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Redaktionsschluss 4. Oktober 2008
Wir gratulieren unseren Mitgliedern. Zum 60. Geburtstag: Dr. Karsten Schröder (Rangsdorf) am 15. 2., Christian Dreyer (Berlin) am 25. 3., Dieter Bührnheim (Halle) am 26. 3., Dr. Ulrich Appelt (Darlingerode) am 27. 3. Zum 65. Geburtstag: Henning Hagen (Poseritz) am 8. 1., Dr. Claus Jüttner (Reichenberg) am 3. 2., Wolfgang Pleuger (Lüdenscheid) am 3. 3., Wolfgang Metzger (Berlin) am 12. 3., Richard Lange (Handrup) am 30. 3. Zum 70. Geburtstag: Ingrid Hartmann (Suhl) am 6. 2., Klaus Bartel (Berlin) am 17. 2., Dr. Peter Schöpf (Wien) am 13. 3., Siegfried Stirba (Berlin) am 28. 3. Zum 75. Geburtstag: Siegbert Scharf (Dresden) am 2. 1., Kurt Kley (Erfurt) am 13. 2., Manfred Jehmlich (Flöha) am 14. 3. Zum 85. Geburtstag: Helmut Buske (Norderstedt) am 24. 1., Peter Kittel (Berlin) am 29. 1., Rolf Arndt (Radeberg) am 5. 2., Werner Kießig (Berlin) am 10. 2. Zum 87. Geburtstag: Karl-Heinz Köhler (Bad Windsheim) am 4. 1. Zum 89. Geburtstag: Dr. Rolf Jacob (Langenbogen) am 4. 3. Zum 101. Geburtstag: Fritz Treu (Radebeul) am 20. 2. Neue Mitglieder: Brigitte Dolle, Lehrerin, Berlin. Dr. Christian Klinkenstein, Berlin. Dr. Hans-Dieter Köhler, Dipl.-Chemiker, Dormagen. Wolfgang Pleuger, Rentner, Lüdenscheid. Abschied von Walter Schiller
Am 7. August 2008 ist unser langjähriges Mitglied, der Typograph, Buchgestalter und Hochschullehrer Prof. Walter Schiller im Alter von 88 Jahren verstorben. Hunderte von schönen und schönsten Büchern tragen seine unverwechselbare typographische Handschrift und erfreuen mit einfallsreicher, jedoch stets werktreuer Inszenierung die Herzen der Bücherfreunde. Der Katalog zu seiner letzten Ausstellung 2006 im Altenburger Lindenau-Museum, der das Werkverzeichnis Schillers ab 1985 – dem Jahr seiner Emeritierung vom Lehramt an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig – fortschreibt, verzeichnet noch 130 (!) Einträge – wahrlich eine imposante »Spätlese«. Walter Schiller war ›stets im Dienst‹: Entweder traf man ihn lesend, zu Hause oder im Zug von Altenburg nach Leipzig, beschäftigt mit dem Text des zu gestaltenden Buches, und während dieses Lesens entstanden bereits typographische Skizzen, formte sich die Gestalt des Buches. Oder man fand ihn, über den großen Arbeitstisch gebeugt, bewaffnet mit Schere, Leimtube und Typometer, beim Kleben des Umbruchs – denn er war ein Meister der alten Schule, groß geworden im ›Zeitalter des Bleisatzes‹, und vom Computer hielt er wohl nicht allzu viel. Und wenn er weder las noch Satzspiegel berechnete noch Umbruch klebte, dann war er gewiß unterwegs: in einen Verlag, eine Setzerei oder Druckerei; auch in den letzten Jahren, bei nachlassenden Kräften, zumindest noch ›über die Straße‹ in die ehemalige Pierersche Hofbuchdruckerei zu Altenburg. So, durch sein schöpferisches Wirken, hat er auch seine Schüler an der HGB in der Kunst des feinen typographischen Maßes unterwiesen, weniger belehrend denn anregend, behutsam führend und stets ermutigend. Gemeinsam mit Albert Kapr hat er das Institut für Buchkunst an der HGB gegründet und viele Jahre geleitet – und vor allem dafür gewirkt, daß an diesem Institut nicht nur über Buchkunst geredet, sondern solche durch vorbildlich gestaltete Editionen auch vollführt wurde. Die Öffentlichkeit hat Walter Schiller nie gesucht. Obwohl in kleinem Kreise ein