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Redaktionsschluss 8. Juli 2009
Max-Herrmann-Preis
2009 an Günter de Bruyn verliehen. Am Samstag, dem 9. Mai 2009, fand im
Otto-Braun-Saal der Staatsbibliothek zu Berlin, Haus Potsdamer Straße 33, die
Verleihung des Max-Herrmann-Preises der Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin
e.V. an den Schriftsteller Günter de Bruyn statt. Nach der Begrüßung durch die
Generaldirektorin der Staatsbibliothek, Barbara Schneider-Kempf, und den
Vorsitzenden des Vorstandes der Freunde der Staatsbibliothek, Prof. Dr. h.c.
mult. Klaus G. Saur, folgte die Laudatio durch Dr. Arnulf Conradi, dem Gründer
des Berlin Verlages. Als früherem Mitarbeiter des S. Fischer Verlages, dem
Hausverlag von de Bruyn, kennt er dessen Werk seit langem. Mit großer
Sachkenntnis zeichnete er den Weg des Preisträgers vom engagierten Bibliothekar
zum erfolgreichen Schriftsteller in der DDR, in der Bundesrepublik und im
wiedervereinigten Deutschland nach. Unbedingte Wahrhaftigkeit ist das
Grundprinzip des Schreibens von de Bruyn. Er konnte und wollte nicht alles
schreiben, denn das war in der DDR nicht möglich, aber alles, was er schrieb,
sollte wahr sein. Aus dem Volksschullehrer wurde ein Bibliothekar und
Mitarbeiter des Zentralinstituts für Bibliothekswesen. Bücher, Bibliotheken
spielten in seinem Leben und Werk eine sehr große Rolle, besonders auch die
Staatsbibliothek, in deren Räumlichkeiten sich das Zentralinstitut eine Zeitlang
befand. Günter de Bruyn erinnert sich noch gern daran, wie er mit einem
Spezialschlüssel den riesigen Komplex von der Dorotheenstraße (damals
Clara-Zetkin-Straße) bis zu den Linden durchqueren konnte. Von dort konnte er
sehen, was sich auf den Straßen Ostberlins abspielte, so auch am 17. Juni 1953.
Nicht zufällig spielt de Bruyns erster großer Erfolg, der Roman Buridans Esel,
im Bibliothekarsmilieu. Der Titel zeigt, daß Bildung und Wissen für ihn äußerst
wichtig sind, denn wer weiß auf Anhieb, worauf der Titel anspielt? Neben den
belletristischen Werken hat de Bruyn auch eine umfangreiche Jean-Paul-Biographie
und Darstellungen aus der preußischen Geschichte verfaßt, weil Berlin, seine
Geburtsstadt und Preußen-Brandenburg ihm immer sehr nahe standen. Die
preußische Nüchternheit prägt auch seine Bücher. Was in ihnen Gefühl ist, kommt
sehr unauffällig und dennoch überzeugend einher. De Bruyn, der schreibende
Bibliothekar, ist eine gute Wahl für den Max-Herrmann-Preis, der dadurch sicher
in seinem Wert steigt. Den Schluß bildete eine Lesung aus dem Werk de Bruyns
durch den Schauspieler Hans-Jürgen Schatz. Der studierte Mediziner und Arzt für Innere Medizin gehörte 1994 zu den Gründungsmitgliedern des Vereins der Bibliophilen und Grafikfreunde Magdeburg und Sachsen-Anhalt e.V. "Willibald Pirckheimer" und war dessen langjähriger Vorsitzender. 2003 wurde er zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Mit seinem Wirken hat Dr. Joachim Bartels einen großen Anteil an der Pflege der Buchkultur in Magdeburg. Er förderte das Sammeln und Erschließen von Büchern und Werken der graphischen Künste und gewann Vereinsmitglieder, die sich durch die gemeinsame Liebe zu Buch und Graphik verbunden fühlen und mit Tradition und Tendenzen der modernen Kunst auseinandersetzen. Sein Wirken für die Bibliophilie und die Kunst in Magdeburg begann schon in den sechziger Jahren im „Graphikkreis Magdeburg im Kulturbund der DDR“ und dann im „Freundeskreis Bildende Kunst“. Als im Juni 1973 die Magdeburger Bezirksgruppe der Pirckheimer-Gesellschaft gegründet wurde, war Joachim Bartels von Anfang an der Vorsitzende und blieb es, als der eigenständige Magdeburger Bibliophilenverein gegründet wurde. Einen Eindruck seines Wirkens vermittelt auch die Bibliographie des Vereins: Zum 500. Jahrestag der Einführung des Buchdruckes in Magdeburg veranlaßte Joachim Bartels 1980 den Faksilimedruck der Schlußschrift der Missale Magdeburgense zur Würdigung des Magdeburger Erstdruckers Bartholomäus Ghotan. Im Jahr des 1200jährigen Stadtjubiläums erschien ein zweiter Faksimiledruck von Bartholomäus Ghotan: Dyaloghus Vite et Mortis (‚Zwiegespräch zwischen Leben und Tod‘). Das seinerzeit gerade in Moskau aufgefundene, bis dahin unbekannte Original wurde damit öffentlich zugänglich gemacht. Auch an der Ausstellung Blätter zur Bibel 1949-1989 im Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen, im Literaturhaus und in der Galerie Himmelreich hatte Joachim Bartels 1999 maßgeblichen Anteil. Gerald Gödeke Esteban Fekete verstorben. In diesem Jahr wäre er 85 geworden, der weit bekannte Maler und geniale Holzschneider Esteban Fekete. Am 29. März starb er unerwartet für seine Freunde in aller Welt. Geboren 1924 in Cinkota nahe Budapest, gelang dem jungen Bauingenieur 1947 die Ausreise nach Paris und im folgenden Jahr die Auswanderung nach Argentienien, wo er bei einer Baufirma Arbeit fand. Hier heiratete er 1950 die Chemikerin Maria Rongine, die 1957 mit ihrem Mann zu einem Stipendiumsjahr nach Heidelberg reiste. Fekete fand Gefallen an Deutschland, und so siedelte das Ehepaar 1964 nach Darmstadt um, wo Maria eine Anstellung, später eine Professur an der Technischen Universität fand. Beide nahmen die deutsche Staatsbürgerschaft an. Bereits 1952 hatte Esteban Fekete angefangen zu zeichnen und zu malen und konnte seine Werke in Ausstellungen in Buenos Aires zeigen. In Deutschland folgten bald weitere Präsentationen und 1979 eine erste Preisverleihung, der Georg-Christoph-Lichtenberg-Preis für bildende Kunst des Landkreises Darmstadt-Dieburg. 