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Redaktionsschluss 8. Juli 2009
Wir gratulieren
unseren Mitgliedern
Neue
Mitglieder:
Edition
NeueKleiderDrucke
Gilgamesch,
Burkhard Pfister und Claudia Hentrich
Exkursion nach
Potsdam
Jubiläum der
Hällischen Zeitungen
Die
Präsentation der Schönsten deutschen Bücher
Auf die Spuren
von Heinrich von Kleist und Theodor Fontane
Wo die
Geschichte in Büchern sitzt
Die Kunst des
Mezzotinto
Wir
gratulieren unseren Mitgliedern. Zum 60. Geburtstag: Dr. Gerd Gruber
(Lutherstadt Wittenberg) am 21. 11., Wolfgang Zumpe (Leipzig) am 24. 12. Zum 65.
Geburtstag: Gisela Katharina Kirchner (Mutterstadt) am 6. 10., Elisabeth Lehmann
(Dortmund) am 4. 11. Zum 70. Geburtstag: Volker Häußler (Jena) am 24. 11.,
Ekkehard Hellwich (Mehrow) am 20. 12., Peter Kunze (Berlin) am 30. 12. Zum 75.
Geburtstag: Oscar Liechti (Küssnacht, Schweiz) am 23. 10., Erich Leistner
(Eichwalde) am 18. 11., Ilse Bornitz (Berlin) am 20. 11., Hans Hubert Gotzmann
(Weißwasser) am 20. 12., Zum 80. Geburtstag: Dr. Margit Wille (Berlin) am 12.
10. Zum 84. Geburtstag: Rudolf Schmalz (Halle) am 4. 12. Zum 85. Geburtstag: Dr.
sc. Peter Hoffmann (Nassenheide - Löwenberger Land) am 9.11., Gunther Ball
(Neubrandenburg) am 1. 12. Zum 86. Geburtstag: Lotte Rhein (Wismar) am 29. 11.
Zum 89. Geburtstag: Prof. Dr. med. Wolfram Körner (Berlin) am 20. 11. Zum 95.
Geburtstag: Ursula Krüger (Potsdam) am 26. 11.

Neue Mitglieder: Dr. Detlef Küchler, Physiker, Ornex
(Frankreich). Karl-Walter Heller, Augenoptiker, Magdeburg. Manfred Johannes
Backhausen, Dozent, Autor, Verleger, Pulheim.

Edition NeueKleiderDrucke. „Lauter
Unglücke“ war das Motto, das Hanfried Wendland dem Pirckheimer-Abend am 23.
April in den einladenden Räumen der Galerie Joachim Pohl vorangestellt hatte.
Die Berlin-Brandenburger Pirckheimer begegneten jedoch keineswegs einem
bibliophilen Pechvogel, sondern dem feinsinnigen Herausgeber der Edition
NeueKleiderDrucke, die es bisher auf 28 erlesene Künstlerbücher gebracht hat,
allesamt auf Tischen zur Ansicht und zum Aufblättern bereit gelegt. Ein wahrer
Augenschmaus!
Hanfried Wendland, von Beruf Jurist, als Künstler Autodidakt, seit einigen
Jahren pensioniert und Mitglied unserer Gesellschaft, in Berlin-Steinstücken zu
Hause, illustriert und veröffentlicht seit 1986 bibliophile Bücher in kleinen
Auflagen. Alljährlich erscheint mindestens ein neuer großformatiger Band, mit
Originalgraphik großzügig ausgestattet, aufs Feinste gebunden, oft im Schuber
mit Holzschnitt oder Linolschnitt, der 19. Druck (Christian Morgenstern: Der
Rabe Ralf und andere Galgenlieder) gar mit Original-Aquarellen und bemaltem
Halbledereinband. Den zahlreichen Interessenten wurden Anfänge, inhaltliche
Besonderheiten und Werdegang der Editionen vermittelt, die sich seit dem Jahr
2000 in Anspielung an Textvorlieben und die inzwischen professionelle Machart
Edition NeueKleiderDrucke nennt. Märchenhafte, phantastische und romantische
Texte werden gern gewählt; „lauter Unglücke“ – das sei eben eine wesentliche
inhaltliche Gegebenheit der Bücher: Bobrowski: Mäusefest (5. Druck, 1989),
Fontane: Die Brück am Tay (9. Druck, 1994), Dürrenmatt: Der Tunnel (11. Druck,
1996), Aitmatow: Der Junge und das Meer (12. Druck, 1997); Brecht: Die Legende