geistvoller und charmanter Gesprächspartner mit einem feinen Humor, scheute er die große Rede ebenso wie die große Geste. Bescheidenheit war wohl sein charakteristischster Zug. Leise, wie im Leben, hat er sich nun von uns verabschiedet. Herbert KästnerDer Antiquar Fromund Hoy, langjähriges Mitglied der Pirckheimer-Gesellschaft und des Leipziger Bibliophilen-Abends, ist am 23. Januar 2008 nach schwerer Krankheit im Alter von 66 Jahren in Oberhausen verstorben. Viele Leipziger Bücherfreunde werden sich seiner als Leiter des bibliophilen Ladens des Zentralantiquariats in der Grimmaischen Straße erinnern. Nach einer Tätigkeit im Staatlichen Kunsthandel wurde Fromund Hoy 1978 mit dem Aufbau der Brecht-Buchhandlung in Berlin betraut und war deren erster Leiter. Von dort wechselte er in das Museum für Deutsche Geschichte als Leiter der Abteilung »Dokumente bis 1945« sowie der Autographensammlung der Abteilung Fundus. Nach der Heirat mit einer deutschbürtigen Mexikanerin übersiedelte Hoy 1981 nach Mexiko, konnte aber dort in seinem Beruf nur schwer Fuß fassen und kehrte nach einigen Jahren nach (West-)Deutschland zurück. Aber auch hier konnte er nur einige befristete Anstellungen finden, zumal sich sein Gesundheitszustand in letzter Zeit rapid verschlechterte. – Tiefe Freude fand Fromund Hoy in seinen Büchern, insbesondere der Märchenbuchsammlung (mit Schwerpunkt Rotkäppchen), und zu den bibliophilen Vereinigungen hielt er allezeit enge Verbindung. Seine Bibliothek ging seinem Wunsch gemäß nach seinem Tod an den Leipziger Bibliophilen-Abend. H. K. Volker Pfüller in Pankow. Etwa 40 Pirckheimer trafen sich am 4. September in den Räumen der Galerie Pohl in Berlin-Pankow zu einem Werkstattgespräch mit Professor Volker Pfüller. 1939 in Leipzig geboren, studierte er an der Fachhochschule für Angewandte Kunst Berlin-Oberschöneweide und an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Nach verschiedenen Lehraufträgen übernahm er 1990 die Leitung der Abteilung Bühnenbild an der Hochschule in Weißensee und erhielt dort 1992 eine Professur. Von 1997 bis 2005 hatte er die Professur für Illustration an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst inne. Dort zählten unter anderen Kay Voigtmann und Sylvia Graupner zu seinen Schülern. Es war an dem Abend nicht möglich, einen breiten Überblick über das umfangreiche Schaffen Pfüllers zu vermitteln, weil er in zirka 40 Arbeitsjahren eine zu große Zahl von Plakaten, freier Graphik, Buchillustrationen und vor allem auch Arbeiten für das Theater, also Bühnenbilder und Kostüme, geschaffen hat. Er war über viele Jahre an einer Reihe von bedeutenden Bühnen Deutschlands tätig, so am Deutschen Theater Berlin, der Stuttgarter Staatsoper und den Kammerspielen München. Der Pankower Abend stand deshalb ganz im Zeichen der Bucharbeit Pfüllers, der unterhaltsam einen Überblick über sein Schaffen vermittelte. Zur Freude der Anwesenden hatte er eine Reihe teils wertvoller Beispiele mitgebracht und zum haptischen Genuß freigegeben. Darunter auch Tolle Hefte von Armin Abmeier und originalgraphische Drucke aus der Reihe Lubok, die von einer kleinen Leipziger Gruppe ediert wird. Der Dank an Volker Pfüller und Joachim Pohl für den gelungenen Abend war allgemein. Hans-Udo Wittkowski Zu Besuch bei Christoph Martin Wieland. Traditionsgemäß am letzten Sonnabend im Juni, am 28. 6. 