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Redaktionsschluss 9. April 2010
Antiquaria-Preis 2010 für Gangolf Ulbricht
Kurt Wolff
Preis für Klaus Wagenbach
Konrad Reich
gestorben
Klaus Werner
gestorben
Eremitenpresse
– Schwanensang
Ein Gesicht für
Peter Schöffer
Exlibris zu Tod
und Totentanz
Bibliothek von
Karl Jaspers
Büchersammlung
von Johannes Rau
Sammlung
historischer Schulwandbilder.
Archivare,
Bibliothekare und Sammler der Arbeiterbewegung
Festschrift für
Murray G. Hall
Antiquaria-Preis 2010 für Gangolf Ulbricht. Der mit 6000 Euro dotierte
und vom Verein Buchkultur e.V. Ludwigsburg verliehene 16. Antiquaria-Preis ging
an den Papiermacher und Papierkünstler Gangolf Ulbricht, der am Mariannenplatz 2
in Berlin-Kreuzberg seine Werkstatt hat. Er ist „ein hervorragender Repräsentant
einer selten gewordenen Handwerkskunst, an die in der Epoche der Digitalisierung
zu erinnern besonders bedeutsam und notwendig erscheint“, hebt die Jury des am
28. Januar verliehenen Preises hervor. Als Restaurator gefährdeter Bücher (unter
anderem herangezogen für die Anna-Amalia-Bibliothek nach ihrer Katastrophe), als
Verfertiger ganz besonderer Hand-Papiere und als Schöpfer von Papierkunst steht
er als „Diener des Buches“ für eine Kultur des Papiers, die selbst manchen
Liebhabern des Buches fast unsichtbar bleibt. Ihre fundamentale Bedeutung für
die Tradition unserer Buchkultur sollte durch die Preisverleihung betont werden.
Auch viele Pressendrucke werden auf handgeschöpftem Papier von Ulbricht
gedruckt.

Kurt Wolff Preis für Klaus Wagenbach. Der
Berliner Verleger erhielt am 19. März auf der Leipziger Messe den Kurt Wolff
Preis, der seit 2001 jährlich für hervorragende Leistungen an Inhaber kleiner
Verlage verliehen wird. Der Preis ist mit 26 000 Euro dotiert und wird von der
Kurt Wolf Stiftung vergeben. „Klaus Wagenbach ist das Vorbild eines unabhängigen
Verlegers, der unermüdlich für literarische Qualität und den Erhalt der
kulturellen Vielfalt kämpft“, heißt es in der Begründung der Jury. Klaus
Wagenbachs Weg als Verleger ist allgemein bekannt. Die Wiese, die er verkaufte,
um 1965 das erste Programm zu finanzieren, ist längst legendär, ebenso der
Erfolg mit den ersten Büchern von Johannes Bobrowski, Ingeborg Bachmann und Kurt
Wolff sowie der Krach mit den DDR-Behörden nach dem Erscheinen von Wolf
Biermanns Drahtharfe (1965). Jahrelang erhielt er keine Lizenzen mehr von
DDR-Verlagen, wurde ihm die Einreise in die DDR und sogar die Transitreise durch
die DDR verwehrt. Johannes Bobrowski und Stephan Hermlin blieben ihm treu. Wenig
später machte er Furore mit Büchern, die die Studentenrevolte von 1968
unterstützten. Che Guevara gehörte lange Zeit zu seinem Programm, Ulrike Meinhof
ist bis heute lieferbar. Die Quarthefte wie später die Reihe Salto sind dem
Bücherfreund wohlvertraut. Anhaltend ist Klaus Wagenbachs Engagement für die
italienische Literatur.