vom toten Soldaten (14. Druck, 1999), Kleist: Das Erdbeben in Chili (18. Druck,
2002), Wilhelm Müller: Winterreise (21. Druck, 2004), Wilhelm Hauff: Die
Geschichte von dem Gespensterschiff (23. Druck, 2005) …
Angefangen habe alles 1951 in der Kindheit mit einem Kinderdruckkasten, der
kleine Büchlein im Stempelverfahren möglich machte. Zur beruflichen Laufbahn
nicht hinreichend, doch die Begeisterung blieb und wuchs. Für die eigenen Kinder
entstand 1980 der 1. Druck, das Märchen der Brüder Grimm Vom Fischer und syner
Frau, mit neun eigenen Linolschnitten und handschriftlichem Text auf braunem
Karton in drei Exemplaren. Es folgten in ähnlich einfacher Aufmachung die
Märchen Rumpelstilzchen und Des Kaisers neue Kleider von Hans Christian
Andersen. Nachdrücklich verwies Hanfried Wendland auf den 4. Druck von 1988,
eines seiner „besten“ Bücher, nämlich Bertolt Brechts Die Legende von der
Entstehung des Buches Taoteking auf dem Weg des Laotse in die Emigration. Mit
diesem Buch, gedruckt von Reinhard Scheuble auf Zerkall Bütten in einer Auflage
von 23 Exemplaren, in feinem Seideneinband, begann einst die professionelle
Herstellung, die Zusammenarbeit mit Fachleuten, mit den Druckern Reinhard
Scheuble und Peter Rensch, dem Buchbinder Christian Klünder und anderen.
Kostbare Künstlerbücher sind entstanden, auch zu Texten von Ingeborg Bachmann,
H. C. Artmann, Thomas Mann und immer wieder ein Märchenbuch.
Hanfried Wendland folgt keinem Programm. Peter Rensch betont zu Recht die
„tiefempfundene Menschlichkeit und Wärme“ der ausgewählten Texte und eine
„unverbogene Naivität“ der Wendlandschen Bildfindungen. Dabei besticht die
Ebenbürtigkeit von Bild und Text in allen Büchern, auch die Vielgestaltigkeit
von Buch zu Buch. Anläßlich des 25. Druckes erschien in einmaliger Auflage von
100 numerierten und signierten Exemplaren ein schöner Katalog, der sämtliche
Bücher sorgsam verzeichnet und mit je einer Abbildung vorstellt. Der Katalog war
an diesem Abend zu erwerben, dem wir die lebendige Begegnung mit einem
leidenschaftlichen und sehr sympathischen Bibliophilen zu danken haben, der
natürlich auch auf Buchmessen und in Ausstellungen und Museen präsent ist.
U. L.

Gilgamesch, Burkhard Pfister und Claudia Hentrich.
Weitgereist waren die Künstler, die die Mitglieder der Regionalgruppe
Berlin-Brandenburg am 14. Mai begrüßen konnten. Burkhard Pfister und Claudia
Hentrich waren eigens aus Rentwertshausen angereist. Dieser landschaftlich
schöne Ort, in den Ausläufern der Rhön etwa 50 Kilometer südlich von Meinigen
gelegen, befand sich fast drei Jahrzehnte im Niemandsland. Er gehört heute zu
den bevorzugten Zuzugsgebieten, wie mitgereiste Freunde und Bewunderer der
beiden vielseitigen Künstler zu später Stunde im persönlichen Gespräch
berichteten. Trotz der im Nebel befindlichen frühen Jahre der
Menschheitsgeschichte gilt das Gilgamesch-Epos als der älteste uns überkommene
Text der Weltliteratur. Die auf elf Tontafeln in Keilschrift aus Mesopotamien
(dem heutigen Irak) überlieferte Geschichte vom sagenhaften König aus Uruk, der
ewige Jugend und Unsterblichkeit auf abenteuerlichen Reisen suchte und doch
nicht finden konnte, wird von Assyriologen in das zweite vorchristliche
Jahrtausend datiert.