2008, luden die halleschen Pirckheimer zu ihrer Jahresexkursion ein, die diesmal nach Thüringen führte. Organisiert von unserem Mitglied Hans-Jörg Märtens, war das erste Ziel das Wielandgut Oßmannstedt, wo Christoph Martin Wieland (1733–1813) mit seiner Familie einige Jahre lebte und wo er auch begraben ist. Heute befindet sich in dem restaurierten und im Sommer 2005 wiedereröffneten Gutshaus ein neu gestaltetes Wieland-Museum, das uns Gerhard Nadsala, Mitarbeiter der Klassik Stiftung Weimar, in einer so hervorragenden und lebendigen Führung erschloß, daß wohl ein jeder Teilnehmer sein Wissen um Wieland um viele neue und interessante Kenntnisse ergänzen konnte. – Wieland war bereits 64 Jahre alt, als er 1794 für 22 000 Taler das ehemalige Rittergut in der Nähe von Weimar erwarb und sich mit seiner Frau, sieben Kindern und vier Enkelkindern dort niederließ. Nur sechs Jahre lang konnte er hier die ersehnte „Landluft“ genießen, denn bereits 1803 mußte er das überschuldete Landgut, sein „Osmantinum“, wieder verkaufen. Doch während der wenigen Jahre in Oßmannstedt schuf er seine Romane Agathodämon und Aristipp und übersetzte Werke von Euripides, Aristophanes und Xenophon. Zu seinen zahlreichen Besuchern zählte neben den berühmten Weimarer Dichterpersönlichkeiten auch der junge Heinrich von Kleist. Wielands besondere Gastfreundschaft aber genossen seine Jugendliebe und einstige Verlobte Sophie von La Roche und deren Enkeltochter Sophie Brentano, die Schwester von Clemens und Bettina, die er wie eine Tochter liebte und der er in Gestalt der schönen Lais im Aristipp ein Denkmal setzte. Während eines Sommeraufenthalts auf dem Gut des „liebenswerten Vaters“, wie sie den Dichter nannte, starb sie im Alter von nur 24 Jahren und wurde dort begraben, wo ein Jahr später Wielands Frau Anna Dorothea und 1813 Wieland selbst ihre letzte Ruhe fanden. Mit einem Spaziergang durch den anschließenden Park zu der von hohen Bäumen umschlossenen Grabstätte an der Ilm endete der erste Teil des Ausfluges. Am Nachmittag traf sich die Gruppe im renommierten Kunsthaus Avantgarde im nahe gelegenen Apolda wieder. Die Ausstellung Horst Sakulowski – Zeichnungen, Malerei, Plastik, Videokunst, die anläßlich des 65. Geburtstags des Weidaer Künstlers gezeigt wurde, gestaltete sich zu einem weiteren Erlebnis des Tages. Wenn auch die Wiederbegegnung mit seinem 1976 entstandenem Gemälde Porträt nach Dienst sofort an die frühen Meisterwerke des Künstlers erinnerte, so faszinierten doch vor allem seine meisterhaften Handzeichnungen die Besucher. Von sehr realitätsbezogenen Darstellungen – der Mensch in seiner Befindlichkeit, Gefährdung und Vergänglichkeit – reicht die thematische Spanne bis hin zum Surreal-Phantastischen. Neben der Präzision seiner Zeichnungen, den Christusbildern, Harlekinen und den Blättern der „Spuren“-Reihe, besticht ihre Expressivität, in der sich eine deutliche Verwandtschaft zu der spätmittelalterlichen Bildsprache Matthias Grünewalds offenbart. Auch hier gab es einige Neuentdeckungen für die Betrachter – eine weitere Bereicherung an diesem eindrucksvollen Tag, der uns sowohl Begegnungen mit der alten als auch der Kultur und Kunst unserer Tage bescherte. Ute Willer Schönste Bücher. Der erste Veranstaltungsabend der hallischen Pirckheimer nach der Sommerpause, am 30. September 2008, gestaltete sich erwartungsgemäß zu einem Höhepunkt. Unter dem Motto „Schöne Bücher, die keine ‚Schönsten` sind, und ‚Schönste Bücher´ die nicht schön sind“ gab der allen Pirckheimern bekannte Buchkunstexperte Herbert Kästner aus Leipzig einen lebendigen Einblick in die Arbeit der Frankfurter Stiftung Buchkunst, die sich alljährlich aus mehr als tausend eingereichten „Schönheitskandidaten“ für rund 45 auszeichnungswürdige Bücher entscheiden muß. Daß es hierbei um einen sehr aufwendigen und keinesfalls problemlos ablaufenden Prozeß geht, erläuterte der Referent am Beispiel der „Schönsten deutschen Bücher“ des Jahres 2007, von denen er – schwer beladen – eine stattliche Anzahl auch aus Leipzig mitgebracht hatte. Doch zunächst erfuhren die Besucher des Abends einige allgemeine Angaben über die beiden von der Stiftung Buchkunst berufenen Fachjurys, denen Vertreter aus den Frankfurter und Leipziger Nationalbibliotheken sowie Profis aus der Buchherstellung angehören. Unter Beachtung vielfältiger funktionaler und ästhetischer Kriterien ist es ihre Aufgabe, unter den eingereichten Büchern, geordnet in neun Sachgruppen, nun die zu ermitteln, die am besten und daher beispielgebend den Ansprüchen an eine gelungene Verbindung von Inhalt und Form gerecht werden. Das Anliegen Herbert Kästners war, deutlich zu machen, mit welchen Schwierigkeiten eine solche Wertung verbunden ist. Abgesehen davon, daß für eine gründliche Durchsicht aller eingereichten Bücher die Zeit für die Juroren äußerst knapp bemessen ist, lassen sich subjektive oder auch „trendige“ Aspekte nicht vermeiden. Auch haben die einzelnen Sachgruppen sehr unterschiedliche Ansprüche, die es zu berücksichtigen gilt, und nicht zuletzt führen moderne Herstellungsverfahren wie der Computereinsatz oft zu Mängeln in der Satzqualität oder die rationellen Bindetechniken zu Nachlässigkeiten. Das Ergebnis ist, daß nicht selten die gekürten „Schönsten“auch Schönheitsfehler haben. Oft langte es dann „nur“ zu einer Anerkennung. Um auf den zweiten Teil des Vortragsmottos zu kommen: Es gibt auch „schöne Bücher“, die leider von keinem Verlag eingereicht worden sind und demzufolge der Chance einer Auszeichnung entgingen. Auch hier konnte Herbert Kästner Beispiele zeigen. Leider muß auf die Nennung all dieser Titel, die auch von den Besuchern noch mal begutachtet werden konnten, an dieser Stelle verzichtet werden. Dem Referenten aber sei gedankt für seinen überaus gut aufgebauten und anschaulichen Vortrag, der – und das haben die anschließenden Gespräche deutlich gezeigt – für alle anwesenden Bücherfreunde ein Gewinn war. Ute Willer Über die Soncino-Gesellschaft der Freunde des jüdischen Buches berichtete am 2. September 2008 Ulrich Heider (Köln) vor einem zahlreichen und interessierten Publikum des Leipziger Bibliophilen-Abends. Diese Gesellschaft, gegründet von Hermann Meyer, Abraham Horodisch und Moses Marx im Jahre 1924, zehn Jahre nach der BUGRA und drei Jahre vor der ersten iba, also in einer Blütezeit deutscher Buchkunst, jedoch schon 1937 von den nationalsozialistischen Behörden aufgelöst, hat in der kurzen Zeit ihres Bestehens eine Mitgliederzahl von über 600 erreicht und eine bemerkenswerte Wirksamkeit entfaltet. Die von Ulrich Heider vorgelegte kommentierte Bibliographie (Köln 2006) nennt 18 ordentliche Veröffentlichungen und Sonderpublikationen sowie 85 Gelegenheits-, Werbedrucke und Gaben, überdies zwei Zeitschriften, die Soncino-Blätter und die Mitteilungen der Soncino-Gesellschaft, von