Den Förderpreis in Höhe von 5000 Euro erhielten Leif Greinus und Sebastian
Wolter vom Dresdner Verlag Voland & Quist. An ihnen lobt die Jury „das Konzept
einer Verbindung von geschriebener und gesprochener Literatur. Nahezu allen
individuell gestalteten Büchern liegt eine CD oder DVD bei: Die junge Literatur,
die der Verlag hauptsächlich publiziert, wird in zahlreichen Lesungen als
‚Live-Literaturʻ vorgestellt. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Literatur junger
osteuropäischer Autoren wie Edo Popović oder Kriszta Bódis. Und mit dem
erfolgreichen Band ˏSchmidt liest Proustˊ von Jochen Schmidt gelang es dem
Verlag, jüngere Leser für Marcel Proust zu begeistern.“
C. W.

Konrad Reich gestorben. Schon am 13. Januar
starb in Güstrow der Verleger Konrad Reich im Alter von 81 Jahren an den Folgen
eines Krebsleidens. Geboren am 29. Juni 1929 in Magdeburg, war Reich nach einer
Buchhandelsausbildung in Leipzig im Volksbuchhandel tätig. Nebenher absolvierte
er an der Universität Rostock ein Fernstudium der Germanistik. Von 1959 bis 1977
leitete er den Hinstorff Verlag, der sich in dieser Zeit zu einem bedeutenden
Verlag für belletristische Gegenwartsliteratur entwickelte. Gemeinsam mit dem
Cheflektor Kurt Batt gewann er so namhafte Autoren wie Jurek Becker, Franz
Fühmann, Ulrich Plenzdorf, Rolf Schneider und Klaus Schlesinger. Außerdem
entwickelte er einen Programmzweig maritime Literatur, der sich bei den Lesern
großer Beliebtheit erfreute und auch gut in den Westen exportiert wurde. Nach
Kritik an seiner Verlagspolitik durch die SED-Bezirksleitung Rostock gab er die
Verlagsleitung ab und widmete sich fortan freischaffend der Herausgabe von
mecklenburgischer Literatur. Es entstand eine Biographie Ehm Welk. Stationen
eines Lebens (1976), die er 2008 durch eine neue Fassung Ehm Welk, der Heide von
Kummerow ersetzte. 1990 gründete er den Konrad Reich Verlag, der sich auf
Regionalliteratur spezialisierte, aber auch ausgewählte belletristische Autoren
verlegte, so Werkausgaben von Fritz Reuter und Ehm Welk. Die Kontakte zu seinem
alten Verlagshaus Hinstorff rissen nie ab, und seit 2006 erscheint das Programm
des Konrad Reich Verlags unter dem Label „Edition Konrad Reich“ im Hinstorff
Verlag. Die Verlagsleiterin von Hinstorff, Eva Maria Buchholz, schreibt, bis
zuletzt „war all sein Streben darauf gerichtet, die zahlreichen Projekte und
Bücher, die er für die Edition Konrad Reich noch umsetzen wollte, in die
richtigen Bahnen zu lenken, mit all der Erfahrung und Souveränität, die sein
außergewöhnliches Verlegerleben mit sich gebracht hat.“
C. W.

Klaus Werner gestorben. Am 8. Januar starb der
Kunsthistoriker und Galerist Klaus Werner, der in den 1970er Jahren vor allem
durch die von ihm gegründete „Galerie Arkade“ am Straußberger Platz in Berlin
bekannt wurde. In der Filiale des Staatlichen Kunsthandels stellte er mit 67
Einzelausstellungen von 1974 bis 1981 viele bedeutende Künstler, seinerzeit
manche davon Außenseiter, aus, darunter Hermann Glöckner und Max Uhlig, Harald
Metzkes und Dieter Goltzsche, Robert Rehfeldt und Carlfriedrich Claus. Nach
Kritik durch die Kulturbehörden wurde er 1981 zwangsweise abgelöst. Geblieben