1965 hatte sich das Paar ein eigenes Heim in Rossdorf-Gundernhausen, zehn Kilometer östlich von Darmstadt, errichtet. Esteban Fekete lebte nun ganz seiner Kunst, wobei er sich mehr und mehr auf den Farbholzschnitt konzentrierte. Seine Drucke, die er gern in eigener Werkstatt ausführte, erhielten ihren besonderen Reiz durch die Tatsache, daß der Künstler an Stelle von üblichen Druckfarben vorzugsweise mit Ölfarben druckte. Dadurch erzielte Fekete ein besonderes Kolorit, reiche Lasureffekte und eine flächenfüllende Bildhaftigkeit. Tiere und Pflanzen waren seine hauptsächlich verwandten Motive, oft aber auch Menschen. Seine Landschaftsdarstellungen waren durchdrungen von tiefer Liebe zur Natur. Ab 1984 lebte das Ehepaar Fekete in den Sommermonaten im eigenen Haus in Irland. Viele der Motive des Künstlers sind diesem Umkreis entnommen. Der Illustration wandte sich Esteban Fekete erstmals 1958 zu, als die Edition Rothe in Heidelberg ihn mit der Bebilderung von Christoph Martin Wielands Koxkox und Kikequetzel betraute. Acht ganzseitige Zeichnungen verweisen noch auf einen Künstler, der sich ganz einem leichten Strich und schwebender Ornamentik hingegeben hatte. Ganz anders als seine Holzschnitte, mit denen weitere Bücher illustriert wurden. Sie zeigen kräftige, oft dunkle Farben in vielerlei Tönungen. 1971 erschien Anton Tschechows Rothschilds Geige mit drei Farbschnitten, 1974 die Mappe Glückliche Jahre mit sechs Farbschnitten, im gleichen Jahr Pär Lagerkvists Der Fahrstuhl der zur Hölle fuhr mit fünf signierten Farbschnitten. Schöne Beispiel guter Buchgestaltung waren Der Bergmann von Falun mit Texten von Schubert, Hoffmann und Hebel sowie vier Farbschnitten von Esteban Fekete (1981) und das großartige (und großformatige) Buch von Ursula Paschke For Sale oder Die Reise nach Bundoran mit acht ganzseitigen Farbschnitten (1984). – Die Freunde und Sammler von Farbholzschnitten betrauern den Verlust eines bedeutenden Vertreters dieser Kunstgattung. Ferdinand Puhe Hans-Meid-Preisträger in einer Ausstellung des Berliner Stadtmuseums. Aus Anlaß der Stiftung des Hans-Meid-Preises, durch den Sohn des Künstlers, Max Meid, vor 15 Jahren veranstaltet die Jury unter dem Titel Die Sprache der Bilder noch bis 4. Oktober gemeinsam mit dem Stadtmuseum Berlin, die Dank einer Schenkung von Paul Franken einen großen Bestand an Originalen des Namensgebers besitzt, eine Rückschau auf die Preisverleihungen und einen Überblick über das Werk der Preisträger. Die meisten Bücher und Illustrationsvorlagen kommen aus dem Besitz der Künstler, einige auch aus dem Besitz von Jury-Mitgliedern und anderen privaten Leihgebern. Die Ausstellung ist dadurch reich bestückt und kann auf Improvisationen verzichten. Von jedem der Träger des Hans-Meid-Preises und der für ein Lebenswerk vergebenen Hans-Meid-Medaille sind Hauptwerke zu sehen, die meist für die Preisverleihung eine Rolle spielten und in der Regel in den letzten zwanzig Jahren entstanden sind. Die Bücher und Originale sind großzügig in Vitrinen ausgebreitet und an der Wand gehängt worden, so daß sie ihre Wirkung voll entfalten konnten. Das gute Buch ist in den letzten zwei Jahrzehnten in starker Bedrängnis gewesen, denn angesichts steigender Herstellungskosten und sinkender Absatzzahlen haben immer mehr große Verlage auf Illustrationen verzichtet. Doch Krisenzeiten sind oft auch Blütezeiten; die Illustrationskunst wird von kleinen Verlagen und Pressen gegen den allgemeinen Trend gepflegt, freilich meist nur in der edleren Form mit originalgraphischen Beigaben. Bisherige Preisträger sind Eckhard Froeschlin, Bernhard Heisig, Egbert Herfurth, Karl-Georg Hirsch, Horst Hussel, Kurt Löb, Rolf Münzner, Núria Quevedo, Otto Rohse, Tobias Teschner, Hans Ticha, Klaus Waschk, Jürgen Wölbing und Baldwin Zettl. Der letzte Preisträger Tomi Ungerer hat separat eine ganze Etage gekommen. Im Verlag Faber & Faber ist zum Preis von 9,50 Euro ein Katalog mit zahlreichen Abbildungen und Farbtafeln erschienen. Er enthält auch eine Dokumentation zu den Förderpreisträgern, die wie Claudia Berg und Kay Voigtmann inzwischen ansehnliche Œuvres vorzuweisen haben. Unverständlicherweise werden sie in der Ausstellung gar nicht gezeigt und hätten doch Öffentlichkeit dringender gebraucht als die Altmeister. In diesem Jahr hat die Jury keinen Hauptpreis vergeben. Die Verleihung der vier Förderpreise an Katrin Graalmann, Gosia Machon, Sophia Martineck, Franziska Neubert findet im Rahmen der Finisage am 4. Oktober, 11 Uhr, im Ephraim-Palais statt. Die Sterne lügen nicht. Zum Auftakt des von der Vollversammlung der Vereinten Nationen zum „International Year of Astronomy“ erklärten Jahres 2009 zeigte die Herzog August Bibliothek vom 23. November 2008 bis zum 7. Juni 2009 eine Ausstellung mit Handschriften, Drucken, Globen und Himmelskarten aus dem Bestand der Bibliothek, zu der ein Katalog erschien: Heitzmann, Christian: Die Sterne lügen nicht: Astrologie und Astronomie im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit. Wolfenbüttel: Herzog August Bibliothek, 2008. XIII, 268 S., Pp .Groß-Oktav (Wolfenbütteler Ausstellungskataloge; 90) 39.80 €. ISBN 987-3-447-05863-6. Die Ausstellung ist ein markantes Beispiel dafür, wie sich