Burkhard Pfister begann das Studium der freien Malerei in Karlsruhe und beendete
es als Meisterschüler an der heutigen Universität der Künste in Berlin. 1978
lernte er auf einer zwölfmonatigen Reise die Welt des Orients kennen. Die
Bilderwelt der Landschaften, Städte, Menschen und Museen inspirierten ihn zu
über 400 Zeichnungen, die von Kerstin Heymach mittels Computer im Stile einer
Graphic Novel inszeniert wurden. Der Projekte-Verlag Cornelus Halle gibt dieses
opulente Buchkunstvorhaben in zwölf Bänden (analog den elf aufgefundenen
Tontafeln, mit einem zusätzlichen Kommentarband) heraus. Burkhard Pfister und
Claudia Hentrich berichteten mit Enthusiasmus über die gewaltigen Anstrengungen
aller Beteiligten, die dieses bedeutende Buchprojekt erst ermöglichten.
Künstlerbücher dieser Dimension haben es heutzutage nicht leicht. Deshalb
entdeckte das Künstlerpaar als Broterwerb gewissermaßen eine besondere
Möbelkunst: praktische Möbelstücke mit aufwendigen bearbeiteten malerischen
Oberflächen. Ebenfalls Prachtstücke künstlerischer und handwerklicher Arbeit.
Robert Wolf

Exkursion nach Potsdam. Das Fontane-Archiv im
Brandenburgischen Landeshauptarchiv, seit zwei Jahren in der restaurierten Villa
Quandt am Pfingstberg beheimatet, war das Ziel einer Exkursion der
Berlin-Brandenburger Pirckheimer am 20. Juni. Peter Schaefer, Mitarbeiter des
Archivs, führte zunächst in die sonderbare Geschichte des Hauses in der Großen
Weinmeisterstraße 46/47 am Neuen Garten ein. Um 1830 wurde es von einer
Kriegsgerichtsratswitwe Quandt erworben, bald dann aber an die preußische Krone
verkauft. Zu Fontane gibt es nur eine beiläufige anekdotische Verbindung. Prinz
Oskar von Preußen, der mit seiner großen Familie hier wohnte, ließ die Villa
1930/31 umbauen und vergrößern, so wie sie heute dasteht. In der DDR war das
gesamte Areal um die Villa verbotenes Gelände. Im Hause residierte ein
sowjetisches Kriegsgericht, die Zentrale des Geheimdienstes. Nach dem Abzug der
Russen 1993 und fünfzehnjähriger Untätigkeit schien die Villa verloren, ein
„Schutthaufen“, doch Spenden- und Fördermittel ermöglichten schließlich den
Wiederaufbau.
Peter Schaefer entwarf, kenntnisreich dosiert, ein Bild von den Schätzen des
Archivs. Die Handbibliothek umfaßt lediglich 128 Bände, aber Fontane als
eifriger Zeitungsleser und wacher Zeitgenosse sog seinen „Honig aus allem“, wie
er selbst betonte. Der „Sänger der Mark“ trat vor Augen, aber auch der Europäer,
der Fontane war. Beeindruckend allein sein Reiseprogramm: England, Schottland,
Frankreich, Italien, Böhmen, Dänemark … Weltweite Übersetzungen der Werke,
häufig ins Italienische und Französische, neuerdings auch ins Koreanische,
beherbergt das Archiv.
Den Grundstock des Archivs bilden die Reste des Fontane-Nachlasses, den der Sohn
Friedrich versteigern ließ, nachdem die Staatsbibliothek den Ankauf einst
verweigert hatte. Die Auktionsreste wurden der Anfangsbestand des 1935
gegründeten Archivs, Ankäufe kamen nach und nach hinzu. Neue Erwerbungen, etwa
auf Auktionen, sind derzeit schwer zu finanzieren. In die Vielfalt des Bestandes
gewährte ein Dia-Vortrag Einblick. Zu sehen waren unter anderem Proben der
Handschrift und Korrekturen Fontanes, Tagebucheinträge, die Schlußseite aus dem
Stechlin mit der handschriftlichen Anmerkung, es sei „nicht nötig, daß die
Stechline weiterleben, aber es lebe der Stechlin“, Eintragungen der Emilie
Fontane ins Wirtschaftsbuch 1893 mit dem durchgehenden Vermerk „Rothwein“.
Schaefer erwähnte Fontanes „Klagen auf hohem Niveau“; obwohl bescheiden wohnend
und lebend, gehörte der Dichter immerhin zu den „oberen Tausend“ Berlins.
