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Redaktionsschluss 6. April 2009
Gewußt Wo! –
Wissen schafft Räume
Altenbourg-Ausstellung
Bilder wie
Worte. Deutsche Zeichnungen
und illustrierte Bücher 1800-1924
Rolf Münzner in
Bad Frankenhausen
Pressendrucke
nach 1945, illustrierte Bücher, Druckgraphik
Arno Schmidts
Leviathan und die Arno-Schmidt-Sammlung in Görlitz
Festschrift für
Volker Wahl
Sammelband mit
Erinnerungen von Friedhilde Krause
Karl Ludwig Leonhardt in memoriam!
Die
Exlibrissammlung Dr. Axel Leier im Stadtmuseum Cottbus
Die
Inselbuch-Sammlung Dr. Gerd Zimmermann
Der jüdische
Maler und Pressezeichner David Friedmann
Ein bibliophiles Poesiealbum
Neue illustrierte Bücher von Dieter
Goltzsche, getrüffelt mit Aquarellierung
Die
italienischen Zeichnungen in Weimar
Friedlaender/Mynona finanziert postum seine Werkausgabe
Türkische Bibliothek
Antiquariatskatalog mit einer Bibliographie der Büchergilde Gutenberg
Opulentes
Buchobjekt zum 60. Geburtstag von Wolfgang Windhausen
Eine Rarität
nicht nur für Kunert-Sammler
Gewußt Wo! –
Wissen schafft Räume. Bis zum 29. März, fast ein halbes Jahr lang, zeigte
das Mainzer Gutenberg-Museum eine didaktisch ausgezeichnet präsentierte
Ausstellung von Büchern und Graphiken zur Wechselwirkung zwischen Wissen und
Raum. Anhand von Büchern und Graphiken früherer Jahrhunderte – vor allem der
frühen Neuzeit – wurden die durch Wissen geschaffenen vielfältigen Räume
begreifbar, faßbar. Vor allem helfen uns – und das galt vor allem für die
Menschen der Antike, des Mittelalters und der Renaissance – architektonische
Vorstellungen, Wissensbestände zu ordnen und in Erinnerung zu rufen.
Versinnbildlicht wurden Bildungsgänge und Wissenshierarchien besonders durch die
Darstellung von Häusern, Türmen und Treppenhäusern, gut veranschaulicht im
Holzschnitt Turris Sapientiae und einem Blatt aus dem Hortus
deliciarum der Herrad von Landsberg sowie zu den Büchern des Gregor von
Reisch, Turm des Wissens (Freiburg 1504), und des Anton Wilhelm Schowart,
Karriere-Treppe (Frankfurt/Oder 1693). Ein weiterer, bereits in der
Antike geschätzter Wissensraum ist die Grammatik. Auch hier griff man zur
Erläuterung der Systeme gern auf bildhafte Darstellungen zurück. Dabei wurde
sprachliches Wissen nicht nur anhand von Körpern, Pflanzen und Maschinen
visualisiert, sondern auch in Portalen, Gärten und – wieder – Türmen.
Beispielhaft wurden in diesem Bereich Bücher von Gregor Reisch und Caspar
Stieler gezeigt.
Die Kartographie war in Antike
und Mittelalter reine Orientierungshilfe. Mit dem Beginn der Neuzeit, ihren
Entdeckungsfahrten und den Fortschritten in der Vermessung und Darstellung der
Erde entwickelte sie sich zu einem Medium der Strukturierung von Raum und Zeit.
Atlanten und Weltkarten – diese natürlicherweise oft noch unvollständig –
veranschaulichten eindrucksvoll diesen Bereich. So durften Hartmann Schedels
Das Buch der Cronicken (Nürnberg 1493) und Gerhard Mercators Atlas sive
Cosmographiae Meditationes (Amsterdam 1606) nicht fehlen.
Vor allem in Arbeitszimmern,
Ateliers und im Laboratorium wird Wissen gesammelt, geordnet, präsentiert und
auch angewendet. So wie jeder seinen Arbeits-Raum strukturiert und gestaltet,
beeinflußt dieser Arbeitsraum das Wissen seines Nutzers. Inbegriff dieser
Wechselbeziehung zwischen denkendem Individuum und seiner Umgebung ist das in
der Kunst viel zitierte Bild von Hieronymus im Gehäuse. Mehrere
Darstellungen waren ausgelegt, so aus Hieronymus Epistolau (Basel 1497)
und aus Sebastian Brants Stultifera Navis (ebenfalls Basel 1497). Die
aufgeschlagene Darstellung aus dem letztgenannten Buch ist das vielfach
reproduzierte Blatt Der Büchernarr.
Ein dem heutigen Sammler
vertrauter Bereich war unter „Sammlungsräume“ zu finden. Seit der frühen Neuzeit
entwickelte sich nämlich ein spezieller architektonischer Raumtyp zur
Aufbewahrung von Kunstwerken, Naturalien, wissenschaftlichen Artefakten und
Kuriositäten. Diese Räume wurden dann auch als Wunderkammer oder
Naturalienkabinett bezeichnet. Typische Beispiele für diese Räume waren
Darstellungen aus Rumphius’ D’Amboinische Rariteitkammer (Amsterdam 1705)
und aus Ferrante Imperatos Dell’ Historia Naturale (Neapel 1599). Im
mathematischen Garten (Hortus Mathematicus) findet nicht nur botanisches Wissen
seinen Platz, sondern es verbinden sich in ihm Mathematik und Gartenkunst auf
mehrfache Weise, so bei der Vermessung und der geometrischen Gestaltung der
Anlagen, der Ausstattung mit optischen und akustischen Effekten, mit
Springbrunnen und inhaltlichen Programmen. Beispiele für diese Räume waren
Solomon Kleiners Représentation au naturel (Augsburg 1728) mit der
Abbildung Favorite-Garten in Mainz sowie eine Graphik mit Schloß, Garten
und geometrischen Formen in Alain Manesson-Mallet, La géometrie pratique
(Paris 1702).
Ferdinand Puhe

