Redaktionsschluss 9. April 2010

Antiquaria-Preis 2010 für Gangolf Ulbricht
Kurt Wolff Preis für Klaus Wagenbach
Konrad Reich gestorben
Klaus Werner gestorben
Eremitenpresse – Schwanensang
Ein Gesicht für Peter Schöffer
Exlibris zu Tod und Totentanz
Bibliothek von Karl Jaspers
Büchersammlung von Johannes Rau
Sammlung historischer Schulwandbilder.
Archivare, Bibliothekare und Sammler der Arbeiterbewegung
Festschrift für Murray G. Hall
 

 

 

 

 

 

 

 

Antiquaria-Preis 2010 für Gangolf Ulbricht. Der mit 6000 Euro dotierte und vom Verein Buchkultur e.V. Ludwigsburg verliehene 16. Antiquaria-Preis ging an den Papiermacher und Papierkünstler Gangolf Ulbricht, der am Mariannenplatz 2 in Berlin-Kreuzberg seine Werkstatt hat. Er ist „ein hervorragender Repräsentant einer selten gewordenen Handwerkskunst, an die in der Epoche der Digitalisierung zu erinnern besonders bedeutsam und notwendig erscheint“, hebt die Jury des am 28. Januar verliehenen Preises hervor. Als Restaurator gefährdeter Bücher (unter anderem herangezogen für die Anna-Amalia-Bibliothek nach ihrer Katastrophe), als Verfertiger ganz besonderer Hand-Papiere und als Schöpfer von Papierkunst steht er als „Diener des Buches“ für eine Kultur des Papiers, die selbst manchen Liebhabern des Buches fast unsichtbar bleibt. Ihre fundamentale Bedeutung für die Tradition unserer Buchkultur sollte durch die Preisverleihung betont werden. Auch viele Pressendrucke werden auf handgeschöpftem Papier von Ulbricht gedruckt.

Kurt Wolff Preis für Klaus Wagenbach. Der Berliner Verleger erhielt am 19. März auf der Leipziger Messe den Kurt Wolff Preis, der seit 2001 jährlich für hervorragende Leistungen an Inhaber kleiner Verlage verliehen wird. Der Preis ist mit 26 000 Euro dotiert und wird von der Kurt Wolf Stiftung vergeben. „Klaus Wagenbach ist das Vorbild eines unabhängigen Verlegers, der unermüdlich für literarische Qualität und den Erhalt der kulturellen Vielfalt kämpft“, heißt es in der Begründung der Jury. Klaus Wagenbachs Weg als Verleger ist allgemein bekannt. Die Wiese, die er verkaufte, um 1965 das erste Programm zu finanzieren, ist längst legendär, ebenso der Erfolg mit den ersten Büchern von Johannes Bobrowski, Ingeborg Bachmann und Kurt Wolff sowie der Krach mit den DDR-Behörden nach dem Erscheinen von Wolf Biermanns Drahtharfe (1965). Jahrelang erhielt er keine Lizenzen mehr von DDR-Verlagen, wurde ihm die Einreise in die DDR und sogar die Transitreise durch die DDR verwehrt. Johannes Bobrowski und Stephan Hermlin blieben ihm treu. Wenig später machte er Furore mit Büchern, die die Studentenrevolte von 1968 unterstützten. Che Guevara gehörte lange Zeit zu seinem Programm, Ulrike Meinhof ist bis heute lieferbar. Die Quarthefte wie später die Reihe Salto sind dem Bücherfreund wohlvertraut. Anhaltend ist Klaus Wagenbachs Engagement für die italienische Literatur.
Den Förderpreis in Höhe von 5000 Euro erhielten Leif Greinus und Sebastian Wolter vom Dresdner Verlag Voland & Quist. An ihnen lobt die Jury „das Konzept einer Verbindung von geschriebener und gesprochener Literatur. Nahezu allen individuell gestalteten Büchern liegt eine CD oder DVD bei: Die junge Literatur, die der Verlag hauptsächlich publiziert, wird in zahlreichen Lesungen als ‚Live-Literaturʻ vorgestellt. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Literatur junger osteuropäischer Autoren wie Edo Popović oder Kriszta Bódis. Und mit dem erfolgreichen Band ˏSchmidt liest Proustˊ von Jochen Schmidt gelang es dem Verlag, jüngere Leser für Marcel Proust zu begeistern.“
C. W.

