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Redaktionsschluss 4. Oktober 2009
Wir gratulieren
unseren Mitgliedern
Neue Mitglieder
Jahrestreffen 2010 der Pirckheimer-Gesellschaft von 17.
bis 19. September
Nachl. 141 ( Slg. Adam ) – die Autographen-Sammlung
Herbert Adam
Ein Werkstattgespräch mit dem Chemnitzer Künstler Klaus
Süß
Herbstexkursion am 12. September 2009
Buchtypographie für Leser, kein Spielplatz für Designer
Buchtypographie für Leser, kein Spielplatz für Designer
Armin Renker – Industrieller, Papiermacher,
Buchgestalter, Dichter,
Historiker, Bibliophile
Exlibris aus der Sammlung Klaus-Jürgen Tischer
Filmplakate aus der Sammlung Peter Nöllke in Freiburg
Wir gratulieren unseren Mitgliedern. Zum 60.
Geburtstag: Brigitte Dolle (Berlin) am 2. 1., Tho-mas Döring (Berlin) am 15. 1.,
Jürgen Gottschalk (Berlin) am 6. 3., Dipl.-Jur. Andreas Neumert (Altenburg) am
16. 3. Zum 65. Geburtstag: Herbert Zimmermann (Schriesheim) am 4. 2., Jörg
Ar-mer (Berlin) am 14. 2., Dr. Heye Heyenga (Ansbach) am 1. 3., Gisela
Klostermann (Stralsund) am 2. 3., Hans-Joachim Möller (Winnenden) am 6. 3.,
Ernst Volker Braun (Dresden) am 19. 3., Karl-Walter Heller (Magdeburg) am 31. 3.
Zum 70. Geburtstag: Prof. Dr. Dietger Pforte (Berlin) am 22. 1., Prof. Dr.
Manfred Kappeler (Berlin) am 2. 2. Zum 75. Geburtstag: Susanne Kunert (Hal-le/Saale)
am 29. 1., Prof. Dr. Werner Grebe (Frechen) am 2. 2., Erhard Kunkel
(Neustrelitz) am 11. 2., Sigrid Henschel (Rottleberode) am 1. 3., Wolfgang
Ilgner (Dresden) am 19. 3. Zum 80. Geburtstag: Günter Karasek (Dresden) am 9. 2.
Zum 82. Geburtstag: Curt Visel (Memmingen) am 5. 1., Prof. Dr. Lothar Lang
(Grünheide/Mark) am 20. 3., Annemarie Verweyen (Mönchengladbach) am 21. 3. Zum
83. Geburtstag: Dr. Wolfgang Classen (Essen) am 13. 2. Zum 84. Geburtstag: Prof.
Dr. Bertram Winde (Königs Wusterhausen) am 1. 2. Zum 85. Geburtstag: Alfred
Ringel (Berlin) am 19. 2. Zum 86. Geburtstag: Helmut Buske (Norderstedt) am 24.
1., Peter Kittel (Berlin) am 29. 1., Rolf Arndt (Radeberg) am 5. 2., Werner G.
Kießig (Berlin) am 10. 2. Zum 88. Geburtstag: Karl-Heinz Köhler (Bad Windsheim)
am 4. 1.

Neue Mitglieder: Gerd Beyer, Medizinischer
Dokumentationsassistent (ursprünglich Schriftsetzer), Berlin. Thomas Hüther,
kfm. Angestellter, Frankfurt am Main. Matthias Koloßa, Weimar. Dipl. Ing. Harald
Kugler, Versicherungsfachmann, Pirna. Agnes Kunze, Altphilologin,
Bibliothekswissenschaftlerin, Stendal. Michael Schalke, kfm. Angestellter,
Berlin.

Jahrestreffen 2010 der
Pirckheimer-Gesellschaft von 17. bis 19. September. Das Jahrestreffen wird
2010, wie auf der Mitgliederversammlung in Weimar beschlossen, in Hannover
stattfinden. Die Organisation liegt in den Händen von Norbert Köppe. Am 17.