Bibliotheken, Archive und Museen an bedeutenden Ereignissen beteiligen können. Ausstellungskonzept und Katalog sind das Werk des Leiters der Handschriftenabteilung, Christian Heitzmann, Gestaltung und Redaktion des Katalogs lagen in den Händen von Oswald Schönberg. Eine Einführung in die Geschichte der Astrologie und Astronomie verfaßte Helwig Schmidt-Glintzer. Der Umschlag enthält ein Motiv aus der 1480 verfaßten Handschrift Stellarium des Mathematikers und Astronomen Johannes Tolhopff, Astronom am Hof von Matthias Corvinus, eine in leuchtenden Farben und Gold ausgeführte Darstellung des geozentrisch gedachten Kosmos. Ausstellung und Katalog sind chronologisch aufgebaut und zeigen in fünf Kapiteln eindrucksvoll mit vielen Beispielen den Einfluß des Himmels auf das irdische Geschehen. Es beginnt mit der Sternkunde bei den Griechen und Römern. Es folgen die Astrologie im Mittelalter, die Entwicklung von Astronomie und Astrologie im Zeitalter der Renaissance, die Astrologie im Zeitalter der Glaubensspaltung und abschließend unter dem Titel Beobachten und Berechnen die in erster Linie mit den Namen Tycho Brahe und Johannes Kepler verbundene Entwicklung eines neuen Weltbildes. Das sechste Kapitel beschäftigt sich mit Sternatlanten und Himmelsgloben aus barocker Zeit, das siebente mit astronomischen und astrologischen Instrumenten. Sechs in die Kapitel eingegliederte Exkurse ergänzen die Texte und Abbildungen zu den einzelnen Ausstellungsstücken. Dazu gehören Zorn und Schrecken, Buße und Gnade. Diskurse in astrologischen Schriften des 17. Jahrhunderts von Sigrun Haude und, als „Schmankerl“ für Bücherfreunde, die 17 Seiten umfassenden Ausführungen von Hania Siebenpfeiffer über Eberhard Christian Kindermanns Die Geschwinde Reise mit dem Lufft=Schiff nach der Obern Welt. Das Buch von Kindermann, das den Beginn der deutschen Weltraumliteratur markiert, ist die erste deutschsprachige Weltraumerzählung, die weder eine Übersetzung war, noch auf einer fremdsprachlichen Vorlage beruhte. Es erschien bis in das 20. Jahrhundert hinein, so als eine dem Neuhochdeutschen angepasste Fassung in dem von Johannes Mittenzwei herausgegebenen Sammelband Phantastische Weltraumfahrten. Erträumt und erdacht in Vergangenheit und Gegenwart (Berlin: Neues Leben, 1961). Der Katalog, der in Inhalt und Form vorzüglich ist, kann allen Bücherfreunden wärmstens empfohlen werden. Dieter Schmidmaier Buch Gestalten. Made in China. Die Stiftung Buchkunst zeigte vom 17. April bis zum 6. Juni in der Nationalbibliothek Frankfurt am Main eine Ausstellung zum aktuellen chinesischen Buchdesign, in der mehr als 160 Bücher von 40 renommierten Buchgestaltern zu sehen waren. Anlaß war die Tatsache, daß China bei der diesjährigen Frankfurter Buchmesse Ehrengast sein wird. Die Präsentation war konzipiert worden von Lü Jingren, geboren 1947 in Shanghai, Professor an der Akademie für Kunst und Design und selbst einer der herausragendsten Buchgestalter Asiens. Auch von ihm waren beispielhafte, sehr ansprechende Gestaltungen zu bewundern. Das aktuelle Schaffen der chinesischen Buchgestalterinnen und -gestalter schlägt einen spannungsreichen Bogen zwischen Tradition und moderner Innovation unter Einbeziehung einer exotischen Vielfältigkeit der Materialien. Die Exponate, unter anderem aus der persönlichen Sammlung von Lü Jingren, belegen die traditionelle Gestaltung im Sinne der großen, Jahrhunderte alten chinesischen Buchkultur bis zu experimentellen Buchformen und Buchobjekten. Bereits die versandte Einladung zur Ausstellungseröffnung erwies sich als kleines gestalterisches Meisterwerk. Lü Jingren schilderte in seiner Ansprache die Entwicklung der chinesischen Buchkunst in den letzten 100 Jahren, die natürlich auf einer wesentlich älteren Tradition wurzelt. Die Buchkunst der zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts bezeichnete er als den „Sommer“, in dem viel von Europa gelernt und übernommen wurde. Diese Jahre seien die hohe Blütezeit der chinesischen Buchkunst gewesen. Die „herbstliche“ Zeit nach 1949 sei auch noch recht fruchtbar gewesen. Die Jahre der sogenannten Kulturrevolution in den 1960er und 1970er Jahren bezeichnete Jingren als den „Winter“, in dem die Buchkunst auf einen absoluten Tiefstpunkt absank. Mit der Öffnung Chinas zum Westen in den letzten beiden Jahrzehnten könne man in der Buchgestaltung einen „Frühling“ registrieren. Zwar stehe die Etablierung einer qualitativ hochwertigen Buchkunst noch am Anfang, doch sei man wieder auf dem richtigen Weg. Es gibt auch wieder Ausbildungsstätten für Buchgestaltung. Seit 1996 finden Ausstellungen schöner Bücher statt, und es wird ein Wettbewerb der „Schönsten Bücher“ mit einer internationalen Jury veranstaltet. Seit 2003 haben chinesische Bücher wieder Preise in Leipzig gewonnen. Im Lande sind regionale Unterschiede in der Bevorzugung mehr traditioneller oder aber internationaler Typographie festzustellen. Wichtigstes Element sind aber die chinesischen Schriftzeichen, die in Wirklichkeit eher als Piktogramme zu bezeichnen sind. Die gute Buchgestaltung wird heute, so Lü Jingren, als Kulturvermittlung verstanden. Ferdinand Puhe Frauen im Umfeld des Friedrichshagener Dichterkreises ist eine kleine Ausstellung im Dichterkreis-Museum der Pirckheimer-Freundin Katrin Brandel in Friedrichshagen gewidmet, die seit April zu sehen ist. Die Bücher, Fotos und Dokumente stammen