Konrad Reich gestorben. Schon am 13. Januar starb in Güstrow der Verleger Konrad Reich im Alter von 81 Jahren an den Folgen eines Krebsleidens. Geboren am 29. Juni 1929 in Magdeburg, war Reich nach einer Buchhandelsausbildung in Leipzig im Volksbuchhandel tätig. Nebenher absolvierte er an der Universität Rostock ein Fernstudium der Germanistik. Von 1959 bis 1977 leitete er den Hinstorff Verlag, der sich in dieser Zeit zu einem bedeutenden Verlag für belletristische Gegenwartsliteratur entwickelte. Gemeinsam mit dem Cheflektor Kurt Batt gewann er so namhafte Autoren wie Jurek Becker, Franz Fühmann, Ulrich Plenzdorf, Rolf Schneider und Klaus Schlesinger. Außerdem entwickelte er einen Programmzweig maritime Literatur, der sich bei den Lesern großer Beliebtheit erfreute und auch gut in den Westen exportiert wurde. Nach Kritik an seiner Verlagspolitik durch die SED-Bezirksleitung Rostock gab er die Verlagsleitung ab und widmete sich fortan freischaffend der Herausgabe von mecklenburgischer Literatur. Es entstand eine Biographie Ehm Welk. Stationen eines Lebens (1976), die er 2008 durch eine neue Fassung Ehm Welk, der Heide von Kummerow ersetzte. 1990 gründete er den Konrad Reich Verlag, der sich auf Regionalliteratur spezialisierte, aber auch ausgewählte belletristische Autoren verlegte, so Werkausgaben von Fritz Reuter und Ehm Welk. Die Kontakte zu seinem alten Verlagshaus Hinstorff rissen nie ab, und seit 2006 erscheint das Programm des Konrad Reich Verlags unter dem Label „Edition Konrad Reich“ im Hinstorff Verlag. Die Verlagsleiterin von Hinstorff, Eva Maria Buchholz, schreibt, bis zuletzt „war all sein Streben darauf gerichtet, die zahlreichen Projekte und Bücher, die er für die Edition Konrad Reich noch umsetzen wollte, in die richtigen Bahnen zu lenken, mit all der Erfahrung und Souveränität, die sein außergewöhnliches Verlegerleben mit sich gebracht hat.“
C. W.

Klaus Werner gestorben. Am 8. Januar starb der Kunsthistoriker und Galerist Klaus Werner, der in den 1970er Jahren vor allem durch die von ihm gegründete „Galerie Arkade“ am Straußberger Platz in Berlin bekannt wurde. In der Filiale des Staatlichen Kunsthandels stellte er mit 67 Einzelausstellungen von 1974 bis 1981 viele bedeutende Künstler, seinerzeit manche davon Außenseiter, aus, darunter Hermann Glöckner und Max Uhlig, Harald Metzkes und Dieter Goltzsche, Robert Rehfeldt und Carlfriedrich Claus. Nach Kritik durch die Kulturbehörden wurde er 1981 zwangsweise abgelöst. Geblieben sind die Kataloge der Galerie. Der am 22. September 1940 in Holzhau (Erzgebirge) geborene Sohn eines Eisenbahners hatte an der Berliner Humboldt-Universität Kunstgeschichte studiert, später auch promoviert. Sein Berufsleben kannte viele Bewegung auf- und abwärts. Er war Referent im Kulturministerium, zeitweise auch Leiter der Druckwerkstätten an der Hochschule für Bildende und Angewandte Kunst Berlin-Weißensee, aber viele Jahre auch gewollt oder ungewollt freiberuflich tätig. Nach der Wende trat er 1990 in den Dienst der letzten DDR-Regierung, ehe in Folge der deutschen Einheit wieder freischaffend wurde. Jahrelang betätigte er sich in Leipzig als Ausstellungsmacher. 1998 eröffnete er die von ihm mitbegründete Leipziger „Galerie für zeitgenössische Kunst“, in der Neo Rauch, Carsten Nicolai und Olaf Nicolai zu sehen waren. 2001 wurde er zum Rektor der Hochschule für Grafik und Buchkunst berufen, mußte das Amt jedoch schon zwei Jahre später auf Grund einer ausbrechenden Alzheimer-Krankheit aufgeben. Klaus Werner trat auch mit einer Monographie hervor: Edmund Kesting. Ein Maler fotografiert (1987). 2009 erschien im Kunstverlag Walther König das Buch Klaus Werner: Für die Kunst (Vorw. von Arend Oetker. Einleitung von Eugen Blume. Mit Bibliographie, Chronologie, Index. 320 S., 75 Abb. Br. Euro 28,–. ISBN 978-3-86560-599-3). Der Nachlaß befindet sich in der Stiftung Archiv der Akademie der Künste in Berlin.
C. W.