September findet die Mitgliederversammlung mit der Wahl von Vorstand und
Revisionskommission statt, zu der alle Mitglieder unserer Gesellschaft
eingeladen sind. Es ist gelungen, einen für Hannoversche Verhältnisse sehr
günstigen Zimmerpreis im bahnhofsnahen und verkehrsgünstigen »City Hotel
Hannover« (Thielenplatz 2, 30159 Hannover, Tel.: 0511-327691. Dreisternehotel,
zur Stadtmitte zirka 5 Minuten Fußweg) auszuhandeln. Das Doppelzimmer kostet je
Nacht inklusive Frühstück 79 Euro, das Einzelzimmer 60 Euro. Im Hotel wird auch
die Mitgliederversammlung stattfinden. Wir haben ein Kontingent von 50
Zimmereinheiten reserviert und empfehlen, frühzeitig zu buchen (Stichwort:
Pirckheimer – abrufbar bis 30. März 2010). Der Tagungsbeitrag beträgt 65 Euro.
Das Programm wird voraussichtlich im Dezember vorliegen und kann dann auf der
Homepage www.pirckheimer-gesellschaft.org eingesehen oder auf Wunsch auch
zugeschickt werden. Wir bitten um eine zeitige Anmeldung bis 28. Februar bei
Norbert Köppe, Große Pranke 13 A, 30419 Hannover oder hannover-2010@gmx.de. Sie
wird durch die Zahlung des Tagungsbeitrages auf das Konto der Gesellschaft
(Postbank Berlin, BLZ 100 100 10, Kto. 649 814 106) mit dem Stichwort »Hannover
2010« verbindlich. Bitte beachten Sie, daß die Kosten auch bei nachträglicher
Absage anfallen, deshalb kann die Gebühr bei Nichtteilnahme nicht erstattet
werden. Der verhinderte Teilnehmer erhält jedoch den kompletten Inhalt der
Tagungsmappe. Da auch wieder eine Buch- und Graphikauktion zugunsten der
Pirckheimer-Kasse vorgesehen ist, bitten wir im Vorfeld um geeignete Spenden,
die, wenn sie nicht nach Hannover mitgebracht werden können, an den Vorstand zu
richten sind. Wir freuen uns auf Ihr Kommen!
Der Vorstand

Nachl. 141 ( Slg. Adam ) – die Autographen-Sammlung
Herbert Adam. Noch sind den Berliner Pirckheimer-Freunden die Sternstunden
eines Mäzens in schönster Erinnerung, die Ausstellung der Staatsbibliothek mit
Briefen aus der Sammlung Ludwig Darmstaedter im Jahre 2008. So war es kein
Wunder, daß auch die Autographen-Sammlung Adam viele Interessenten anzog, als
Dr. Jutta Weber sie den Pirckheimern am 17. September in der Staatsbibliothek
vorstellte.
Herbert Adam (1903-1979) war Parfümhändler, ein Berliner Kaufmann, der, soviel
ist gewiß, von Jugend an ein passionierter Autographen-Sammler war, der in den
dreißiger Jahren systematisch zu sammeln begann und in den vierziger und
fünfziger Jahren seine Schätze intensiv erweiterte. Adam hat Autographen an
verschiedensten Stellen, vornehmlich auf Auktionen, erworben, nicht alle
Erwerbsvorgänge konnten bislang aufgehellt werden. Interessantes war also
zunächst über die Erwerbs- und Entstehungsgeschichte der Sammlung zu erfahren.
Ältere Autographen-Sammlungen sind in der Adam-Sammlung aufgegangen, so die
Sammlung Carl und Wilhelm Künzel, die Sammlungen Georg Joachim Göschen und
Rudolf Brockhaus, die Kotzebue-Sammlung Hermann Kienzls. Der Antiquar Carlos
Kühn, der anwesend war, erinnerte sich noch sehr genau seiner Begegnungen mit
Herbert Adam, den er auf Auktionen nie lächeln sah ...