Erinnert wurde daran, daß Fontane auch in der bildenden Kunst zu Hause war und
zum Beispiel William Turner in Deutschland populär machte. – Zum Schluß
überraschte Peter Schaefer mit einer „Prophetie“, mit der lustvollen Lesung
nämlich der Plauderei Modernes Reisen (1873), von Fontane wie heute für unsere
Zeit geschrieben. Zu hören war, wie das ursprünglich echte „Bedürfnis zum
Reisen“ zu „reiner Wegelagerei“, ja „Ausbeutung“ verkommen ist, „deren letzter
mörderischer Akt die Rechnung“ sei. Schmunzelnd dankten die Zuhörer mit
herzlichem Beifall.
Nach dem Mittagessen im nahe gelegenen Restaurant „Am Pfingstberg“ und
anschließendem Spaziergang im Grünen, vorbei am restaurierten Belvedere, fanden
sich alle an der Schiffsanlegestelle im Stadtzentrum ein. Auf dem eleganten
Motorschiff „Belvedere“ beschloß eine eineinhalbstündige Schlösserrundfahrt den
anregenden, freundlichen Tag.
U. Lang

Jubiläum der Hällischen Zeitungen. Am 29. Mai
2009 luden die halleschen Pirckheimer zu einem Vortrag ein, in dessen
Mittelpunkt ein Jubiläum stand, das bereits vor einem Jahr stattgefunden hat: Im
Sommer 1708 erschien die erste Nummer der Hällischen Zeitungen. Diesen Jahrestag
nahm Dr. Walter Müller, Mitglied der Pirckheimer-Gesellschaft und profunder
Kenner der halleschen Stadtgeschichte, zum Anlaß, nicht nur über diese erste
Zeitungsausgabe zu sprechen, sondern gleichsam auch einen Überblick zur
historischen Entwicklung des Zeitungswesens der Saalestadt und auch des Landes
Sachsen-Anhalt zu geben.
Ausschlaggebend für das Erscheinen der Hällischen Zeitungen war das Bestreben
August Hermann Franckes (1663-1727), seinem 1698 gegründeten Waisenhaus, den
später nach ihm benannten Franckeschen Stiftungen, durch den Vertrieb einer
regelmäßig erscheinenden Zeitung neue Einnahmen zu erschließen. Vorbilder hierzu
gab es bereits, so – das Gebiet des heutigen Sachsen-Anhalt betreffend – seit
1619 in Halberstadt. Francke erhielt vom preußischen König Friedrich I. das
entsprechende Zeitungsprivileg, das ihm jedoch nicht die Auseinandersetzungen
mit dem halleschen Postmeister ersparte, der den Zeitungsvertrieb und die damit
verbundenen Einkünfte als alleiniges Recht der Post verteidigte. Letztlich aber
entschied die königliche Verfügung, und die erste Nummer konnte nach
fünfjährigen Bemühungen endlich am 25. Juni 1708 erscheinen. Trotz des Namens
war es keine Lokalzeitung im heutigen Sinne, denn die vier Seiten der Ausgabe,
die dreimal in der Woche erschien, informierte über Neuigkeiten aus aller Welt,
während hallesche Vorgänge nur auf der letzten Seite knappe Erwähnung fanden.
Doch in einer Zeit, die über Mittel und Wege der heutigen Medienwelt noch nicht
verfügte und in der das Weltgeschehen nur auf dem Korrespondenzweg, also
postalisch, übermittelt werden konnte, waren Nachrichten, die zwei bis drei
Wochen zurücklagen, noch immer aktuell. Ereignisse aus dem nahen Stadtgebiet
verbreiteten sich auch ohne Zeitung schnell genug. Zielstrebig bemühte sich
Francke um Mitarbeiter und Nachrichtenübermittler an möglichst vielen Orten und
Regionen Europas. Helfend waren hierbei zweifellos jene Schüler und Missionare,
die mit Franckes Waisenhaus in Verbindung standen. Einen besonderen Schwerpunkt
der Berichterstattung bildeten die Kriegsschauplätze, da der Spanische
Erbfolgekrieg seinen Schatten auf alle Länder Europas warf.