Eremitenpresse – Schwanensang. Nun ist es also offiziell: Im Februar 2010 verkündeten die Kleinverleger Friedolin Reske und Jens Olsson die Einstellung ihrer Buchproduktion. Damit verschwindet „ein kleines Haus mit großem Namen – das war bis gerade eben noch dieser Verlag, der demonstrierte, wie schön Bücher sein können. Und zugleich belegte, daß Text und Gestaltung im idealen Fall immer eine Einheit bilden. Der Sinn dafür schwindet allerdings in der beschleunigten Medienwelt. Während alle auf Bildschirme und Displays schauen, geraten bibliophile Bücher zur Sache einer verschwindenden Minderheit“ (Kommentar in der Neuen Osnabrücker Zeitung vom 12. Februar 2010.) Die „schon über viele Jahre andauernde schwierige wirtschaftliche Situation ließ uns kaum eine andere Wahl“, teilten die Verleger mit, in deren lange erfolgreicher Unternehmung mittlerweile namhafte Autoren wie Cyros Atabay und Ingrid Bachèr, Marie Luise Kaschnitz und Gabriele Wohmann in preiswerter, buchgestalterisch beispielhafter Broschur vorgestellt wurden. Die Bücher der Eremiten-Presse waren damit bei Literaturkennern rasch zu Sammlerstücken geworden. „Wir haben freiwillig und mit Lust begonnen, Bücher zu gestalten und zu verlegen, nun erlauben wir uns – ebenso freiwillig – damit aufzuhören“, teilten die Verleger mit. Mit dem Gedichtband Bernsteinherz von Christoph Klimke, dem 601. und letzten Titel der Eremitenpresse Düsseldorf, geht eine Erfolgsgeschichte zu Ende, die mit der Geschichte der Bundesrepublik begann (vgl. unseren Beitrag im letzten Heft der MARGINALIEN). – Irgendwie paßt es dazu, daß die Medien am 5. Januar 2010 auch den Tod der Eremiten-Autorin Gisela Kraft meldeten ...
Bernd-Ingo Friedrich

Ein Gesicht für Peter Schöffer. Unter diesem Titel zeigte das Gutenberg-Museum Mainz vom 2. Februar bis zum 14. März eine Werkschau mit Arbeiten des Malers und Graphikers Mario Derra (1954 in Gernsheim am Rhein geboren und dort wohnend). Schwerpunkt der Ausstellung war die Historie der Druckkunst in der Interpretation eines heutigen Künstlers. Die präsentierten Graphiken waren in den Techniken Holzschnitt, Radierung und Lithographie (jeweils farbig) gestaltet worden. Derra entwickelte eine besonders liebevolle Beziehung zu dem Gernsheimer Gesellen Gutenbergs, der später zusammen mit Fust die Werkstatt des Erfinders der Druckkunst übernahm. Inspiriert von dem umfangreichen Schaffen Schöffers in Mainz setzt sich Mario Derra seit vielen Jahren mit der gesellschaftlichen Bedeutung, der Geschichte und Erforschung der Druckkunst auseinander. Derra studierte an der Fachhochschule für Gestaltung in Mannheim und dann an der Universität Mainz. 1982 richtete er sich in Gernsheim ein Atelier für Druckgraphik ein. Nach und nach kaufte er die erforderlichen Druckapparate, so daß er in allen Techniken arbeiten und dann selbst drucken kann. Inzwischen ist sein „Zentrum für Druckgraphik“ im Alten Elektrizitätswerk zu einem lebenden Museum ausgebaut worden, in dem Führungen und Werkstattgespräche stattfinden. Eine Lehrdruckerei steht Einzelnen oder Gruppen zur Verfügung.
Das Interesse an den vielfältigen Möglichkeiten des Druckens veranlaßte Derra, 2002 mit Arbeiten zu einem großformatigen Holzschnittzyklus unter dem Thema Peter Schöffer und die Entfaltung der beweglichen Lettern zu beginnen. Im gleichen Jahr entstand in den Solnhofer Steinbrüchen, also direkt vor Ort, mit 11,24 Meter Länge die größte Lithographie der Welt.
Die Mainzer Schau zeigte neben den Graphiken in allen genannten Techniken auch die jeweils erforderlichen Werkzeuge und für die Lithographie auch den künstlerischen und technischen Werdegang der Graphik. Der historische Wandel in der Nutzung der lithographischen Technik von der Reproduktions- zur Künstlergraphik wurde besonders herausgestellt. So war die umfassende Präsentation sowohl künstlerisch als auch didaktisch beeindruckend.
Ferdinand Puhe