aus privatem Besitz, vor allem dem Verein Brunhilde e.V. aus Berlin und Mitgliedern des Kulturhistorischen Vereins Friedrichshagen zu danken. So werden sechs Frauen, bislang zu Unrecht meist kaum mehr bekannt oder gar vergessen, in wirkungsvoll bestückten Vitrinen gewürdigt und ins Licht gerückt: die Dichterin und Übersetzerin Hedwig Lachmann (1865-1918), Ehefrau von Gustav Landauer, Frida Strindberg (1872-1942), zweite Ehefrau von August Strindberg, Laura Marholm (1854-1828 ), Frauenrechtlerin und Ehefrau Ola Hanssons, die Malerin Julie Wolfthorn (1865-1944), im KZ Theresienstadt gestorben, Dagny Przybyszewska (1867-1901), die emanzipierte Schriftstellerin, einst von Edvard Munch gemalt, und Paula Dehmel (1862-1918). Die Ausstellung wird von einer Begleitschrift kommentiert, in der vier Autoren und Autorinnen der Persönlichkeit, dem Leben und Wirken der genannten Frauen unter dem Motto Schaffen, was in mir ist kenntnisreich und lebendig nachspüren. Die Begleitschrift, Heft 18 der Mitteilungen des Kulturhistorischen Vereins Friedrichshagen, ist im Dichterkreis-Museum für 4 Euro zu erwerben (Tel.: 030 / 64 111 60). U. L. Bücherschätze aus Zeitz – Ausstellung in Bamberg. Unter dem Motto WissensWelten zeigt das Diözesanmuseum Bamberg bis zum 8. November Bücher aus der Zeitzer Stiftsbibliothek. Ausgestellt sind prächtig illuminierte Pergament- und Papierhandschriften, Frühdrucke und Graphiken aus eintausend Jahren Buchkultur. Sie stammen aus den Sammlungen der Bibliothek des Zeitzer Kollegiatstiftes, die zu den ältesten und bedeutendsten der ostdeutschen Bibliothekslandschaft zählt. Diese Bibliothek enthält auch die Büchersammlungen der Naumburger Bischöfe, die für einige Jahrhunderte in Zeitz residierten. Die Präsentation will dem Betrachter mittels bedeutender Schriften und Landkarten den Weg in die mittelalterliche Wissenswelt öffnen. F. Puhe Grieshaber und die DDR. Im Städtischen Kunstumseum Sendhaus Reutlingen ist vom 11. Juli bis 20. September die Ausstellung Grenzgänger. Grieshaber und die DDR zu sehen. Der schwäbische Graphiker gewann 1965 auf der Internationalen Buchkunst-Ausstellung in Leipzig einen Preis. Daraufhin von Rudolf Mayer für eine kleine Edition mit origialgraphischen Arbeiten im Verlag der Kunst geworben, schuf er eines seiner umfangreichsten und populärsten Werke, die Farbholzschnittfolge Totentanz von Basel. Viele weitere Buchprojekte mit DDR-Verlagen folgten. Grieshaber schloß Freundschaften mit Künstlern und Schriftstellern in der DDR und war häufig zu Gast im Land. 1978 erschien hier sogar sein erste Werkverzeichnis, von Horst Zimmermann und Karl-Heinz Kukla erarbeitet und 1978 herausgegeben. Dank Grieshabers Entgegenkommen konnten viele Sammler in der DDR Bücher und Einzelblätter von ihm erwerben. Zur Ausstellung erscheint zum Preis von 12 Euro ein Katalog, zu erwerben beim Städtischen Kunstmuseum Spendhaus, Spendhausstraße 4, 72764 Reutlingen, www.reutlingen.de/kunstmuseum. Kinder- und Jugendbücher zu Naturwissenschaft und Technik im 18. und 19. Jahrhundert Unter dem Titel Schauplatz der Natur stellte Carola Pohlmann, Leiterin der Kinder- und Jugendbuchabteilung der Staatsbibliothek Berlin, den Mitgliedern und Gästen des Berliner Bibliophilen Abends am 23. März 2009 Kinder und Jugendbücher zu Naturwissenschaft und Technik im 18. und 19. Jahrhundert vor. Kinderbücher sind seit langem ein beliebtes Sammelgebiet für Bibliophile. Dabei spielt sicher die Sehnsucht nach einer unkomplizierten, poetisch verklärten Welt, wie sie in Märchen, Sagen und Balladen vorkommt, eine Rolle. Diese gängigen Klischees wollte die Referentin nicht bedienen. Sie brach eine Lanze für Kinderbücher, die die Welt realistisch beschreiben - ohne Feen, Geister und himmlische Eingriffe. Derartige "Realienbücher" gibt es schon seit Mitte des 17. Jhds. Hervorzuheben sind: orbis pictus (1658) von Johann Amos Comenius (1592 - 1670), der das Erlernen fremdsprachlicher Vokabeln und enzyklopädisches Sachwissen zu einer Einheit verband, die durch zahlreiche Bildtafeln anschaulich gemacht wurde, und der Schauplatz der Natur (um 1750) von Noel Antoine Pluches (1688-1761), ein achtbändiges Kompendium mit Sachinformationen zu Natur, menschlicher Gesellschaft und Religion, illustriert durch zahlreiche sauber gestochene Kupfer. Comenius und Pluches waren ausgebildete Theologen, denen neben der Wissensvermittlung auch die moralische Belehrung der Jugend wichtig war. Ob die Jugendlichen daran Gefallen fanden, ist nicht überliefert. Ein Jahrhundert später gehen die pädagogischen Bemühungen eher in die Richtung einer kindgemäßen Darbietung. Pioniere waren: Johann Bernhard Basedow (1724 - 1790) mit dem Elementarwerk (1774), in dem der fortschrittliche Pädagoge enzyklopädisches Wissen über Naturkunde, Handwerk und Technik vom Einfachen zum Komplizierten fortschreitend aufbereitet; Georg Christian Raff mit seiner Naturgeschichte für Kinder (1778), die außerordentlich erfolgreich war (16 Auflagen); Johann Sigmund Stoy mit der Bilderakademie für die Jugend (ab 1782), worin jeweils zu einem bestimmten Thema eine biblische Geschichte mit diversen realistischen Beispielen aus der Gegenwart verknüpft wird; Friedrich Justin Bertuch mit dem Bilderbuch für Kinder (ab1790), das nicht nur in mehreren prachtvoll kolorierten Bänden, sondern auch in dünnen Heftchen erschien, in denen die Kinder aufgefordert wurden, die