sind die Kataloge der Galerie. Der am 22. September 1940 in Holzhau (Erzgebirge)
geborene Sohn eines Eisenbahners hatte an der Berliner Humboldt-Universität
Kunstgeschichte studiert, später auch promoviert. Sein Berufsleben kannte viele
Bewegung auf- und abwärts. Er war Referent im Kulturministerium, zeitweise auch
Leiter der Druckwerkstätten an der Hochschule für Bildende und Angewandte Kunst
Berlin-Weißensee, aber viele Jahre auch gewollt oder ungewollt freiberuflich
tätig. Nach der Wende trat er 1990 in den Dienst der letzten DDR-Regierung, ehe
in Folge der deutschen Einheit wieder freischaffend wurde. Jahrelang betätigte
er sich in Leipzig als Ausstellungsmacher. 1998 eröffnete er die von ihm
mitbegründete Leipziger „Galerie für zeitgenössische Kunst“, in der Neo Rauch,
Carsten Nicolai und Olaf Nicolai zu sehen waren. 2001 wurde er zum Rektor der
Hochschule für Grafik und Buchkunst berufen, mußte das Amt jedoch schon zwei
Jahre später auf Grund einer ausbrechenden Alzheimer-Krankheit aufgeben. Klaus
Werner trat auch mit einer Monographie hervor: Edmund Kesting. Ein Maler
fotografiert (1987). 2009 erschien im Kunstverlag Walther König das Buch Klaus
Werner: Für die Kunst (Vorw. von Arend Oetker. Einleitung von Eugen Blume. Mit
Bibliographie, Chronologie, Index. 320 S., 75 Abb. Br. Euro 28,–. ISBN
978-3-86560-599-3). Der Nachlaß befindet sich in der Stiftung Archiv der
Akademie der Künste in Berlin.
C. W.

Eremitenpresse – Schwanensang. Nun ist es
also offiziell: Im Februar 2010 verkündeten die Kleinverleger Friedolin Reske
und Jens Olsson die Einstellung ihrer Buchproduktion. Damit verschwindet „ein
kleines Haus mit großem Namen – das war bis gerade eben noch dieser Verlag, der
demonstrierte, wie schön Bücher sein können. Und zugleich belegte, daß Text und
Gestaltung im idealen Fall immer eine Einheit bilden. Der Sinn dafür schwindet
allerdings in der beschleunigten Medienwelt. Während alle auf Bildschirme und
Displays schauen, geraten bibliophile Bücher zur Sache einer verschwindenden
Minderheit“ (Kommentar in der Neuen Osnabrücker Zeitung vom 12. Februar 2010.)
Die „schon über viele Jahre andauernde schwierige wirtschaftliche Situation ließ
uns kaum eine andere Wahl“, teilten die Verleger mit, in deren lange
erfolgreicher Unternehmung mittlerweile namhafte Autoren wie Cyros Atabay und
Ingrid Bachèr, Marie Luise Kaschnitz und Gabriele Wohmann in preiswerter,
buchgestalterisch beispielhafter Broschur vorgestellt wurden. Die Bücher der
Eremiten-Presse waren damit bei Literaturkennern rasch zu Sammlerstücken
geworden. „Wir haben freiwillig und mit Lust begonnen, Bücher zu gestalten und
zu verlegen, nun erlauben wir uns – ebenso freiwillig – damit aufzuhören“,
teilten die Verleger mit. Mit dem Gedichtband Bernsteinherz von Christoph Klimke,
dem 601. und letzten Titel der Eremitenpresse Düsseldorf, geht eine
Erfolgsgeschichte zu Ende, die mit der Geschichte der Bundesrepublik begann
(vgl. unseren Beitrag im letzten Heft der MARGINALIEN). – Irgendwie paßt es
dazu, daß die Medien am 5. Januar 2010 auch den Tod der Eremiten-Autorin Gisela
Kraft meldeten ...