In den sechziger und siebziger Jahren hat sich Adam nachweislich von Teilen
seiner Sammlung getrennt. Im Jahre 1980 wurde sie von der Stiftung Preußischer
Kulturbesitz erworben, ein Vorgang, der unter anderem in der Berliner Morgenpost
gewürdigt wurde. Es handelte sich um 18 000 Stücke, wovon der wertvollste Teil
ins Geheime Staatsarchiv gelangte, die übrigen Schätze der Handschriften- und
Musikabteilung der Staatsbibliothek überlassen wurden, kostbare Ergänzungen zu
vorhandenen Nachlässen und Sammlungen.
Die Sammlung Adam tendierte in breit gefächerter Anlage zu universellem
Anspruch, einem eigenen Kosmos. Sie umfaßt die Bereiche Allgemeines, Geschichte,
Wissenschaft, Theater, Film, Literatur und Musik. Viel ist über Herbert Adam
nicht bekannt, er hat wohl auch Filme über seine Sammlung drehen lassen, die,
noch in Familienbesitz, bisher nicht zugänglich sind. Auch Vorträge und
Leihgaben für Ausstellungen sind bezeugt. Im zweiten Teil des Abends waren die
von Jutta Weber ausgewählten Sammlerstücke zu betrachten. In vornehm schwarzen
Kästen lagen sie bereit, vom Sammler selbst auf schwarze Pappen gelegt. Immer
wieder verwies Jutta Weber auf Adams Karteikästen, die, aufs sorgsamste
vermerkt, für jeden Brief Erwerbs- und Bestandshinweise und eine kurze
Inhaltsbeschreibung bieten.
Vorgeführt wurden neben anderem Autographen von Georg Reimer und Stefan Zweig,
von „Menschen mit seltsamen Schicksalen“, Beispiele von Gästebüchern,
Leichenpredigten, auch Zeitdokumente (so zum 17. Juni 1953), Beispiele aus
Kasten 90 „Kotzebue“, Autographen von Fürst Pückler-Muskau, Wilhelm Raabe, Peter
Rosegger, von Bettina von Arnim, Heinrich von Kleist und auch ein Brief des
Nazi-Gauleiters Julius Streicher an seinen Bruder, der frösteln ließ.
Mit der freundlichen Einladung an die Versammelten, an der weiteren Erschließung
der Adam-Sammlung nach Kräften mitzuwirken, beschloß Dr. Jutta Weber den
interessanten und im besten Sinne unterhaltsamen Abend. Die Pirckheimer dankten
mit Beifall.
U. Lang

Ein Werkstattgespräch mit dem Chemnitzer
Künstler Klaus Süß lockte am 1. September 2009 die Leipziger Bibliophilen
ins „Haus des Buches“. Der aus dem Erzgebirge gebürtige Süß (Jg. 1951) nahm
zunächst eine ›DDR-typische‹ Entwicklung: Schule, Berufsausbildung als
Heizungsmonteur, anschließend Ingenieurstudium (Luft- und Kältetechnik) und
Tätigkeit in einem Karl-Marx-Städter Betrieb. Doch die ›musische Ader‹ in ihm
wurde immer stärker, bald schloß er sich einer Arbeitsgemeinschaft Malerei und
Graphik an, hatte in der Galerie Clara Mosch Kontakt zu jungen Leuten wie
Morgner, Nicolai, Ranft, Volmer, von denen er viele künstlerische und
handwerkliche Anreungen erhielt. Auch die Beschäftigung mit Meistern der
Vergangenheit, besonders den Künstlern des Impressionismus und Expressionismus,
schärfte sein Auge und entwickelte sein ästhetisches Urteil, und ein übriges tat
die große Experimentierlust, mit der sich Klaus Süß graphischen, malerischen und
auch plastischen Techniken zuwandte. Bald schon wurde er durch seine Arbeiten,
zu-nächst vorwiegend Linolschnitte, bekannt, und bereits 1984 als Kandidat in
den Verband Bildender Künstler aufgenommen (Mitglied 1987). Seit 1986 ist er
freischaffend tätig. Von seinem reichen buchgraphischen Œuvre hatte er eine
große Kiste mit nach Leipzig gebracht, originalgraphische Bücher und Mappen,
teils in eigenem Auftrag entstanden, teils für Verlage (Büchergilde) oder
Pressen (burgart presse, Quetsche), meist Linol-, in den letzten Jahren aber
auch zunehmend Farbholzschnitte in der Technik der verlorenen Form, in
kräftiger, intensiver Farbgebung, obwohl er auch das kontrastreiche Schwarz-Weiß
schätzt und pflegt. Höhepunkt des Abends aber war die ›Enthüllung‹ des jüngsten
Buches Blaubart mit sechs seitengroßen Farbholzschnitten und einem weiteren
Farbholzschnitt auf dem Einband; eine Arbeit für den 19. Leipziger Druck des LBA.