Doch Franckes Hoffnungen auf einen ökonomischen Gewinn erfüllten sich aus
vielerlei Gründen nicht. Zwar wurde die Zeitung nicht eingestellt, doch unter
Franckes Nachfolgern änderte sich ihr Name, bis sie schließlich auch den
Verleger wechselte. Ab 1799 konnten mit dem Erscheinen des Hallischen
patriotischen Wochenblatts durch Anzeigen wieder größere Einnahmen erzielt
werden. Andere Nachfolgeblätter und teilweise nur kurzlebige Neugründungen waren
unter anderem das Bürgerblatt (1848), später das sozialdemokratische Volksblatt
für Halle und den Saalkreis, das bis 1933 erschien, sowie die Saalezeitung
(1867-1941). Vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die dreißiger Jahre erschienen
in Halle sogar bis zu sechs Zeitungen gleichzeitig – eine heute unvorstellbare
Vielfalt für die nur auf eine Tageszeitung angewiesenen Hallenser! Verfolgt man
die Entwicklung des Zeitungswesens in Halle und im gesamten Bundesland
Sachsen-Anhalt, so lassen sich vom Erscheinen der ersten Zeitung 1619 in
Halberstadt bis heute 830 verschiedene Zeitungen und Presseorgane an 180 Orten
des Landes benennen. – Die Hällischen Zeitungen erschienen als Hallesche Zeitung
im 223. Jahrgang am 15. April 1930 zum letzten Mal, um in abgewandelter Form
noch bis Ende 1995 im Halleschen Tageblatt weiterzuleben.
Ute Willer

Die Präsentation der Schönsten deutschen Bücher
in einer gemeinsamen Veranstaltung der Stiftung Buchkunst und des Leipziger
Bibliophilen-Abends ist mittlerweile Tradition geworden und wird vom Publikum
gut angenommen, so auch am 8. April 2009 im Leipziger Haus des Buches. Wie stets
schloß sich an die Eröffnung einer Vitrinenausstellung im Foyer eine
Gesprächsrunde an, zu der Zweitexemplare der ausgezeichneten Bücher auslagen und
in die Hand genommen werden konnten. Stiftungs-Geschäftsführerin Uta Schneider
eröffnete die Präsentation in gekonnt lockerer Weise und versuchte bereits in
ihren einführenden Worten den Blick der Ausstellungsbesucher auf ausgewählte
Exponate zu lenken, womit gleichsam die Brücke zum folgenden Gespräch gebaut
war. Michael Faber vom Vorstand des LBA führte moderierend durch das Gespräch,
an dem neben Uta Schneider noch die Jurorin Ute Henkel (Aufbau-Verlag) teilnahm.
Dies wurde in gewohnter und doch stets auch modifizierter Weise geführt:
angeregt und anregend, kritisch, mit Begeisterung, aber auch Skepsis, und das
Publikum mischte sich rege in die Debatte ein.
Erforderten die Vorjahreswettbewerbe aufgrund hoher Einsendezahlen schon harte
Arbeit, erreichte der Jahrgang 2008 mit 1072 Titeln (von 468 Einsendern) einen
neuen Rekordwert. 326 Titel gingen an die zweite Jury weiter von denen 62 Titel
(von 51 Verlagen) prämiiert wurden, 10 davon mit einer Anerkennung. Jeder dieser
Titel verdiente nähere Betrachtung, doch nur wenige können hier stellvertretend
genannt werden: Bei dem Titel von Brinkmann, Bückling und Roller, Meisterwerke
im Liebighaus – Skulpturensammlung, Frankfurt am Main (Kunstbücher, Fotobücher,
Ausstellungskataloge; Michael Imhof Verlag Petersberg), fällt die konzeptionelle
Balance zwischen noch handlichem Ausstellungsbegleiter und repräsentativem
Kunstband auf. Großes Lob für die wunderbare Qualität der Aufnahmen! Bei dem
Titel aus der gleichen Gruppe von Otto Steinert, Pariser Formen (Steidl Verlag
Göttingen), einem als Begleitband einer Ausstellung im Essener Museum Folkwang
erschienenen Fotobuch, sind alle Elemente aufeinander abgestimmt und
zusammengehörig: das sympathisch bescheiden bemessene Format, die
Reproduktionsqualität und der Druckton, das Papier, die Vorsätze und das
Bezugsmaterial der Deckel mit ihrer aufeinander bezogenen Struktur, der
Schutzumschlag, die Typographie – alles ein Wohlklang für das Auge. Ein