Bilder auszuschneiden und damit zu spielen; Franz Heinrich Ziegenhagen, der in seinem radikalen Buch Das richtige Verhältnis zu den Schöpfungswerken (1792) den vermutlich verdutzten Jugendlichen außer gut beschriebenen handwerklichen Techniken auch die Französischen Revolution, Frauenemanzipation und Nacktkultur nahebringen wollte. Trotz der schönen Illustrationen von Chodowiecki konnte das Werk sich nicht durchsetzen. Die Referentin beschränkte sich nicht darauf, die genannten Werke zu beschreiben und die herrlichen Tafeln zu zeigen, sondern schilderte auch anschaulich die kulturellen Umbrüche der damaligen Zeit. Nicht nur für Kinderbuchsammler war der Abend ein Genuß. Bernd Illigner „Wir wollen kämpfen mit Haß aus Liebe“ – unter dieses Zitat von Kurt Tucholsky stellte Roland Templin am 20. April 2009 sein Referat beim Berliner Bibliophilen Abend über die Wochenzeitungen Schaubühne und Weltbühne. Die 1905 von Siegfried Jacobsohn (1881-1926) gegründete Schaubühne publizierte hauptsächlich Theaterkritiken, viele von ihm selbst verfaßt, die durch Sachkenntnis und einen scharfen, pointierten Stil auffielen. Diverse Verrisse machten das Blatt bekannt, aber bei den Betroffenen nicht unbedingt beliebt. Zunehmend wurde der gesamte Bereich von Wirtschaft und Politik in den Themenkreis der Zeitung einbezogen. Die 1918 erfolgte Umbenennung in Weltbühne war da nur folgerichtig. Das Blatt zog unkonventionelle junge Journalisten und Schriftsteller an, darunter Tucholsky, Polgar, Hiller, Mühsam, Lasker-Schüler, Kästner; insgesamt publizierten hier zirka 2500 Autoren. Die Redaktion pflegte unabhängigen, radikaldemokratischen Journalismus, der auch vor Skandalen nicht zurückschreckte. Nach dem frühen Tod von Jacobsohn übernahm 1926 kurzzeitig Tucholsky die Redaktion, bis ihn 1927 Carl von Ossietzky ablöste. Dieser mußte als verantwortlicher Redakteur für einen Artikel über die Reichswehr sogar ins Gefängnis. Für die heute noch explosive Tucholsky-Polemik Soldaten sind Mörder endete die Anklage wegen Beleidigung der Reichswehr allerdings 1932 mit Freispruch. Die Weltbühne war zur Zeit der Weimarer Republik trotz ihrer schwachen wirtschaftlichen Basis (Auflage maximal 15 000, ohne Sponsoren, wenige Anzeigen) meinungsbildend vor allem unter den Intellektuellen, da sie gewöhnlich gut informiert und selten langweilig war. Die Feindschaft reaktionärer, völkischer und antisemitischer Kreise wurde dadurch natürlich herausgefordert. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten gehörte die Redaktion der Weltbühne zu den ersten Opfern. Ossietzky wurde in der Nacht des Reichstagsbrandes verhaftet und starb 1938 an den Folgen der Mißhandlungen im Konzentrationslager. Tucholsky wählte 1935 im schwedischen Exil den Freitod. Die Exilausgabe Die Neue Weltbühne wurde bis zu ihrem endgültigen Verbot 1939 von einem Teil der früheren Mitarbeiter in Prag weitergeführt. Ossietzkys Witwe war 1946 an der in Berlin mit sowjetischer Lizenz gegründeten Neuausgabe beteiligt. Von den Behörden wohlwollend gefördert, vertraten die Artikel nun allerdings die „offizielle Meinung“. Radikaler Pazifismus und sowjetkritische Artikel waren nicht mehr gefragt. Nach der Wende fehlte die wirtschaftliche Basis, und nach dem Verlust der Titelrechte wurde das Blatt 1993 endgültig eingestellt. Der Vortragende veranschaulichte das Gesagte mit Hilfe seiner umfassenden Sammlung von zirka 100 Schaubühnen- und zirka 300 alten Weltbühnen-Ausgaben sowie von Fotos und Autographen der wichtigsten Mitarbeiter. Friedhelm Greis, Herausgeber des einschlägigen Buches Aus Teutschland Deutschland machen, stand ihm als lebendes Lexikon zur Seite. Die Anwesenden, denen nicht nur eine bemerkenswerte Sammlung gezeigt, sondern auch ein wesentliches Stück Zeitgeschichte nahe gebracht wurde, zeigten in der Diskussion ihr lebhaftes Interesse. Bernd Illigner Goethes Reineke Fuchs beim Berliner Bibliophilen Abend am 25. Mai 2009. Kurz vor Pfingsten kamen die Mitglieder des BBA zusammen, um sich von Dr. Fritz Jüttner auf das „liebliche Fest“ einstimmen zu lassen. Das gelang ihm auch vorzüglich durch Präsentation seiner Sammlung von Reineke Fuchs-Ausgaben. Goethes Hexameter-Epos stand dabei im Mittelpunkt, aber nicht am Anfang, denn Ursprung ist bekanntlich eine mittelalterliche Fabeldichtung, die im Laufe der Jahrhunderte immer wieder bearbeitet wurde. So stellte der Vortragende zunächst Gottscheds 1752 erschienene Übertragung des niederdeutschen Textes in hochdeutsche Prosa vor (mit Kupfern von Alaert von Everdingen), die Goethes Vorlage für seine Dichtung war. Den Reigen der Goethe-Ausgaben eröffnete dann die "Reineke"-Erstausgabe von 1794 (Band 2 der Ungerschen Ausgabe der Neuen Schriften) in allen drei der Forschung bekannten Varianten, danach als erste Einzelausgabe die 1822 bei Brockhaus erschienene. Es folgten von den Cotta-Werkausgaben jeweils die Bände mit dem Reineke Fuchs, so Band 40 (1830) der Ausgabe letzter Hand mit dem Reineke-Kupferstich von Schwerdgeburth nach Ramberg. Berühmt wuren die von Kaulbach illustrierten Ausgaben (1846/1847), die in drei Versionen gezeigt wurden – einmal mit Stuttgart und Tübingen, zum anderen mit München als Verlagsorten, zwei in prächtigen Einbänden, eine mit den Originalumschlägen der einzelnen Lieferungen. Natürlich gab es auch die Cottasche Quart-Ausgabe (1857) mit den Holzstichen von Allgaier und Siegel