Bernd-Ingo Friedrich

Ein Gesicht für Peter Schöffer. Unter diesem
Titel zeigte das Gutenberg-Museum Mainz vom 2. Februar bis zum 14. März eine
Werkschau mit Arbeiten des Malers und Graphikers Mario Derra (1954 in Gernsheim
am Rhein geboren und dort wohnend). Schwerpunkt der Ausstellung war die Historie
der Druckkunst in der Interpretation eines heutigen Künstlers. Die präsentierten
Graphiken waren in den Techniken Holzschnitt, Radierung und Lithographie
(jeweils farbig) gestaltet worden. Derra entwickelte eine besonders liebevolle
Beziehung zu dem Gernsheimer Gesellen Gutenbergs, der später zusammen mit Fust
die Werkstatt des Erfinders der Druckkunst übernahm. Inspiriert von dem
umfangreichen Schaffen Schöffers in Mainz setzt sich Mario Derra seit vielen
Jahren mit der gesellschaftlichen Bedeutung, der Geschichte und Erforschung der
Druckkunst auseinander. Derra studierte an der Fachhochschule für Gestaltung in
Mannheim und dann an der Universität Mainz. 1982 richtete er sich in Gernsheim
ein Atelier für Druckgraphik ein. Nach und nach kaufte er die erforderlichen
Druckapparate, so daß er in allen Techniken arbeiten und dann selbst drucken
kann. Inzwischen ist sein „Zentrum für Druckgraphik“ im Alten Elektrizitätswerk
zu einem lebenden Museum ausgebaut worden, in dem Führungen und
Werkstattgespräche stattfinden. Eine Lehrdruckerei steht Einzelnen oder Gruppen
zur Verfügung.
Das Interesse an den vielfältigen Möglichkeiten des Druckens veranlaßte Derra,
2002 mit Arbeiten zu einem großformatigen Holzschnittzyklus unter dem Thema
Peter Schöffer und die Entfaltung der beweglichen Lettern zu beginnen. Im
gleichen Jahr entstand in den Solnhofer Steinbrüchen, also direkt vor Ort, mit
11,24 Meter Länge die größte Lithographie der Welt.
Die Mainzer Schau zeigte neben den Graphiken in allen genannten Techniken auch
die jeweils erforderlichen Werkzeuge und für die Lithographie auch den
künstlerischen und technischen Werdegang der Graphik. Der historische Wandel in
der Nutzung der lithographischen Technik von der Reproduktions- zur
Künstlergraphik wurde besonders herausgestellt. So war die umfassende
Präsentation sowohl künstlerisch als auch didaktisch beeindruckend.
Ferdinand Puhe

Exlibris zu Tod und Totentanz – Ausstellung in der
Schweiz. Unweit von Luzern in der Zentralschweiz liegt idyllisch am Sarnersee
der Ort Sachseln, Geburts- und Wirkungsstätte des Schweizer Heiligen Bruder
Klaus. Das ihm gewidmete Museum eröffnete am 28. März 2010 die diesjährige
Saison mit einer Ausstellung zum Thema Memento Mori – Erinnern – Gedenken. Teil
dieser Kunstschau ist eine Exlibris-Ausstellung mit insgesamt 190 Blättern aus
der bemerkenswerten Sammlung des Schweizer Josef Burch. Seine Kollektion umfaßt
mehrere tausend Blätter, und so bot die Ausstellung einen guten Anlaß, einen
Überblick zu Tod und Totentanz im Exlibris zusammenzustellen, ein Thema das
diese Graphikform von Beginn an wie ein roter Faden durchzieht.
Beginnend mit heraldischen Blättern aus dem 16. und 17. Jahrhundert spannt die
Ausstellung, gegliedert in 16 Unterthemen, wie Der Tod lauert überall, Narr und
Tod oder Das Stundenglas, einen Bogen bis in die Blütezeit des Exlibris am
Anfang des 20. Jahrhunderts und bis zu Künstlern und Eignern unserer Tage.
Höhepunkt der Schau sind die Arbeiten von Michel Fingesten, der im Mailänder
Exil am Vorabend des verheerenden Weltkriegs das Thema Tod in vielen seiner
Exlibris und freien Graphiken verarbeitete. Ein Konzentrat seiner Kriegsvisionen
stellt ein Blatt dar, das er mit einem Zitat des französischen Dichters Verlaine
überschreibt: „Das einzige noch logische Lachen ist das der Totenschädel“.