Exlibris zu Tod und Totentanz – Ausstellung in der Schweiz. Unweit von Luzern in der Zentralschweiz liegt idyllisch am Sarnersee der Ort Sachseln, Geburts- und Wirkungsstätte des Schweizer Heiligen Bruder Klaus. Das ihm gewidmete Museum eröffnete am 28. März 2010 die diesjährige Saison mit einer Ausstellung zum Thema Memento Mori – Erinnern – Gedenken. Teil dieser Kunstschau ist eine Exlibris-Ausstellung mit insgesamt 190 Blättern aus der bemerkenswerten Sammlung des Schweizer Josef Burch. Seine Kollektion umfaßt mehrere tausend Blätter, und so bot die Ausstellung einen guten Anlaß, einen Überblick zu Tod und Totentanz im Exlibris zusammenzustellen, ein Thema das diese Graphikform von Beginn an wie ein roter Faden durchzieht.
Beginnend mit heraldischen Blättern aus dem 16. und 17. Jahrhundert spannt die Ausstellung, gegliedert in 16 Unterthemen, wie Der Tod lauert überall, Narr und Tod oder Das Stundenglas, einen Bogen bis in die Blütezeit des Exlibris am Anfang des 20. Jahrhunderts und bis zu Künstlern und Eignern unserer Tage. Höhepunkt der Schau sind die Arbeiten von Michel Fingesten, der im Mailänder Exil am Vorabend des verheerenden Weltkriegs das Thema Tod in vielen seiner Exlibris und freien Graphiken verarbeitete. Ein Konzentrat seiner Kriegsvisionen stellt ein Blatt dar, das er mit einem Zitat des französischen Dichters Verlaine überschreibt: „Das einzige noch logische Lachen ist das der Totenschädel“. Typisch für Fingesten sind seine Randleisten, die das Thema Tod ironisierend weiterführen, so in den Remarquen des Blattes für Roger Galateau, in denen der Tod im Frack eine tiefe Verbeugung vor einer festlich gekleideten Dame macht und ihr mitteilt, zu ihrer Verfügung zu stehen. Der künstlerischen Bedeutung entsprechend, ist in einem gesonderten Raum Michel Fingestens Mappenwerk Essai de Danse macabre ausgestellt. Dieser aus 13 Blättern bestehende Totentanzzyklus aus dem Jahre 1938 ist in Sachseln in der überaus seltenen Version mit Remarquen zu sehen. In späteren Auflagen verkleinerte Fingesten die Druckplatten. Wie in den Exlibris aus den Jahren 1938/39 vereint der Künstler in dieser Serie noch einmal die zentralen Themen des Todes und des Sterbens zu einem makabren Reigen.
Ergriffen von der Thematik und bewegt von den vielen faszinierenden Graphiken verläßt der Besucher das Museum und kann sich am Ufer des Sarnersees mit den Schweizer Bergen im Hintergrund ganz dem „Memento vivere“ widmen. Zu dieser Ausstellung, die bis zum 13. Juni 2010 in Sachseln zu sehen ist und der man weitere Präsentationen an anderen Orten wünscht, ist ein Katalog erschienen, der alle 190 ausgestellten Exlibris und die 13 Blätter aus der Mappe Essai de Danse macabre mit erhellenden Begleittexten vereint: Ulrike Ladnar & Heinz Decker: Memento Mori – Exlibris zu Tod und Totentanz. Katalog zu den Exlibris aus der Sammlung Josef Burch. Mit 206 meist farbige Abbildungen. Wiesbaden: Verlag Claus Wittal, 2010. 54 S. 30 x 21 cm. Br. 13,– Euro. ISBN 978-3-922 835-47-9.
Siegfried Bresler