denen allerdings nur 4 respektive 9 Nummern erschienen. – Die Gesellschaft, benannt nach der deutschstämmigen Druckerfamilie Soncino (15./16. Jahrhundert, Italien) unterschied sich von den übrigen bibliophilen Vereinigungen der Zeit durch zwei Alleinstellungsmerkmale: Einerseits personell dadurch, daß im Prinzip nur Juden als Mitglieder zugelassen waren, andererseits inhaltlich durch die dezidierte Bezugnahme auf das jüdische Buch, das »auch in seiner äußeren Gestaltung … das Niveau des geistigen Schaffens im Judentum repräsentieren« sollte. Nach dieser Prämisse sollten »seltene Texte und wertvolle Drucke von Werken jüdischen Inhalts und jüdischen Geistes in den Sprachen aller Zeiten und Kulturen zum Abdruck gelangen«. Ob den Verfassern dieser Satzung der Zwiespalt zwischen der deutlich formulierten kulturzionistischen Idee und der Tatsache, daß ihre buchästhetischen Bestrebungen nur auf dem Humus der modernen, vom westeuropäischen Kulturkeis geformten Buchkunstbewegung gedeihen konnten, bewußt geworden ist, kann heute nicht beantwortet werden, da sich außer Horodisch (1963) keines der ehemaligen Mitglieder je später zur Soncino-Gesellschaft geäußert hat. – Erfreulicherweise hatte der Referent einige der außerordentlich seltenen Drucke und Werbeschriften mitgebracht und zur Ansicht freigegeben, so etwa den von Arnold Zweig unterzeichneten Brief mit der Bitte um Beiträge für die Soncino-Blätter, die Holzschnittfolge von Jakob Steinhardt zum Buch Jeschu ben Elieser ben Sirach, Stefan Zweigs Legende Rahel rechtet mit Gott mit Holzschnitten von Walter Preißer, ein Buch des Gedenkens an Franz Rosenzweig, und, als Krönung, den Pentateuch mit Buchschmuck und Typographie von Marcus Behmer, der für diese Ausgabe eigens eine neue hebräische Satzschrift entworfen hatte. – Alles dies war für die meisten Hörer neu, ist doch die Soncino-Gesellschaft heute selbst in bibliophilen Kreisen kaum noch bekannt. Die Begegnung mit ihrem Wirken machte jedoch auch den schmerzlichen Verlust bewußt, den die jüdisch-deutsche Kultur durch die Auslöschung dieser Traditionen erlitten hat. H. K. Die Ausstellung »Bertolt Brecht in der Buchkunst und Graphik« im Unteren Schloß zu Greiz lockte auch die Leipziger Bibliophilen, deren Herbstexkursion am 20. September 2008 Greiz als erstes Ziel hatte. Dort wurden sie bereits von ihrem Mitglied Volkmar Häußler erwartet, aus dessen reichen Sammlungsbeständen die umfangreiche Ausstellung gespeist war. Mit der Kennerschaft des engagierten Sammlers und mit dessen Begeisterung führte Häußler durch seine ›Brechtiana‹, seltene erste und illustrierte Ausgaben, Pressendrucke, zum Teil auf Anregung Häußlers entstanden, graphische Einzelblätter zu Brecht-Texten und zur Person Brechts, gelegentlich mit den zugehörigen Entwurfsskizzen, Plakate zu Aufführungen von Stücken des Autors am Berliner Ensemble und anderswo bis hin zu Brecht-Exlibris und fremdsprachigen illustrierten Brecht-Ausgaben, die zeigen, daß sich Künstler in aller Welt von Texten Brechts haben anregen lassen. Angeregt und interessiert waren auch die 40 Exkursionsteilnehmer, die sich bereits im Bus auf Kommendes einstimmen konnten mittels der vorliegenden Rede von Harald Kretschmar, mit der dieser die Ausstellung am 20. Juli eröffnet hatte. – Mit dem Bus ging es dann weiter zum nahegelegenen Schloß Burgk, wo zwei sehenswerte Ausstellungen zu besichtigen waren: Graphik und Bilder zu literarischen Themen vom Multitalent Armin Mueller-Stahl, dessen Gestik und Haltung betonende Blätter den Schauspieler verraten. Treffend auch seine Porträtstudien von Schriftstellern, Musikern und Künstlerkollegen. Die andere Ausstellung zeigte in schöner Pirckheimer-Tradition Exlibris für Lothar Lang, den langjährigen ›Schloßherren‹ und Begründer der Exlibris-Sammlung des Museums. Sabine Schemmrich hatte die Leipziger Bibliophilen freundlich in ihrem Hause empfangen und durch beide Expositionen geleitet. Mit Freude wurde auch bemerkt, daß die Sanierungsarbeiten am Schloß voranschreiten und die Leitung des Museums den von Lothar Lang eingeschlagenen Weg, in wechselnden Ausstellungen zeitgenössische Kunst mit Bezug zur Literatur sowie, im Pirckheimer-Kabinett, illustrative Arbeiten und Buchkunst zu zeigen, mit Erfolg weiterführt. H. K. Der international renommierte Designerpreis „red dot“ wurde 2008 einer Edition des Leipziger Bibliophilen-Abends verliehen. Die in der Reihe Stich-Wort erschienene Erzählung Mein zweiter Mantel von Ingo Schulze mit einem Holzschnitt von Hartwig Ebersbach erhielt die Auszeichnung für die herausragende Gestaltung durch André Grau. Zum alljährlich stattfindenden internationalen Wettbewerb „red dot design award“ hatten Gestalter aus 39 Nationen knapp 6000 Arbeiten eingereicht, unter denen eine aus 14 internationalen Designexperten bestehende Jury 381 Arbeiten das begehrte Qualitätssiegel zuerkannt hat. Die Preisverleihung findet am 3. Dezember 2008 in der Galahalle des Casinos Zollverein in Essen statt, und vom 4. Dezember 2008 bis zum 11. Januar 2009 werden die prämierten Arbeiten im dortigen red dot museum präsentiert. Alle Gewinner werden darüber hinaus im International Yearbook Communication Design 2008/2009 (Basel: Birkhäuser Verlag) vorgestellt. Spitzweg, Busch und Bugenhagen in einer Neubrandenburger Ausstellung. Zu den Gedenkjubiläen 200. Geburtstag von Carl Spitzweg, 100. Todestag von Wilhelm Busch und 450. Todestag von Johannes Bugenhagen gestaltete Gunther Ball aus eigenen Sammlungen eine Buch- und Bildausstellung. Die viel beachtete Schau wurden in den Räumen des Urania-Regionalverbandes Neubrandenburg und der Fritz Reuter Gesellschaft Neubrandenburg gezeigt. Gunther Ball nutzt seine Bibliothek und Dokumentensammlung für eine rege Öffentlichkeitsarbeit. Sie bieten reichhaltiges Arbeitsmaterial für die Ausstellungs- und Vortragstätigkeit. Die Zusammenführung von Spitzweg und Busch als Bildkünstler und Humoristen des 19. Jahrhunderts, der Zeit des Biedermeiers und der Postkutsche, war zunächst ein Experiment, doch der Erfolg bestätigte das Konzept. Beide Künstler, jeder auf seine Weise freundlich-kritisch und bissig-kritisch grandiose Bilderzähler, blieben über die Zeiten beliebt. Das Arbeits- und Ausstellungskonzept muß offensichtlich auch dem Fürstenhaus Thurn und Taxis zugesagt haben. Von Fürstin Mariae Goria von Thurn und Taxis erhielt Ball überraschenderweise originale Zeugnisse der Postkutschenära aus dem Hausarchiv. Eine wirklich glückliche Bereicherung der Schau. Die Bugenhagen-Ausstellung würdigte das reformatorische Wirken des engen Mitarbeiters Luthers im Norden (Pommern, Mecklenburg, Dänemark, Skandinavien) und seine Verdienste um die niederdeutsche (plattdeutsche) Sprache. Seine Schriften und Übersetzungen (Lutherbibel, Hauspostille, Passionsharmonie) waren