nach Schnorr, der Kaulbachs Illustrationen auf Holz gezeichnet hatte und noch manche jüngere Ausgabe mit Kaulbachs Bildern zu sehen. Für die Aktualität des Stoffes spricht, daß sich mit ihm auch im 20. Jahrhundert viele bekannte Illustratoren (Franz Stassen, Walther Klemm, Josef Hegenbarth, A. Paul Weber, Fritz Eichenberg, Michael Matthias Prechtl) auseinandergesetzt haben, jüngst ( 2008) noch Dieter Wiesmüller. Alle diese wunderbaren Bücher wurden den begeisterten Bibliophilen vorgezeigt und vom Referenten gewohnt präzise kommentiert. Jüttners Sammlung konzentriert sich auf Reineke Fuchs aus der Feder von Goethe. Wie schon erwähnt, haben auch andere Autoren, wie Gotthold Oswald Marbach, Karl Simrock, Franz Fühmann, den Stoff bearbeitet. Auch dazu konnte der Referent Beispiele vorzeigen. Bescheiden wies er allerdings daraufhin, daß es international berühmte Sammlungen gewaltiger Größe zum Thema Reineke Fuchs gibt, mit denen seine auf Goethe fixierte Sammlung nicht konkurrieren will. Bernd Illigner Die Bibliothek der Historischen Gesellschaft von Johann Gustav Droysen. Die Mitglieder der Historischen Gesellschaft in Berlin richteten anläßlich des 52. Geburtstages ihres Gründers Johann Gustav Droysen (1808-1884) eine Arbeitsbibliothek ein, deren Grundstock sie mit eigenen Legaten ausstatteten. Nach Droysens Tod ging die Büchersammlung in den Bestand der Bibliothek des von Julius Weizsäcker 1885 gegründeten Historischen Seminars über. Heute ist die zum größten Teil noch erhaltene Droysen-Bibliothek der älteste Bestandteil der Zweigbibliothek Geschichte der Humboldt-Universität zu Berlin. Eric Wagner hat sie mit einem Team von 15 Studierenden in langwierigen, mühevollen Forschungen wissenschaftlich erschlossen und in einem Katalog dokumentiert: Die Bibliothek der Historischen Gesellschaft von Johann Gustav Droysen 1860-1884. Eine Büchersammlung in der Zweigbibliothek Geschichte der Humboldt-Universität zu Berlin. Verzeichnet und kommentiert von Wolfgang Eric Wagner. Berlin: Akademie-Verlag, 2008. 224 S. 8°. 34,80 Euro. ISBN 978-3-05-004381-4. Der Bestand umfaßt unter Berücksichtigung aller Sammelkapseln, der Konvolute und der angebundenen Schriften 700 Titel in 1450 Bänden, darunter 350 Titel zur deutschen Geschichte. Die Veröffentlichung ist dreigeteilt: Der erste Teil enthält die Entstehungsgeschichte der Bibliothek, die Methode zu deren Rekonstruktion und Hinweise zur Benutzung des Katalogs, der zweite Teil den Katalog, der dritte Teil Dokumente zur Geschichte der Bibliothek (beispielsweise eine Notiz Droysens über die Gründung der Bibliothek vom Mai 1861 und ein Schreiben von Weizsäcker an das preußische Kultusministerium vom April 1882 zur Gründung eines Historischen Seminars an der Universität Berlin). Dieses Ergebnis der Provenienzforschung ist ein wichtiger Beitrag zum 200jährigen Jubiläum der Humboldt-Universität und gestattet einen Einblick in die von der Historischen Gesellschaft bearbeiteten Themen. Dieter Schmidmaier Privatbibliothek Wolfgang Kasack. Der Literaturwissenschaftler und Übersetzer Wolfgang Kasack (1927-2003) zählt zu den international bekanntesten deutschen Slawisten. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde er durch seine Nachschlagewerke Lexikon der russischen Literatur ab 1917 (1976) und Lexikon der russischen Literatur des 20. Jahrhunderts (1992) sowie Texteditionen in der Reihe Arbeiten und Texte zur Slavistik bekannt. Der wissenschaftliche, editorische und übersetzerische Nachlaß befindet sich im Institut für Slavistik der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und wurde jetzt erschlossen der Öffentlichkeit übergeben. Nach Ansicht von Fachwissenschaftlern handelt es sich bei diesem Nachlaß um eine bedeutende Bereicherung der Bibliotheks- und Archivbestände. Bei der Sichtung seien Schätze zum Vorschein gekommen, von deren Existenz bei der Übernahme des Archivs nichts bekannt war. Das Archiv beinhaltet bedeutsames Material zu über 200 russischen Schriftstellerinnen und Schriftstellern des 20. Jahrhunderts in Form von Büchern, Widmungen, Zeitungsartikeln, Übersetzungen, Aufsatzkopien, Textkommentaren, Gesprächsnotizen, Tonbandaufnahmen und Briefwechseln. Dieter Schmidmaier Archiv für Kindertexte. Im Herbst 2000 wurde durch Prof. Dr. Eva Maria Kohl das Archiv für Kindertexte als interdisziplinäre Forschungsstelle am Institut für Schulpädagogik und Grundschuldidaktik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg gegründet. Damit sollte ein Ort geschaffen werden, an dem Kindertexte als historisches Medium gesichert, archiviert und erforscht werden können. Im März 2009 wurde diese Einrichtung mit der Unterzeichnung einer Kooperationsvereinbarung zwischen dem Institut und der Universitäts- und Landesbibliothek Halle (ULB) von der ULB übernommen. Standort des Archivs bleibt das Institut. Das Archiv ist das weltweit einzige seiner Art und beherbergt über 80 000 Texte aus den letzten einhundert Jahren, die alle von Kindern verfaßt wurden. Kindheit wird hier in Märchen, Geschichten und Versen sprachlich artikuliert. So berichten Kinder um 1900 vom Alltag in der reformpädagogischen Schule, jüdische Kinder nach 1933 von ihren Erfahrungen in Konzentrationslagern, deutsche Kinder am Ende des Zweiten Weltkriegs über Flucht und Vertreibung und Kinder in Ost- und Westdeutschland bis 1989 über ihr Leben. Dieter Schmidmaier Neues zum