Wie man weiß, ist bei der Technik der verlorenen Form die Arbeit des Druckers
von ausschlaggebender Bedeutung, deshalb war auch Reinhard Rößler vom
Künstlerhaus Hohenossig gekommen, so daß sich zwischen Künstler, Drucker, dem
Gestalter Thomas Glöß und dem Publikum eine rege Debatte über künstlerische und
drucktechnische Fragen entwickelte. Vorgezeigt wurde auch das dazugehörige
Arbeitsbuch von Klaus Süß, mit dessen Hilfe er sich in das Thema einarbeitete:
der gesamte Text von Hand geschrieben (›erarbeitet‹!) und mit bereits farbig
ausgeführten Zeichnungen als Anregungen für die später auszuführenden Schnitte
durchsetzt. - Der Schluß des Abends aber gehörte ganz den Augen; lange noch
erfreuten sich die Bücherfreunde an den ausliegenden Büchern und Mappen.
H. Kästner

Zu ihrer Herbstexkursion am 12. September 2009
mußten die Leipziger Bibliophilen keinen Bus chartern, denn auf dem Programm
standen lokale Sehenswürdigkeiten: das Leipziger Stadtarchiv und die
Geographische Zentralbibliothek (GZB), die beide vor einigen Jahren in größere
Räumlichkeiten umgezogen sind und so ihre Sammlungen besser bewahren und nutzen
können. Die GZB als Teil des 1992 gegründeten Leibniz-Instituts für Länderkunde
ging hervor aus der Handbibliothek des Museums für Länderkunde in Leipzig, deren
Entstehen wiederum der Sammlung des sächsischen Privatgelehrten Alphons Stübel
zu danken ist. Durch Fusion mit der Bibliothek der Gesellschaft für Erdkunde zu
Leipzig entstand daraus 1948 die Geographische Zentralbibliothek, die mit einem
Bestand von etwa 200 000 Büchern eine der fünf größten geographischen
Fachbibliotheken Europas ist. Sammelschwerpunkt bildet die Literatur zur
Kulturgeographie, dem Forschungsschwerpunkt des Instituts. Daneben wird aber
auch Literatur zur Physischen Geographie sowie zu Nachbardisziplinen der
Geographie wie Raumplanung, Regionalgeschichte und Kartographie gesammelt. Dr.