Typisch für Fingesten sind seine Randleisten, die das Thema Tod ironisierend
weiterführen, so in den Remarquen des Blattes für Roger Galateau, in denen der
Tod im Frack eine tiefe Verbeugung vor einer festlich gekleideten Dame macht und
ihr mitteilt, zu ihrer Verfügung zu stehen. Der künstlerischen Bedeutung
entsprechend, ist in einem gesonderten Raum Michel Fingestens Mappenwerk Essai
de Danse macabre ausgestellt. Dieser aus 13 Blättern bestehende Totentanzzyklus
aus dem Jahre 1938 ist in Sachseln in der überaus seltenen Version mit Remarquen
zu sehen. In späteren Auflagen verkleinerte Fingesten die Druckplatten. Wie in
den Exlibris aus den Jahren 1938/39 vereint der Künstler in dieser Serie noch
einmal die zentralen Themen des Todes und des Sterbens zu einem makabren Reigen.
Ergriffen von der Thematik und bewegt von den vielen faszinierenden Graphiken
verläßt der Besucher das Museum und kann sich am Ufer des Sarnersees mit den
Schweizer Bergen im Hintergrund ganz dem „Memento vivere“ widmen. Zu dieser
Ausstellung, die bis zum 13. Juni 2010 in Sachseln zu sehen ist und der man
weitere Präsentationen an anderen Orten wünscht, ist ein Katalog erschienen, der
alle 190 ausgestellten Exlibris und die 13 Blätter aus der Mappe Essai de Danse
macabre mit erhellenden Begleittexten vereint: Ulrike Ladnar & Heinz Decker:
Memento Mori – Exlibris zu Tod und Totentanz. Katalog zu den Exlibris aus der
Sammlung Josef Burch. Mit 206 meist farbige Abbildungen. Wiesbaden: Verlag Claus
Wittal, 2010. 54 S. 30 x 21 cm. Br. 13,– Euro. ISBN 978-3-922 835-47-9.
Siegfried Bresler

Bibliothek von Karl Jaspers. Die vollständig
erhaltene Arbeitsbibliothek des Arztes, Philosophen und Schriftstellers Karl
Jaspers (1883-1969) mit rund 11 000 Bänden ist durch das finanzielle Engagement
der Stiftung Niedersachsen und der EWE-Stiftung aus dem Besitz des letzten
persönlichen Assistenten und Herausgebers der Schriften aus dem Nachlaß von
Jaspers, Hans Saner, von Basel nach Oldenburg, in die Geburtsstadt Jaspers,
umgezogen. Derzeit wird der Bestand durch die Universitätsbibliothek
katalogisiert, bevor die Bibliothek ihren endgültigen Standort im künftigen Karl
Jaspers-Haus, einer Villa im Oldenburger Dobbenviertel, erhalten wird.
Inhaltlich ist die Bibliothek weit gefächert. In ihr befinden sich die Werke
Jaspers in fast allen Auflagen und Ausgaben sowie ihre Übersetzungen und die
dazugehörige Sekundärliteratur, Werke zur Philosophie, Theologie, Geschichte,
Psychiatrie, Psychologie, Kunstgeschichte, Literatur und zu den
Naturwissenschaften. Viele Bände enthalten Anmerkungen, Unterstreichungen und
Notizzettel.
Dieter Schmidmaier

Büchersammlung von Johannes Rau. Das älteste
noch erhaltene Gebäude in Berlin-Wilmersdorf in der Wilhelmsaue 126, das
sogenannte Schoeler-Schlößchen, wird nach der Rekonstruktion die 8000 Bände
umfassende Büchersammlung des 2006 verstorbenen Altbundespräsidenten Johannes
Rau aufnehmen. Die Anfänge des Hauses reichen bis 1752 zurück. Des weiteren sind
Veranstaltungsräume, ein Literaturcafé sowie Räume für Ausstellungen mit Werken
von Berliner Künstlern geplant. Am 29. Januar 2010 war Richtfest, der Umbau soll
bis zum Herbst 2011 beendet sein. Namensgeber des Schlößchens ist der bekannte
Berliner Augenarzt und Professor an der Charité Heinrich Schoeler, der in dem
Haus von 1893 bis zum seinem Tod 1918 wohnte.