Wissenschaftsportal b2i. Das seit 2007 online bestehende zentrale Wissenschaftsportal für die Bibliotheks-, Buch- und Informationswissenschaften (www.b2i.de) (s. MARGINALIEN, H. 189, 2008, S. 107) wurde im Mai 2009 umstrukturiert. Hier finden sich zentral und gebündelt Bibliothekskataloge, Bibliographien, Zeitschriftenartikel, Internetressourcen und elektronische Volltexte. Neuaufbau und Ausbau des Portals liegen bei der Bayerischen Staatsbibliothek München und werden von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert. Das bisherige Erscheinungsbild des Portals wurde weitgehend beibehalten. Unter der Oberfläche verbergen sich zahlreiche technische Neuerungen. Diese führen zu einer Beschleunigung der Suche und zu einer weiteren Filterung der Suchergebnisse nach bestimmten Kriterien. Die Serviceleistungen wie die Bestellmöglichkeiten für Beiträge aus Monographien und Zeitschriften wurden neu aufgebaut. Dieter Schmidmaier B. Traven-Katalog des Roten Antiquariats erschienen. Unser Mitglied Christian Bartsch, Antiquar in Berlin, hat im Mai dieses Jahres aus Anlaß des 40. Todestages von B. Traven einen interessanten Spezialkatalog mit Angeboten zum Werk des Schriftstellers, Schauspielers und Anarchisten herausgegeben. Von den vielen Geheimnissen, die den zu den meistgelesenen Autoren des letzten Jahrhunderts gehörenden Traven umgeben, scheint bislang nur aufgeklärt zu sein, daß er mit dem Herausgeber des Ziegelbrenner Ret Marut identisch ist. Marut wurde wegen seiner Teilnahme an der Münchner Räterepublik zum Tode verurteilt und mußte über Umwegen nach Mexiko fliehen. Zeit seines Lebens unternahm er alles, um seine Identität zu verschleiern. Mit Angeboten zum Ziegelbrenner, dessen erstes Heft am 1. September 1917 erschien und dessen Herausgabe 1921 eingestellt werden mußte, wird der erste Abschnitt des in zwei Teile untergliederten Katalogs eröffnet. Der Sammler findet hier Angebote zwischen 800 Euro für die gebundene Originalausgabe des ersten Jahrgangs und 25 Euro für einen Reprint aller 5 Jahrgänge vom Verlag Klaus Guhl, Berlin. Ein weiterer Abschnitt des ersten Teils des gründlich kommentierten und mit Farbabbildungen illustrierten Katalogs enthält zahlreiche Buchausgaben von Traven, darunter Erstausgaben der Romane in der Büchergilde Gutenberg zum Preis von 10 bis 60 Euro. Es folgen Veröffentlichungen von und zu B. Traven, so die seltenen BT-Mitteilungen und ein Werbeblatt zur Ausgabe von Schatz der Sierra Madre im Buchmeister-Verlag 1932. Abschließend werden im ersten Teil des Katalogs Fotos von B. Traven, die dieser in Mexiko machte, zum Preis von 150 bis 200 Euro angeboten. Der zweite und vermutlich die Traven-Forschung begeisternde Teil des Antiquariatskatalogs enthält 14 Briefe B. Travens, die dieser unter anderem an Ernst Preczang, von ihm liebevoll Ernest genannt, schickte, der sich als Lektor der Büchergilde Gutenberg als literarischer Entdecker Travens verdient machte. Die Preise dieser Briefe sind verständlicherweise hoch und liegen zwischen 1500 und 4000 Euro. Deshalb wird der Leser dem Antiquariat besonders dankbar sein, daß alle Briefe nicht nur sachkundig kommentiert sind, sondern auch als Faksimile abgebildet und als Text abgedruckt werden, was diesen Katalog zu einer für die Traven-Forschung aufschlußreichen Lektüre macht. Abschließend findet sich noch eine Liste von wichtigen Editionen über diesen bedeutsamen proletarischen Autor, alle zu Preisen unter 20 Euro. Der 60 Seiten umfassende Katalog kann beim Roten Antiquariat, Knesebeckstraße 13/14, 10623 Berlin, kostenlos angefordert werden. Abel Doering Leda und der Schwan im Exlibris. Klaus Rödl, Exlibrissammler und Leiter des Kunstmuseums Frederikshavn, hat einen Katalog mit Exlibris zum Thema Leda und der Schwan publiziert: Die Leda und der Schwan. 48 Exlibris von Klaus Rödl. Frederikshavn Kunstmuseum & Exlibrissammlung, 2009. 125 S. 8°. Br. mit Umschl. Die darin enthalten 49 Exlibris (mit Umschlagabbildung) sind sämtlich in seinem Auftrag geschaffen worden. Obwohl die meisten Blätter in den zurückliegenden zehn Jahren entstanden, reicht die Spannweite der Entstehungszeiten von 1970 bis 2009. Die Beteiligung von 29 Künstlern aus unterschiedlichsten europäischen Ländern zeigt, in welchem weiten Beziehungsgeflecht der Sammler steht. Alle Blätter, Radierungen, Kupferstiche, Lithographien, Holzstiche und vereinzelt einige andere Techniken, werden ganzseitig auf Tafeln, darunter viele in Farbe, wiedergegeben. Reizvoll ist vor allem zu sehen, wie unterschiedlich das schon so häufig ausgeführte Motiv in Szene gesetzt wird. Hingabe an das Detail steht neben Abstraktion, Leidenschaftlichkeit in der Auffassung neben Ironie. Am reizvollsten sind vielleicht die ikonographisch verknappten Bilder von Axel Vater, der gleich vier Varianten geliefert hat, und die traumdeuterische Verfremdung der Bulgarin Jenhy Kateljeva, die den Schwan nur auf dem Rücken der schlummernden Leda gezeichnet hat. Vor einer allzu kurzen Darstellung des Projekts durch Rödel steht eine Einführung in das Thema mit Interpretation der Bilder von Wolfram Körner, der selbst einst eine umfangreiche Sammlung Leda und der Schwan mit über 1000 Stücken (Graphik, Exlibris, Kleinplastiken, Bücher etc.) zusammengetragen hat, die heute im Besitz einer Stiftung in München ist. Die Broschur von 125 Seiten wird außerhalb Skandinaviens vom Exlibris-Antiquariat Claus Wittal (Fliednerstraße 27, 65191 Wiesbaden, www.exlibrisart.com) für 13 Euro plus Versandkosten vertrieben. Als nächstes Projekt hat Klaus Rödel zusammen mit Erik Skovenborg einen Katalog Wein im Exlibris angekündigt und bittet um Tauschangebote: Frederikshavn Kunstmuseum & Exlibrissammlung, P.O. Box 47, DK 9900 Frederikshavn. Nach Redaktionsschluß Zum Tode des Malers und Illustrators Wolfgang Jörg. 1934 in Köln geboren, studierte er von 1955 bis 1958 an der Kölner Werkkunstschule freie Malerei bei Prof. Friedrich Vordemberge. 