Heinz-Peter Brogiato, der Direktor der Bibliothek, hatte den Bibliophilen nicht
nur die Bibliotheksräume mit dem Handapparat und über 1000 laufenden
Zeitschriften und Serien geöffnet, sondern auch das Archiv mit seinem wertvollen
historischen Buch- und Atlantenbestand, Briefen, Tagebüchern, Manuskripten,
Originalausgaben und Routenskizzen von mehr als einhundert Geographen und
Forschungsreisenden, zirka 40 000 Einzelkarten und einer großen Sammlung
historischer Fotos und Ansichtskarten. Reichlich zwei Stunden vergingen wie im
Fluge, und nach mittäglicher Labung wurden die Exkursionsteilnehmer im
Stadtarchiv von der Direktorin, Dr. Beate Berger, und ihren Mitarbeitern
empfangen. Das Archiv, das zu den bedeutendsten kommunalen Archiven Deutschlands
gehört, enthält mehr als 4000 Urkunden, 7000 laufende Meter Akten, 50 000 Karten
und Pläne, 50 000 Fotos und Postkarten sowie Leipziger Zeitungen und anderes
Sammlungsgut (zum Beispiel Theater- und Konzertprogramme) und ist damit eine
wichtige Quelle für die Geschichte Leipzigs von der Stadtrechtsverleihung um
1165 bis in die jüngste Vergangenheit. Dr. Beate Berger gab vorab einen Einblick
in Aufgaben und Zuständigkeiten des Archivs, und danach konnten sich die
Bibliophilen – wegen der großen Zahl in zwei Gruppen – davon überzeugen, daß es
sich dabei um eine keineswegs ›trockene‹, sondern überaus spannende und
lebendige Institution handelt. Glücklicherweise ist das Archiv ziemlich
unbeschädigt über die Wirrnisse der Zeit gelangt, und dort, wo der Zahn der Zeit
heftig genagt hat, greift die hauseigene Restaurierungswerkstatt ein, die
ebenfalls besichtigt wurde. Interessant zu hören, daß für Historiker,
Architekten, Rechtsanwälte, Genealogen und andere Archivnutzer häufig die
akribisch seit dem 14. Jahrhundert geführten Rechnungsbücher des Rates eine der
aussagekräftigsten Quellen sind. Zum Schluß und als Höhepunkt öffneten sich noch
die Tresore des Archivs, und es konnten unter anderem der Stadtbrief mit dem
Siegel Markgraf Ottos des Reichen (um 1165), das berühmte kaiserliche
Messeprivileg von 1507 und ein päpstliches Dekret betrachtet werden. Bereit lag
auch ein Faszikel mit der Überschrift Gesellschaft der Bibliophilen, enthaltend
Unterlagen zu den Tagungen, die diese Gesellschaft in der ersten Hälfte des 20.
Jahrhunderts mehrfach in Leipzig abgehalten hat. Dank ist allen Mitarbeitern
beider Einrichtungen zu sagen, die ihren freien Samstag der Neugier der
Bibliophilen opferten.
H. Kästner

Buchtypographie für Leser, kein Spielplatz für
Designer hieß das Thema des Abends, zu dem am 6. Oktober 2009 die Leipziger
Bibliophilen im Haus des Buches zusammengekommen waren. Eingeladen war Rolf
Staudt, viele Jahre Herstellungsleiter des Frankfurter Insel-Suhrkamp-Verlages
und verantwortlich für dessen buchkünstlerisches und typographisches Gesicht wie
auch für jenes des 1981 gegründeten Deutschen Klassiker Verlages. Es ging um die
seit einigen Jahren zu beobachtende Neigung mancher Buchgestalter, weniger das
Wort der Autoren werktreu und leserfreundlich einzurichten, als vielmehr sich
selbst zu inszenieren, eine Tendenz, die auch in den Theatern und auf den
Opernbühnen oft recht eigenwillige und abwegige Inszenierungen hervorbringt. Der
Autor Daniel Kehlmann hat mit seiner kürzlich gehaltenen Salzburger Rede eine
Diskussion dazu provoziert. – Nach einigen grundsätzlichen Bemerkungen zur
Umschlaggestaltung, die in das Ressort der Werbetypographie fällt, und zur
Buchtypographie, die als Mittler zwischen Autor und Leser dienende Funktion hat,
ging der Referent auf die ›ehernen Gebote‹ einer leser-freundlichen Gestaltung
ein, die sich aus dem Gebrauch des Buches und aus der Lesekultur seit
Jahrhunderten herausgebildet haben und nicht immer wieder neu erfunden werden
müssen: Das Verhältnis von Format und Satzspiegel, die Wahl der Type, das
Verhältnis von Schriftgröße und Durchschuß, die Zeilenlänge, die Behandlung von
Anmerkungen und Bildlegenden und anderes. Kurz gesagt: Eine zweckbetonte
Typographie muß die Mitteilung des Autors auf kürzestem und einfachstem, dabei
auch dem Auge angenehmem Wege zum Leser befördern. An Beispielen aus der
Produktion der letzten Jahre – Bücher, die zum Wettbewerb der „Schönsten“
eingereicht oder gar ausgezeichnet wurden – zeigte Rolf Staudt nun typische
Sünden, trotz teilweise brillant ausgeführten Druckes verfehlte Gestaltungen,
die mit den technischen Möglichkeiten des ›modernen Designs‹, mit allerlei
Schnickschnack, vollem Griff in die Kiste der Schriftfonts und -größen, mit viel
bunter Farbe, mit Linien und anderem Zierrat ein innovatives Produkt vorgaukeln,
aber elementare Forderungen an Lesbarkeit, Harmonie und Zweckmäßigkeit
verletzen. Da die Beispiele vorwiegend aus dem Bereich der Belletristik und der
Kunstliteratur gewählt waren – in diesen Distrikten kennt sich der Referent
bestens aus –, fehlte natürlich auch der Hinweis nicht, daß andere
Literaturgattungen wie etwa Nachschlagewerke und Schulbücher, ein anderes
typographisches Herangehen erfordern. – Nach dem ›offiziellen‹ Schluß der
Veranstaltung sah man die Bibliophilen noch lange in den freundlicherweise von
der Deutschen Bücherei bereitgestellten Büchern blättern und mit Rolf Staudt
debattieren.