Dieter Schmidmaier

Sammlung historischer Schulwandbilder. Die
„Forschungsstelle Historische Bildmedien“ am Lehrstuhl für Allgemeine
Erziehungswissenschaft der Universität Würzburg verfügt über die weltweit größte
internetbasierte Datenbank für schulische Anschauungsmaterialien PICxl, über
eine einzigartige Bibliothek mit Spezialliteratur und mit 16 000 Originalbildern
über die größte Sammlung historischer Schulwandbilder in Europa aus einem
Zeitraum von 150 Jahren zu allen Unterrichtsfächern. Die kürzlich erfolgte
Erweiterung des Bestandes an Schulwandbildern um 9000 Exemplare wurde durch die
Übernahme des Archivs aus dem Besitz der Universität Duisburg-Essen möglich. Der
wertvolle Bilderbestand soll nun systematisch erforscht werden. Er bietet
Quellenmaterial in erster Linie für die historische, pädagogische, soziologische
und kunsthistorische Forschung. Die Geschichte der Schulwandbilder im
deutschsprachigen Raum läßt sich mit der Würzburger Sammlung für den Zeitraum
von 1850 bis 1980 nahezu lückenlos dokumentieren. Als Einstieg in die Thematik
sehr zu empfehlen ist das Buch Zwischen Kunst und Pädagogik. Zur Geschichte des
Schulwandbildes in der Schweiz und in Deutschland. Hrsg. Christian Ritzi und
Ulrich Wiegmann. Hohengehren, 1998. 164 S.
Dieter Schmidmaier

Archivare, Bibliothekare und Sammler der
Arbeiterbewegung. Auf Initiative des „Förderkreises Archive und Bibliotheken
zur Geschichte der Arbeiterbewegung“ erschien jetzt ein biographischer
Sammelband: „Bewahren – Verbreiten – Aufklären“. Archivare, Bibliothekare und
Sammler der Quellen der deutschsprachigen Arbeiterbewegung. Hrsg. v. Günter
Benser und Michael Schneider. Bonn-Bad Godesberg: Friedrich-Ebert-Stiftung,
2009. 376 S. mit mehreren Taf. Br. ISBN 978-3-86872-105-8. Kostenfreier Bezug
per E-Mail über presse@fes.de. In alphabetischer Reihenfolge werden Archivare,
Bibliothekare und Sammler der Quellen der deutschsprachigen Arbeiterbewegung des
19. und 20. Jahrhunderts vorgestellt. Jeweils ein oder zwei Verfasser haben über
eine oder zwei Personen geschrieben. Man findet darin bekannte, aber auch
weniger bekannte Namen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich,
Rußland, den Niederlanden wie Friedrich Adler, Eduard Bernstein, Sophie
Liebknecht, Julius Motteler, Theo Pinkus, Dawid B. Rjasanow, Boris Souvarine und
Alfred Eberlein, Heinz Gittig, Bruno Kaiser und andere. Nach einem kurzen
biographischen Abriß wird aufgeführt, was sie für die Literatur der
Arbeiterbewegung geleistet haben. Dazu kommen Bilder auf Kunstdrucktafeln.
Einige der Aufgeführten wie Rjasanow oder Eberlein sind von ihren Genossen
schlechter behandelt worden als von ihren Gegnern. Rjasanow wurde hingerichtet,
weil er seine Gegnerschaft zu Stalin nicht verhehlt hatte. Eberlein wurde
ungerechtfertigt zu einer Haftstrafe verurteilt, die erst nach der Wende
aufgehoben wurde. Wir erfahren hier Näheres über diese verdienstvollen Männer
und Frauen. Die Angaben sind mit viel Mühe zusammengetragen worden und so
kompakt nirgends zu finden. Ein Abkürzungsverzeichnis und ein Personenregister
runden den Band ab. Letzteres führt viele Pseudonyme auf, die nicht allgemein
bekannt sind.