schöneres Epitaph für diesen wichtigen Fotografen in seinem dreißigsten
Todesjahr ist nicht vorstellbar. Die schon hier erkennbare derzeitige Tendenz zu
mehr Zurückhaltung in der Gestaltung gibt, wird erst recht in der Gruppe der
allgemeinen Literatur, also im mehr oder weniger rein typographischen Gelände,
vollends bestätigt, so bei Raymond Federmans Pssst! Geschichte einer Kindheit
(Weidle Verlag Bonn) mit seiner auffällig schönen und lesefreundlichen
Schriftgestaltung, hochveredelten Bezugsmaterialien und Vorsätzen sowie schönem
Schutzumschlag. Versachlichung heißt nicht Vereinfachung, wie an der diffizilen,
fast versteckten Art mit inhaltlichen Bezügen und Anspielungen operiert wird,
bei Federman mit den feinen Lochstanzungen im Umschlag. Ein weiteres stark
bildbetontes Buch von gänzlich anderer Ausstrahlung als die oben genannten und
ganz eigener Prägung ist der Band von Windlin und Fehlbaum, Projekt Vitra
(Sachbücher, Ratgeber; Birkhäuser Verlag Basel Boston Berlin), ein Beispiel für
eine sehr lebendige, kraftvolle Gestaltung, die auf gelungene Weise zwischen den
unterschiedlichen Beziehungsebenen des Buches – materialreich unterlegter
Firmenhistorie und Selbstdarstellung eines wirtschaftlich erfolgreichen
Unternehmens, Beschreibung der Entstehung und Rezeption modernen Möbeldesigns,
Designer- und Sammlungsgeschichte – zu vermitteln vermag. Der wenn auch geteilte
2. Preis der Stiftung Buchkunst für diese Produktion ist wohlverdient. Es darf
das Fazit gezogen werden: ein insgesamt interessanter und erfreulicher Jahrgang,
der intensivere Beschäftigung nach sich ziehen wird und Lust und Vorfreude auf
Kommendes weckt.
Eberhard Patzig

Auf die Spuren von Heinrich von Kleist und Theodor
Fontane begaben sich die Leipziger Bibliophilen bei ihrer Frühjahrsexkursion
am Wochenende 9./10. Mai 2009. Im Kleist-Museum Frankfurt/Oder wurden sie
begrüßt von Prof. Dr. Lothar Jordan, der einen Einblick in die Forschungs- und
Ausstellungstätigkeit der Einrichtung gab und anschließend durch das Museum
führte. Im Jahr 1969 im Gebäude der ehemaligen Garnisonsschule eröffnet, widmet
es sich vordringlich Werk und Wirkung der Dichter Heinrich von Kleist und Ewald
Christian von Kleist sowie Franz Alexander von Kleist und Friedrich de la Motte
Fouqué. Auf kleinem Raum bietet die Ausstellung eine Fülle von Informationen
über Leben und Werk dieser Autoren sowie persönliche und zeitgeschichtliche
Dokumente. Darüber hinaus werden auch Wechselausstellungen ausgerichtet, zum
Zeitpunkt des Besuches Kleists ›Penthesilea‹ und die DDR-Kunst der achtziger
Jahre. – Nach dem Besuch der Mitte des 13. Jahrhunderts errichteten Frankfurter
Marienkirche mit den beeindruckenden farbigen Glasfenstern, die 2002 aus Rußland
wieder an ihre alte Stelle zurückkehrten, ging die Reise weiter zur
Templerkomturei Lietzen mit der auf das 13. Jahrhundert zurückgehenden Kirche.
Nach Auflösung des Templerordens ging die Komturei zunächst an den
Johanniterorden und nach der Säkularisierung an Graf von Hardenberg, an dessen
heutige Nachkommen die Komturei nach der Wende rückübertragen wurde. Sowohl in
Fontanes Wanderungen wie auch in seinem Vierbänder Vor dem Sturm findet man
viele Bezüge zu dieser Landschaft und Geschichte, wie auch zur ebenfalls
besuchten Dorfkirche von Friedersdorf mit der Grablegung derer von Marwitz sowie
mit dem Rittergut, auf dessen Gelände sich ein sechsbödiger ehemaliger
Getreidespeicher befindet, in dem heute Ausstellungen stattfinden, Kunsthandwerk
und Wildspezialitäten angeboten werden. – In das Waldhotel Seelow, in dem die
Bibliophilen Herberge nahmen, hatten sie den mit dem LBA eng verbundenen Sammler
Dr. Lothar Sommer eingeladen, der Neues über das ehemalige Mitglied des LBA Paul
Heinicke zu berichten hatte.