1958 übersiedelte er nach Berlin und war bis 1963 Meisterschüler bei Prof. Günther Hartmann an der Hochschule für Bildende Künste Berlin-Charlottenburg. Dort lernte er Erich Schönig, ebenfalls Meisterschüler bei Hartmann, kennen und gründete mit ihm noch während seines Studiums 1961 als „künstlerische Arbeitsgemeinschaft“ die Berliner Handpresse, die sich mit der Herausgabe alter und neuer Texte in Verbindung mit Illustrationen einen Namen machte. 1965 begann die verdienstvolle Edition handgedruckter Kinderbücher mit Originalgraphiken und seit 1973 die Reihe Werkdruck und Satyren und Launen sowie Bücher mit Originallinolschnitten. In den kommenden Jahrzehnten konnte die Berliner Handpresse unter der Leitung von Wolfgang und Ingrid Jörg Autoren wie Ernst Jandl, Sarah Kirsch, Peter Hacks, Günter Kunert, Fritz Rudolf Fries, Helga Königsdorf und Illustratoren wie Klaus Ensikat, Manfred Bofinger, Eva Johanna Rubin, Albrecht von Bodecker, Ralf Bergner gewinnen. Vor allem durch die über 250 bibliophilen Drucke der Berliner Handpresse wird Wolfgang Jörg, der am 27. Juli 2009 starb, allen Buchliebhabern und Freunden des Drucks und der Graphik in ehrender Erinnerung bleiben. A. Doering Ein sachlicher Blick auf die 20er Jahre lautet der Titel einer kleinen, aber sehenswerten Ausstellung mit Graphiken, Zeichnungen und Aquarellen von Beckmann, Grosz, Kollwitz, Mammen und Saul. Der neue künstlerische Blick auf die Gesellschaft der 1920er Jahre, nach dem romantisch-mystischen Jugendstil und dem expressionistischen Aufschrei, war unmittelbar geprägt durch das Großstadtleben, wie es kaum irgendwo konzentrierter zu finden war als in der Weltstadt Berlin. Die Zusammenballung verschiedenster Charaktere, ungezügelte Ausschweifungen und soziales Elend lieferten ein vielfältiges Material für den sachlich durchdringenden Blick des Künstlers. Die schonungslose, häufig sozialkritische Darstellung findet sich bei der ›Grande Dame‹ Käthe Kollwitz in ihren expressiv-realistischen Werken. Es war das neue, schnelle und berauschende Leben, das abstieß und zugleich faszinierte. Aus einer Art Haßliebe zeichneten Max Beckmann und der Dadaist George Grosz die gesellschaftlichen Abgründe. Ihre Zeichnungen prägten, wie auch die der großen Berliner Künstlerin Jeanne Mammen, in Zeitschriften, auf Plakaten und Broschurumschlägen das Gesicht dieser Zeit. Überraschend ausdrucksstark sind auch die Graphiken des heute weniger bekannten Künstlers Werner Saul (Suwal), der in der Berliner Ortsgruppe der Assoziation Revolutionärer Bildender Künstler Deutschlands (ARBKD) Mitglied war. Die Ausstellung ist vom 7. August bis 24. Oktober 2009 in der Galerie C. Bartsch (Knesebeckstraße 13/14, 10623 Berlin) zu sehen, es erschien ein zwölfseitiges informatives Faltblatt. A. Doering Theo Pinkus (1909–1991) – Buchhändler – Kommunist – Querdenker. Unter diesem Titel dokumentiert die Stiftung „Studienbibliothek zur Geschichte der Arbeiterbewegung“ zum 100. Geburtstag von Theo Pinkus vom 18. August bis 19. Dezember 2009 im Katalogsaal der Zentralbibliothek Zürich Leben und Wirken des „roten Büchernarrs“. Der 1909 in Zürich geborene Sohn einer jüdischen Familie entwickelte entsprechend den politischen und literarischen Neigungen der Eltern den Berufswunsch, Buchhändler und Verleger zu werden. Als Verlagslehrling bei Ernst Rowohlt in Berlin und als Mitarbeiter in Willi Münzenbergs Verlagsimperium erlebte er die letzten Jahre der Weimarer Republik in Berlin, das er 1933, wenige Wochen nach dem Reichtagsbrand, verlassen mußte, nachdem ihm die Polizei bei einer Hausdurchsuchung den Paß abgenommen hatte. Zurück in Zürich, stürzte er sich in die Arbeit der kleinen Kommunistischen Partei der Schweiz, leistete politische Agitation vor Ort. Als Mitarbeiter der von Moskau kontrollierten Nachrichtenagentur „Runa“ blieb er in engem Kontakt mit der Kommunistischen Internationale. Der Querdenker geriet schon bald in Kollision mit der Parteilinie und wurde 1942 aus dem Partei ausgeschlossen. 1940 gründete Theo Pinkus in der Froschaugasse 17 einen Büchersuchdienst. 1948 kam die auf Sozialismus und Arbeiterbewegung spezialisierte Buchhandlung an der Predigergasse 7 hinzu, die für die Linke in Zürich jahrzehntelang ein Begegnungsort war. Von 1948 bis 1987 gab er als linkes Diskussionsforum die Wochenzeitschrift Zeitdienst heraus. Eine weitere Gründung von ihm war der Limmat Verlag, den er 1974 an eine Autorengruppe abtrat. Im Glauben an die Wirkung des geschriebenen Wortes bauten sich Theo und Amalie Pinkus mit der „Studienbibliothek zur Geschichte der Arbeiterbewegung“, die sie in eine Stiftung überführten, ein Denkmal. Die 50 000 Titel umfassende Sammlung des legendären Zürcher Ehepaares ging im Jahr 2000 zusammen mit der vorwiegend belletristischen Privatbibliothek und dem Nachlaß von Pinkus an die Zentralbibliothek Zürich. |