H. Kästner

Armin Renker – Industrieller, Papiermacher,
Buchgestalter, Dichter, Historiker, Bibliophile. Das abendliche Treffen der
Regionalgruppe Rhein-Main-Neckar am 27. August galt dem Gedenken an eine
vielseitig interessierte und engagierte Persönlichkeit, die sich auch in der
Bibliophilie einen Namen gemacht hat: Armin Renker (1891-1961), den Inhaber der
Papierfabrik Zerkall in der Nordeifel.
Vater Gustav Renker (gest. 1938) hatte die Pappenfabrik am Flüßchen Kall zu
einer Büttenpapierfabrik umgebaut, in der bis heute Formatpapiere auf
Rundsiebmaschinen hergestellt werden, die bei Buchgestaltern und Graphikern
einen ausgezeichneten Ruf genießen. Vor allem unter der Ägide von Armin Renker
festigte sich die weltweite Reputation des Zerkall-Bütten. Viele prämiier-te
schöne Bücher sind auf Zerkall gedruckt. Armin Renker hatte nach dem Abitur in
Düren an der Technischen Hochschule Darmstadt und der Ecole de Papeterie in
Grenoble die Technik der Papierfabrikation studiert. Das für einen Unternehmer
erforderliche kaufmännische Wissen erwarb Renker an der Handelshochschule
Berlin. Zwischendurch leistete er seinen Militärdienst und war während des
ganzen Ersten Weltkrieges als Offizier im Einsatz. Die Geschäftsführung der
Papierfabrik übernahm er 1919.
Bereits in seinen jungen Jahren hatte Renker sich erfolgreich in Lyrik und Prosa
versucht. Vor allem seine Briefe und Gedichte an seine Söhne Alfred und Klaus
sind kleine Meisterwerke, die unter den Titeln Akelei und Rittersporn (Freiburg
i.Br.: Urban Verlag, o. J.), Die Heimat ist stark (Leipzig: Amthorsche
Verlagsbuchhandlung, 2. Aufl. 1943) und Die Heimat ist das bleibende (München:
Pohl & Co., 1951) veröffentlicht wurden. Daneben schrieb Renker Märchen für
Erwachsene und Kinder sowie Erzählungen aus dem Umfeld der Papiermacher und dem
seiner Eifel-Heimat. Heute noch im Antiquariat stark nachgefragt ist Renkers
Werk Das Buch vom Papier mit Papiermustern im Anhang (Leipzig: Insel, 1929). Ein
zugleich lehrreiches wie unterhaltsames Buch wurde die natürlich auf
Zerkall-Bütten gedruckte Reise nach Filigranistan (Mainz: Eggebrecht Presse,
1957), in der Renker Entstehung, Sinn und Art der Wasserzeichen in Form einer
Erzählung erklärt. Als Schriftsteller und Buchgestalter betätigte sich Renker
bei der Herausgabe der alljährlich erscheinenden „Werkdrucke“ der Papierfabrik
Zerkall.