Bibliothek von Karl Jaspers. Die vollständig erhaltene Arbeitsbibliothek des Arztes, Philosophen und Schriftstellers Karl Jaspers (1883-1969) mit rund 11 000 Bänden ist durch das finanzielle Engagement der Stiftung Niedersachsen und der EWE-Stiftung aus dem Besitz des letzten persönlichen Assistenten und Herausgebers der Schriften aus dem Nachlaß von Jaspers, Hans Saner, von Basel nach Oldenburg, in die Geburtsstadt Jaspers, umgezogen. Derzeit wird der Bestand durch die Universitätsbibliothek katalogisiert, bevor die Bibliothek ihren endgültigen Standort im künftigen Karl Jaspers-Haus, einer Villa im Oldenburger Dobbenviertel, erhalten wird. Inhaltlich ist die Bibliothek weit gefächert. In ihr befinden sich die Werke Jaspers in fast allen Auflagen und Ausgaben sowie ihre Übersetzungen und die dazugehörige Sekundärliteratur, Werke zur Philosophie, Theologie, Geschichte, Psychiatrie, Psychologie, Kunstgeschichte, Literatur und zu den Naturwissenschaften. Viele Bände enthalten Anmerkungen, Unterstreichungen und Notizzettel.
Dieter Schmidmaier

Büchersammlung von Johannes Rau. Das älteste noch erhaltene Gebäude in Berlin-Wilmersdorf in der Wilhelmsaue 126, das sogenannte Schoeler-Schlößchen, wird nach der Rekonstruktion die 8000 Bände umfassende Büchersammlung des 2006 verstorbenen Altbundespräsidenten Johannes Rau aufnehmen. Die Anfänge des Hauses reichen bis 1752 zurück. Des weiteren sind Veranstaltungsräume, ein Literaturcafé sowie Räume für Ausstellungen mit Werken von Berliner Künstlern geplant. Am 29. Januar 2010 war Richtfest, der Umbau soll bis zum Herbst 2011 beendet sein. Namensgeber des Schlößchens ist der bekannte Berliner Augenarzt und Professor an der Charité Heinrich Schoeler, der in dem Haus von 1893 bis zum seinem Tod 1918 wohnte.
Dieter Schmidmaier

Sammlung historischer Schulwandbilder. Die „Forschungsstelle Historische Bildmedien“ am Lehrstuhl für Allgemeine Erziehungswissenschaft der Universität Würzburg verfügt über die weltweit größte internetbasierte Datenbank für schulische Anschauungsmaterialien PICxl, über eine einzigartige Bibliothek mit Spezialliteratur und mit 16 000 Originalbildern über die größte Sammlung historischer Schulwandbilder in Europa aus einem Zeitraum von 150 Jahren zu allen Unterrichtsfächern. Die kürzlich erfolgte Erweiterung des Bestandes an Schulwandbildern um 9000 Exemplare wurde durch die Übernahme des Archivs aus dem Besitz der Universität Duisburg-Essen möglich. Der wertvolle Bilderbestand soll nun systematisch erforscht werden. Er bietet Quellenmaterial in erster Linie für die historische, pädagogische, soziologische und kunsthistorische Forschung. Die Geschichte der Schulwandbilder im deutschsprachigen Raum läßt sich mit der Würzburger Sammlung für den Zeitraum von 1850 bis 1980 nahezu lückenlos dokumentieren. Als Einstieg in die Thematik sehr zu empfehlen ist das Buch Zwischen Kunst und Pädagogik. Zur Geschichte des Schulwandbildes in der Schweiz und in Deutschland. Hrsg. Christian Ritzi und Ulrich Wiegmann. Hohengehren, 1998. 164 S.
Dieter Schmidmaier