Der Sonntag begann mit dem Besuch von Schloß Gusow, bekannt als ehemaliger Sitz
des Generalfeldmarschalls von Derfflinger. Heute ist die im 19. Jahrhundert im
englischen Landhausstil überformte barocke Anlage Museum und Veranstaltungsort,
gleichzeitig aber auch als Pension und gastronomisch genutzt. Es folgte das
Ensemble Neu-Hardenberg mit Schloß und Kirche, beide in der Hardenberg-Ära
neugestaltete klassizistische Schinkel-Bauten, und mit dem von Lenné und
Pückler-Muskau angelegten Schloßpark. Von der ehemaligen, zirka 16 000 Bände
umfassenden Schloßbibliothek sind heute rund 6000 Bände im Bestand der Zentral-
und Landesbibliothek Berlin, der Rest wird in der sogenannten Beutekunst
vermutet. – Weiter ging die Fahrt, vom Reiseleiter Andreas Höhn im Bus mit
Zitaten aus Fontanes Wanderungen illustriert, zum Zisterzienserinnenkloster
Altfriedland, von dem eine frühgotische Kirche mit barockem Innenraum und die
Ruine des Refektoriums mit einem gotischen Sterngewölbe erhalten geblieben sind.
– Ein ›bibliophiles Ereignis‹ bot sich noch auf dem Musenhof der Frau von
Friedland in Kunersdorf. Dieses Anwesen haben nach der Wende drei Berlinerinnen
übernommen, mit eigenen Mitteln saniert und wieder als ›Musenhof‹ erstehen
lassen, in dem Ausstellungen und Lesungen stattfinden, eine Bibliothek zur
Ausleihe einlädt und ein sich der kleine ambitionierte Verlag Findling etabliert
hat. – Zum guten Schluß der erlebnisreichen, wohlorganisierten Exkursion ins
landschaftlich reizvolle, überaus geschichts- und kulturträchtige märkische Land
bot sich in Alt Langsow, in dessen von Schinkel errichtetem Bet- und Schulhaus
sich die Exkursanten an Kaffee und Kuchen labten, noch die Gelegenheit, Lothar
Lang und seiner Gattin Elke zu begrüßen und einen Blick in den Skulpturengarten
des (leider nicht anwesenden) Bildhauers Werner Stötzer zu werfen.
H. K.

Wo die Geschichte in Büchern sitzt – im Bauch
der Universitätsbibliothek war das Thema der Veranstaltung des Leipziger
Bibliophilen-Abends am 2. Juni im Haus des Buches. Der Direktor der
Universitätsbibliothek Leipzig, Prof. Dr. Ulrich Johannes Schneider, bekannte
einleitend, daß seine Ausführungen mehr bibliotheksgeschichtlichen als
bibliophilen Charakter haben, erläuterte kurz die spezifischen Aufgaben von
Bibliotheken im Gefüge einer Universität, um rasch bei den modernen Technologien
der Erschließung und Vermittlung von Wissen, gebündelt im Begriff der
Digitalisierung, anzukommen. Er schlug den Bogen zurück zu einem von ihm in
seiner Bibliothek entdeckten Dokument, einer handschriftlichen
Bibliotheksordnung von 1833, Zeugnis eines Epochenumbruchs: Es belegt nicht nur
allgemein die Strukturveränderungen an den Hochschulen des Königreichs Sachsen
im beginnenden Industriezeitalter, sondern speziell die Professionalisierung des
Bibliotheksbetriebes, die Abkehr von der Professorenbibliothek spätbarocken
Verständnisses hin zur wissenschaftlichen Nutzbibliothek modernen Zuschnitts,
berufsbibliothekarisch geleitet und fit gemacht für den Bedarf einer sich hin
zur Moderne entwickelnden Universität. Daß dies immer auch Erwerbung und
Bewahrung von bedeutenden, ja menschheitlich relevanten Objekten einschloß,
belegten eindrucksvoll die von Schneider in seiner digitalen Präsentation
gezeigten Beispiele aus der Leipziger Bibliotheca Albertina, so der Codex
sinaiticus (genaugenommen seiner Leipziger Anteile) aus dem Katharinenkloster
von der Mitte des 4. Jahrhunderts, 1844 von Tischendorf entdeckt und nach
Leipzig verbracht, oder das erst 2006 von Thomas Döring gefundene (Makulatur-)Fragment
einer Heliand-Handschrift aus dem 9. Jahrhundert – einer der frühesten deutschen
Literaturtexte überhaupt.