Renker war Mitbegründer und seit 1938 verantwortlich für die Forschungsstelle
für Papiergeschichte in Mainz (heute dem Deutschen Museum in München
angegliedert). Zugleich war der Unermüdliche Obmann des Fachausschusses für
Papiergeschichte und Wasserzeichenkunde im Zellcheming, der Vereinigung der
Zellstoff- und Papieringenieure. Als in der ersten Nachkriegszeit für politische
und kommunale Ämter integre Persönlichkeiten gesucht wurden, bekleidete Renker
von 1946 bis 1948 das Amt des Landrats im Kreise Düren. Ehrungen blieben nicht
aus, so verlieh ihm die Forschungsstelle Papiergeschichte ihren Ehrenring und
der Bundespräsident das Bundesverdienstkreuz.
F. Puhe

Exlibris aus der Sammlung Klaus-Jürgen Tischer. In
der Zeit vom 12. Dezember 2009 bis 28. Februar 2010 gibt unser Mitglied
Klaus-Jürgen Tischer im Rahmen einer Sonderausstellung des Cranach-Hauses, Markt
4, 06886 Lutherstadt Wittenberg, Einblicke in seine Exlibris-Sammlung. Eröffnet
wird die Exposition am 11. Dezember 2009 um 18.00 Uhr unter anderem mit
einführenden Worten von Dr. Peter Labuhn. Präsentiert werden zirka 300
Buchzeichen zu verschiedenen Themen, Exlibrisliteratur und Mappenwerke.
Schwerpunkte sind die Eigenexlibris des Sammlers und solche zum Thema Lucas
Cranach und Martin Luther. Mit dieser Ausstellung soll den Besuchern die
Entwicklung und Bedeutung des Exlibris vermittelt werden. Insbesondere
Schulklassen können sich in der Ausstellung im Rahmen des Kunstunterrichtes mit
der Thematik didaktisch aus-einandersetzen und auch ein eigenes Exlibris
entwerfen. Weitere Informationen finden sich unter www.cranach-stiftung.de/eventkalender.

Filmplakate aus der Sammlung Peter Nöllke in
Freiburg. Warum nur sollte sich ein bibliophiler Mensch für Filmplakate
interessieren, bewerben diese doch ein Medium, das dem Buchfreund so ganz fremd
zu sein scheint? Doch schaut man alte Plakaten näher an, so entdeckt man oft
Namen, die auch bei Liebhabern und Sammlern von illustrierten Büchern einen
guten Klang haben, wie Werner Klemke, Paul Rosié oder Hans Baltzer. Ähnlich den
bibliophilen Kostbarkeiten sind sie selten, wurden meist zerstört durch Aushang
oder vernichtet, sobald der Film abgelaufen war. Gründe genug also auch für
einen Bibliophilen, zu schauen, zu stöbern und zu sammeln.
Es begann mit einem Plakat von Werner Klemke, Der Zauberer aus der Flasche von
1957, ein größerer Posten DIN A 4 Plakate folgte, ein emsiger Händler aus Berlin
sorgte für Nachschub und ließ den Bestand auf zirka 600 Stück anwachsen. Erste
Kontakte zu Plakatsammlern ergaben sich, man tauschte Plakate und Geschichten
von zerstörerischen Wasserrohrbrüchen und legendären Sammlungen aus, und
manchmal wechselte auch ein besonders schönes Exemplar für einen Geldschein den
Besitzer. Ein Sammler, Heinrich Kumfert aus Chemnitz, ließ sich überreden, mir
einige sehr schöne Kinderfilmplakate zu überlassen. Diese bilden nun den Kern
einer kleinen Ausstellung in der Galerie der Kinderklinik Freiburg,
Mathildenstraße 1, 79106 Freiburg i.Br. 20 Plakate im Format DIN A 2, darunter
13 von Werner Klemke, vier von Paul Rosié und drei von Kurt Geffers, ergänzt um
einige Plakate in DIN A 4 von Hans Baltzer und anderen, erfreuen nun vom 16.
Oktober bis 30. Dezember 2009 die Patienten, Besucher und das Personal. Kontakt:
Peter Nöllke (0761-270-4619).
Abbildungen aus der Ausstellung

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