Einige Bibliothekare wie Bruno Kaiser und Heinz Gittig sind mir persönlich
bekannt gewesen. Bruno Kaiser hatte Teile seiner Bibliothek schon zu Lebzeiten
an die damalige Deutsche Staatsbibliothek verkauft. Beim Abholen der Bücher
konnte ich mich mit ihm unterhalten und seine große Allgemeinbildung
kennenlernen. Heinz Gittig hat sich bleibende Verdienste als Mitherausgeber des
Jahrbuchs der Bibliotheken, Archive und Informationsstellen der Deutschen
Demokratischen Republik erworben. – Die vorliegende Sammlung mit ihren 56
Biographien stellt eher weniger bekannte Seiten der Geschichte der
Arbeiterbewegung dar und bildet so eine willkommene Ergänzung zu anderen
Publikationen.
Michael Schädlich

Festschrift für Murray G. Hall. Murray G. Hall
hat sich mit Werken zur Buch-, Bibliotheks- und Verlagsgeschichte
(beispielsweise zur Geschichte der Österreichischen Nationalbibliothek im
Nationalsozialismus, zu Nachlässen in den Bibliotheken und Museen Österreichs
sowie zur österreichischen Verlagsgeschichte für den Zeitraum von 1918 bis
1938), mit zahlreichen Projekten zur Buch- und Bibliotheksgeschichte und mit
seinem Engagement in der „Gesellschaft für Buchforschung in Österreich“ große
Verdienste weit über Österreich hinaus erworben. Aus Anlaß seines 60.
Geburtstags erschien eine Festgabe: Buch- und Provenienzforschung. Festschrift
für Murray G. Hall zum 60. Geburtstag. Hrsg. Gerhard Renner, Wendelin
Schmidt-Dengler, Christian Gastgeber. Wien: Praesens Verlag, 2009. 201 S. Euro
34,–. ISBN 978-3-7069-0473-5. Sie beinhaltet neben einem Geleit- und einem
Grußwort 12 Beiträge. Die Themen sind breit gestreut und umfassen folgende
Gebiete: den Stand der Provenienzforschung in den Universitätsbibliotheken Wien
und Graz sowie in der Wienbibliothek, die Bücher ehemaliger jüdischer Vereine
und Institutionen in der Bibliothek des Jüdischen Museums Wien, die Wiener
Hofbibliothek zu Zeiten Napoleons, Leben und Werk der Kinder- und
Jugendbuchverlegerin Helene Scheu-Riesz (1880-1970), die wechselhafte Geschichte
des von 1945 bis 1990 bestehenden Globus Verlages, des Parteiverlages der
Kommunistischen Partei Österreichs, die weithin unbekannte Geschichte der Wiener
Mechitharisten-Druckerei als Brücke zwischen den Kulturen des Orients und des
Okzidents (1810-1998), Julius Klinger (1876-1942) als Buchgestalter und
Buchillustrator, Überlegungen zum Medium „Sonderheft“ am Beispiel der Letzten
Tag der Menschheit von Karl Kraus sowie Elemente anspruchsvoller Buchgestaltung
am Beispiel der Anderen Bibliothek des Eichborn Verlages. Durch den Tod der
Herausgeber Gerhard Renner und Wendelin Schmidt-Dengler war die Fertigstellung
der Festschrift gefährdet. Nur dem Engagement von Christian Gastgeber und den
Autoren ist es zu verdanken, daß diese Veröffentlichung mit wichtigen Beiträgen
zur Buch- und Bibliotheksgeschichte nun doch noch das Licht der Welt erblickt
hat – zwei Jahre nach dem 60. Geburtstag von Murray G. Hall.
Dieter Schmidmaier

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