wesentliche Beiträge zur Ausprägung der plattdeutschen Schriftsprache. Günstige Bedingungen dazu bot die Sprachsituation im Lande der Hanse und der pommerschen Herzöge. Plattdeutsch war in seiner Wirkungszeit Amts-, Kirchen- und Umgangssprache. Ein interessantes Exponat, die Bugenhagensche Pommerngeschichte Pommerania von 1517/18 stand als Neu- und Erstdruck aus dem Lateinischen zur Verfügung. Die lateinische Handschrift besitzt die Universitätsbibliothek Greifswald. Den Neudruck in Lateinisch und Deutsch besorgte der Schweriner Verlag Thomas Helms 2008 (19053 Schwerin, Wallstraße 46). G BJosef Hegenbarth bei der Regionalgruppe Rhein-Main-Neckar. Dem Werk eines der großen Illustratoren des 20. Jahrhunderts, bereits zu seinen Lebzeiten gleich bekannt in beiden deutschen Staaten, galt das Treffen der Regionalgruppe Rhein-Main-Neckar am 28. August in Hirschberg-Großsachsen. Ferdinand Puhe hatte zwei Arme voll Bücher mitgebracht, die mit den Illustrationen Josef Hegenbarths als Belege für das umfassende Lebenswerk des Künstlers bestehen konnten. Zwar hatte der 1884 in Böhmisch-Kamnitz geborene Maler und Graphiker seinen Wirkungsraum Nordböhmen – Dresden kaum je verlassen, doch galten seine Interessen der Literatur vieler Kulturen und Völker. Seine künstlerische Ausbildung hatte der begabte junge Mann an der Dresdener Kunstakademie erhalten, wo Carl Bantzer, Oskar Zwintscher und Gotthard Kuehl seine Lehrer waren. Bereits 1914 konnte Hegenbarth sich an einer Ausstellung in der Galerie Emil Richter beteiligen, und im Jahr darauf erschien eine erste im Druck vorliegende Lithofolge zur Sage Wieland, der Schmied. Schon früh konzentrierte sich der Künstler auf Zeichnungen und Radierungen, seine bis zuletzt das Lebenswerk bestimmenden Ausdrucksformen. Seine Seh- und Arbeitsweise hat Hegenbarth in verschiedenen Aufsätzen festgehalten. Diese sind vor allem enthalten in der zum 80. Geburtstag des Künstlers von Kurt Christians und Richard von Sichowsky herausgegebenen Schrift Josef Hegenbarth: Aufzeichnungen über seine Illustrationsarbeit und autobiographische Skizzen, zusammengetragen mit Hilfe von Frau Hanna Hegenbarth (Hamburg 1964, 800 Ex.). Sowohl aus Hegenbarths Äußerungen als auch in der Durchsicht der von ihm illustrierten Bücher wird deutlich, wie sehr er auf die Gesamtgestaltung der Bücher Einfluß nahm. So vermerkte er gelegentlich mit Unwillen, daß der Buchgestalter eine seiner Meinung nach ungeeignete Schrifttype auswählte. Die Anzahl der von Hegenbarth illustrierten Bücher ist Legion. Ulrich Zesch hat sie 1987 (Katalog Offenbach und Hamburg) in einem Verzeichnis erfaßt, das von Sammlern und Antiquaren benutzt wird. Der Referent belegte die Bedeutung und das Werk des Künstlers mit den Büchern: Basile: Das Pentameron (Dresden 1974), Hauff: Das Wirtshaus im Spessart (Leipzig 1990), Goethe: Reineke Fuchs (Ausgaben Leipzig 1964 und Berlin/Weimar 1974), Grimmelshausen: Der abenteuerliche Simplicissimus (Berlin/Darmstadt/Wien 1961), Das Gilgamesch-Epos (Berlin 1991). Auch die verkleinerte Reproduktion der Pinselzeichnungen des Kreuzweges in der Berliner St.-Hedwigs-Kathedrale mit einem Text von Fritz Löffler (Leipzig 1964) sowie Löfflers umfangreiche und schön gestaltete Schilderung von Leben und Werk Hegenbarths (Dresden 1980) durften nicht fehlen und rundeten den vermittelten Eindruck von der Bedeutung des Dresdener Künstlers ab. FP |