Archivare, Bibliothekare und Sammler der Arbeiterbewegung. Auf Initiative des „Förderkreises Archive und Bibliotheken zur Geschichte der Arbeiterbewegung“ erschien jetzt ein biographischer Sammelband: „Bewahren – Verbreiten – Aufklären“. Archivare, Bibliothekare und Sammler der Quellen der deutschsprachigen Arbeiterbewegung. Hrsg. v. Günter Benser und Michael Schneider. Bonn-Bad Godesberg: Friedrich-Ebert-Stiftung, 2009. 376 S. mit mehreren Taf. Br. ISBN 978-3-86872-105-8. Kostenfreier Bezug per E-Mail über presse@fes.de. In alphabetischer Reihenfolge werden Archivare, Bibliothekare und Sammler der Quellen der deutschsprachigen Arbeiterbewegung des 19. und 20. Jahrhunderts vorgestellt. Jeweils ein oder zwei Verfasser haben über eine oder zwei Personen geschrieben. Man findet darin bekannte, aber auch weniger bekannte Namen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich, Rußland, den Niederlanden wie Friedrich Adler, Eduard Bernstein, Sophie Liebknecht, Julius Motteler, Theo Pinkus, Dawid B. Rjasanow, Boris Souvarine und Alfred Eberlein, Heinz Gittig, Bruno Kaiser und andere. Nach einem kurzen biographischen Abriß wird aufgeführt, was sie für die Literatur der Arbeiterbewegung geleistet haben. Dazu kommen Bilder auf Kunstdrucktafeln. Einige der Aufgeführten wie Rjasanow oder Eberlein sind von ihren Genossen schlechter behandelt worden als von ihren Gegnern. Rjasanow wurde hingerichtet, weil er seine Gegnerschaft zu Stalin nicht verhehlt hatte. Eberlein wurde ungerechtfertigt zu einer Haftstrafe verurteilt, die erst nach der Wende aufgehoben wurde. Wir erfahren hier Näheres über diese verdienstvollen Männer und Frauen. Die Angaben sind mit viel Mühe zusammengetragen worden und so kompakt nirgends zu finden. Ein Abkürzungsverzeichnis und ein Personenregister runden den Band ab. Letzteres führt viele Pseudonyme auf, die nicht allgemein bekannt sind.
Einige Bibliothekare wie Bruno Kaiser und Heinz Gittig sind mir persönlich bekannt gewesen. Bruno Kaiser hatte Teile seiner Bibliothek schon zu Lebzeiten an die damalige Deutsche Staatsbibliothek verkauft. Beim Abholen der Bücher konnte ich mich mit ihm unterhalten und seine große Allgemeinbildung kennenlernen. Heinz Gittig hat sich bleibende Verdienste als Mitherausgeber des Jahrbuchs der Bibliotheken, Archive und Informationsstellen der Deutschen Demokratischen Republik erworben. – Die vorliegende Sammlung mit ihren 56 Biographien stellt eher weniger bekannte Seiten der Geschichte der Arbeiterbewegung dar und bildet so eine willkommene Ergänzung zu anderen Publikationen.
Michael Schädlich

Festschrift für Murray G. Hall. Murray G. Hall hat sich mit Werken zur Buch-, Bibliotheks- und Verlagsgeschichte (beispielsweise zur Geschichte der Österreichischen Nationalbibliothek im Nationalsozialismus, zu Nachlässen in den Bibliotheken und Museen Österreichs sowie zur österreichischen Verlagsgeschichte für den Zeitraum von 1918 bis 1938), mit zahlreichen Projekten zur Buch- und Bibliotheksgeschichte und mit seinem Engagement in der „Gesellschaft für Buchforschung in Österreich“ große Verdienste weit über Österreich hinaus erworben. Aus Anlaß seines 60. Geburtstags erschien eine Festgabe: Buch- und Provenienzforschung. Festschrift für Murray G. Hall zum 60. Geburtstag. Hrsg. Gerhard Renner, Wendelin Schmidt-Dengler, Christian Gastgeber. Wien: Praesens Verlag, 2009. 201 S. Euro 34,–. ISBN 978-3-7069-0473-5. Sie beinhaltet neben einem Geleit- und einem Grußwort 12 Beiträge. Die Themen sind breit gestreut und umfassen folgende Gebiete: den Stand der Provenienzforschung in den Universitätsbibliotheken Wien und Graz sowie in der Wienbibliothek, die Bücher ehemaliger jüdischer Vereine und Institutionen in der Bibliothek des Jüdischen Museums Wien, die Wiener Hofbibliothek zu Zeiten Napoleons, Leben und Werk der Kinder- und Jugendbuchverlegerin Helene Scheu-Riesz (1880-1970), die wechselhafte Geschichte des von 1945 bis 1990 bestehenden Globus Verlages, des Parteiverlages der Kommunistischen Partei Österreichs, die weithin unbekannte Geschichte der Wiener Mechitharisten-Druckerei als Brücke zwischen den Kulturen des Orients und des Okzidents (1810-1998), Julius Klinger (1876-1942) als Buchgestalter und Buchillustrator, Überlegungen zum Medium „Sonderheft“ am Beispiel der Letzten Tag der Menschheit von Karl Kraus sowie Elemente anspruchsvoller Buchgestaltung am Beispiel der Anderen Bibliothek des Eichborn Verlages. Durch den Tod der Herausgeber Gerhard Renner und Wendelin Schmidt-Dengler war die Fertigstellung der Festschrift gefährdet. Nur dem Engagement von Christian Gastgeber und den Autoren ist es zu verdanken, daß diese Veröffentlichung mit wichtigen Beiträgen zur Buch- und Bibliotheksgeschichte nun doch noch das Licht der Welt erblickt hat – zwei Jahre nach dem 60. Geburtstag von Murray G. Hall.
Dieter Schmidmaier