Weitere Projekte zur Digitalisierung gedruckter Bücher, aktuell eines zur
Erschließung islamischer Handschriften, nannte Professor Schneider in diesem
Teil seines Vortrags, dem er programmatisch die Überschrift »Neue Wege zum Text«
gegeben hatte. Wege, die ohne das digitale Medium, wie er sagte, nicht
beschritten werden können. Fragezeichen sind hier angebracht: Wird mit einer
solchen Formulierung nicht alle bisherige Überlieferung in Frage gestellt, ist
die nichtdigitale Wissenserschließung damit nicht allzu ephemer beschrieben?
Apodiktischgriffig formulierte der Referent auch seine weiteren Bezugspunkte
»Lesen war Schreiben« – »Bücher als Textwelten« (in der Ferne nickt bestätigend
der Genius von Bargfeld) – »Neue Zusammenhänge«, mit denen er auf gravierende
wissenschafts- und bibliotheksgeschichtliche Probleme aufmerksam machte. So auch
seine Formulierung von der »Entdeckung als Fragmentierung«, Fragmentierung, die
als Schatten über jeder Bibliothek liegt und welcher erfolgreich auch nur
mittels der neuen Medien beizukommen ist. Auch hier müssen bereits zuvor
notierte Fragezeichen eingefügt werden, denn der Versuch, der Fragmentierung des
Wissens etwas entgegenzusetzen, beginnt doch nicht erst mit den elektronischen
Medien, sondern gleichsam mit dem ersten Dutzend zusammen aufbewahrter Tontafeln
im alten Orient und endet freilich auch nicht mit der großen Enzyklopädie oder
mit dem im Vortrag genannten nicht minder großen Zedler und seinem
Universallexicon (dessen digitale Zugänglichkeit heute ohne Zweifel eine
großartige Sache ist, ihr voraus ging aber einst die Erstellung dieser 68 Bände,
realisiert in prädigitaler Zeit zwischen 1731 und 1754 ...). Der Blick in den
»Bauch der Universitätsbibliothek«, den Ulrich Johannes Schneider seinen
Zuhörern ermöglichte, erwies sich als ungemein erhellend und anregend. Sein
Vortrag wird als lebendiges und eloquent vorgetragenes Plädoyer für die Welt der
Bibliotheken und ihre zeitgemäße Nutzung in Erinnerung bleiben – eine würdige
Einstimmung auf das Jubiläum 600 Jahre Universität Leipzig im Dezember 2009.
Eberhard Patzig

Die Kunst des Mezzotinto. Das Treffen der
Regionalgruppe Rhein-Main-Neckar am 28. Mai in Hirschberg an der Südlichen
Bergstraße stand im Zeichen des Mezzotinto. Der Graphiker Günter Metz (Frankfurt
am Main) erläuterte an Hand eigener Arbeiten das aufwendige Verfahren dieser
Tiefdruck-Variante, die auch als Schabkunst oder Schwarzkunst bekannt ist. Mit
dieser Technik lassen sich malerische Darstellungen mit flächigen Hell- und
Dunkeltönen erzielen, „… die in zarten Übergängen vom tiefen, samtigen Schwarz
bis zum hellen Weiß des Papiertons reichen“ (Walter Koschatzky). Das Verfahren,
vom Amateur Ludwig von Siegen 1642 erfunden, diente zunächst zur Reproduzierung
und Abbildung von Gemälden. Im Laufe der folgende Jahrhunderte entwickelte sich
das Mezzotinto zu einer eigenständigen künstlerischen Technik.
Die wichtigsten Werkzeuge des auf einer Metallplatte (am besten Zink)
arbeitenden Künstlers sind der Wiegestahl, der Flachschaber, der Schwertschaber
und der Polierstahl. Wichtig ist das komplette und gleichmäßige Aufrauhen der
Metalloberfläche mit dem gezackten Wiegestahl – eine zeitraubende und
kräftezehrende Arbeit. Konturen und unterschiedlich helle und dunkle Flächen
werden mit den anderen genannte Werkzeugen hergestellt. Auch das Einfärben oder
auch Wischen mit dem Tampon sowie das folgende Drucken auf angefeuchtetem Papier
unter der Presse erfordert Übung und Erfahrung. Günter Metz stellt in der Regel
nicht mehr als zwanzig Drucke her. Die Platte nutzt sich rasch ab, die
nachfolgenden Ausdrucke verlieren an Brillanz.
F. Puhe

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