aus, und da Cotta auch als
eingetragener Advokat nicht tätig wird, folgt er 1787 mehr widerwillig der
väterlichen Forderung, die heruntergewirtschaftete Cotta’sche Buchhandlung zu
übernehmen. Bald hat er sich das Handwerkszeug des Verlegers angeeignet oder
von den Großen des Gewerbes abgeschaut, die in dem Newcomer keinen echten
Konkurrenten sehen, und beginnt am Buchhandel Geschmack zu finden, das
Verlagsprogramm auszuweiten, zunächst um gehobene Unterhaltungsliteratur, aber
er engagiert sich auch in der politischen Publizistik. Periodika wie die Horen,
Allgemeine Zeitung und Europäische Annalen entwickeln sich zu europäischem
Format. Schließlich gelingt ihm der Kontakt zu den führenden deutschen Autoren;
Goethe, Schelling, Kleist, Fichte, Uhland, Hölderlin, Jean Paul und andere –
alle publizieren bei Cotta. Aber auch Standardwerke der Astronomie,
Kartographie, Geschichte, Politik, des Militärwesens und der Technik erscheinen
in seinem Verlage. Daneben engagiert sich der rastlose Verleger, der sich kaum
Schlaf oder Urlaub gönnt, auf vielen anderen Gebieten, zum Beispiel in der
Politik als Deputierter für den Buchhandel beim Wiener Kongreß, als
Industriepionier in der Dampfschiffahrt, im Druckereigewerbe, im Textilwesen.
Nachdem Cottas Leben und Wirken so, im Geschwindschritt, an den Hörern
vorbeigezogen war, wollte es scheinen, daß eine solche verlegerische Leistung
nicht in einen Zeitraum von nur 68 Lebensjahren passen kann.
Herbert Kästner

Der gesellige Abend des Leipziger Bibliophilen-Abends ist stets ein Höhepunkt
des Jahresprogramms. In ›alten Zeiten‹ berichtete sogar die Lokalpresse, wenn
die Karossen der Mitglieder vor dem Hotel Hauffe vorfuhren und alle in Erwartung
reichlicher Gaben waren. Ebenfalls erwartungsfroh versammelten sich am 1.
Dezember 2009 reichlich 60 Bücherfreunde aus nah und fern im gastlichen Casino
der AOK Leipzig, das schon des öfteren ein opulentes Büffet für die Bibliophilen
angerichtet hatte. Auf die leiblichen Genüsse folgten sodann, wie üblich, die
geistigen Freuden. Das vorgeschlagene Thema Essen und Trinken hatte eine so
erfreuliche Resonanz gefunden, daß der Abend schließlich zu Ende ging, ohne daß
alle Beiträger zu Wort gekommen waren. Da gab es Heiteres und Skurriles aus der
Literatur über Askese und Völlerei zu hören, einen umfangreichen
Antiquariatskatalog zur Bibliotheca Gastronomica, Wein-Exlibris und interessante
Speise- und Weinkarten zu sehen. Beispielsweise eine sechsundsechzigseitige (!)
Weinkarte des Bremer Ratskellers oder ein Buch mit Karikaturen zum Wein, selbst
ein Spezialwörterbuch mit 1500 Wörtern zum Wein in sechs Sprachen fehlte nicht.
Aus dem Archiv des Leipziger Bibliophilen-Abends wurden die zum Teil
originalgraphisch geschmückten Menükarten zu den damaligen Jahresessen gezeigt
mit Lithographien von Corinth, Liebermann, Slevogt, Steiner-Prag und anderen, in
den ersten Jahren oft auch in origineller Form als Minibändchen (auf jeder Seite
ein Gericht des Menüs), als Thora-Rolle oder ›Büchertaschentuch‹ mit der im
Modeldruck gelisteten Speisenfolge. Natürlich konnten auch die bibliophilen
Editionen des LBA aus dem Jahr 2009 betrachtet werden, denen manch begehrlicher
Blick von jenen galt, die zu subskribieren vergessen hatten. So ging ein
vergnüglicher Abend bei heiteren Gesprächen viel zu rasch zu Ende.
Herbert Kästner

Das Jahresprogramm 2010 des Leipziger Bibliophilen-Abends wurde am 5. Januar
eröffnet mit dem Thema Frauen um Chagall, das – trotz widrigen Wetters –
zahlreiche Interessenten ins Haus des Buches gelockt hatte. Gertraude Clemenz-Kirsch, die schon das Vorjahresprogramm mit Picassos Frauen eröffnet
hatte und seit vielen Jahren über den Einfluß von Frauen auf Leben und Werk
bedeutender Künstler arbeitet, stellte ihr kürzlich im Projekte-Verlag Halle
erschienenes Buch über Chagalls Frauen vor. Diesem Buch waren umfangreiche,
jahrelange Literaturstudien und Recherchen vorausgegangen, insbesondere zur
Erhellung des Lebensweges und Schicksals von Virginia, die nach dem Tod der über
alles geliebten Bella sieben Jahre Chagalls Leben teilte und ihm den Sohn David
schenkte. Diese Periode zwischen den Ehen mit Bella und der 1952 geschlossenen
Verbindung mit Valentina Brodsky, genannt Vava, wurde in den bislang
veröffentlichten Chagall-Biographien zumeist – wohl auf Betreiben der Nachkommen
– übergangen. Gertraude Clemenz-Kirsch berichtete anschaulich von ihren
Begegnungen mit Virginias Kindern und dem Enkel, die ihr wertvolle Einblicke in
das Leben der Gefährtin Chagalls vermittelten, von den Anfangsjahren des in
Witebsk in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsenen Moische Segal, seinen
Petersburger und Pariser Jahren, der großen Liebe zu Bella, mit der er nach den
Wirrnissen der russischen Revolution 1923 endlich wieder nach Paris ziehen
durfte, von der Emigration nach New York und dem Tod Bellas 1944, von der
Rückkehr nach Frankreich 1948 bis zu der von der Tochter Ida »arrangierten« Ehe
mit Vava, mit der Chagall dann noch reichlich drei Jahrzehnte in Liebe verbunden
war. Anhand reichen Bildmaterials wurde deutlich, wie sehr die drei Frauen
Chagalls Pinsel geführt haben, wie insbesondere Bella als Muse und Modell immer
wieder auf seinen Bildern erscheint, es jedoch – anders als bei Picasso – nicht
zu grundlegenden Wechseln seines Malstils gekommen ist. – Nach dem mit großem
Beifall aufgenommenen Vortrag wurde noch rege von der Möglichkeit des Erwerbs
und Signierens des Buches über die Frauen um Chagall Gebrauch gemacht.
Herbert Kästner

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