Altenbourg-Ausstellung
auf der Burg Beeskow. Auf den populären Dresdner Kunstausstellungen der DDR
war Gerhard Altenbourg (1926-1989), mit bürgerlichem Namen Gerhard Ströch, nicht
vertreten. Die Verweigerung kam von beiden Seiten, und so ging der überwiegende
Teil des äußerst produktiven Künstlers von 1951 bis 1961 zur Westberliner
Galerie Springer und danach zur Galerie Brusberg (erst Hannover, jetzt Berlin).
Im Osten Deutschlands blieb der Künstler bis heute weitgehend Insidern
vorbehalten. Um so verdienstvoller ist es, daß sich die Burg Beeskow von Februar
bis Mai eine Sammlung von Druckgraphik Altenbourgs aus der Galerie am
Sachsenplatz Leipzig ins Haus holte. Das dem Umfang nach bescheidene Konvolut
von über 60 Arbeiten aus rund 1400 im Umlauf befindlichen Graphiken konnte zwar
nicht repräsentativ sein, aber es bot mit charakteristischen Werken ein
interessantes und eindrückliches Bild vom kreativen Gestaltungswillen und der
sublimen Ästhetik dieses Künstlers. In der Ausstellung befanden sich einige
Spitzenstücke seines Œuvres, dessen Werkverzeichnis, erarbeitet von Annegret
Janda, seit 2004 in drei Bänden durch das Lindenau-Museum Altenburg publiziert
wird. Zu den Hauptblättern gehörten die großformatigen Farbholzschnitte
Ariadne (1973) sowie Das sind die Wege wurzelentlang (1974). Für
Kenner besonders beachtenswert waren die Holzschnitt-Unikate Aus dem
Wurzelgrund (1979) und Aus dem Quellengrund (1980).
Die Ausstellung in vier Räumen
war chronologisch, beginnend beim Frühwerk, und didaktisch aufgebaut und
verzeichnete die Œuvrenummern. Zustandsdrucke und farbliche Varianten gewährten
Einblicke in Arbeitsprozesse. Besonders aufschlußreich war die Zuordnung der
1986 entstandenen Plastik Vater – Sohn – einer vergrößerten
Eichenholzfassung einer Plastik von 1957 – zu der gleichnamigen Zeichnung von
1950. Inhaltlich waren die Exponate überwiegend der Auseinandersetzung mit der
thüringischen Landschaft zuzuordnen sowie einer mit feinem Humor ironisierenden
Weltbetrachtung. Diese äußerte sich besonders in den achtziger Jahren in solchen
skurrilen Bildtiteln wie zu der Lithographie Singen sollen wir zusammen einen
Choral Süßkleine (1985) oder zu den Radierungen Schlendrian,
spaßphallosophisch (1988) und Kitzel-Glatzen mit Kainmal der
Doppelflöhung (1984). Während auf zahlreichen Holzschnitten großflächige
Figuren mit feiner Binnenzeichnung dominieren und die Zufälligkeiten der
Maserungen in die Gestaltung einbezogen sind, sind die Lithographien und die
wenigen ausgestellten, überaus zarten Radierungen mit leichtem, wie gehauchtem
Strich ausgearbeitet. Eine große Gruppe von Lithographien zeigte, wie der
Künstler beeindruckend mit der Breitseite der Kreide experimentierte.
Elke Lang

Bilder wie
Worte. Deutsche Zeichnungen und illustrierte Bücher 1800-1924. Das Museum
Georg Schäfer in Schweinfurt zeigt vom 29. März bis 21. Juni 2009 etwa 90
Arbeiten auf Papier und 40 illustrierte Bücher, überwiegend aus eigenen
Beständen. Bei den seltenen, zum Teil noch nie ausgestellten Zeichnungen und
Aquarellen von Künstlern wie Julius Schnorr von Carolsfeld, Moritz von Schwind,
Joseph von Führich, Ludwig Richter, Max Slevogt und Lovis Corinth handelt es
sich um textbezogene Arbeiten, oft um Vorlagen für Buchillustrationen. Im
Mittelpunkt stehen neben der antiken Mythologie, mittelalterlichen Sagen und
Märchen die Werke Goethes. Die Ausstellung ermöglicht in vielen Fällen den
direkten Vergleich zwischen vorbereitender Zeichnung und gedruckter
Buchillustration, sie bietet zwar keinen systematischen Überblick, wohl aber
interessante und vergnügliche Einblicke in die facettenreiche Kunst der
Illustration in Romantik, Biedermeier, Realismus und Impressionismus. – Zur
Ausstellung ist ein Katalog mit Abbildungen aller Exponate erschienen (224 S.,
24,90 Euro, ISBN 978-3-9809541-7-4). Weitere Informationen finden sich unter
www.museumgeorgschaefer.de.
Thomas Reinecke

Rolf Münzner
in Bad Frankenhausen. Vom 28. Februar bis 1. Juni 2009 zeigt das Panorama
Museum Bad Frankenhausen neben Werner Tübkes Monumentalgemälde die Ausstellung
Rolf Münzner – Grafik und Zeichnung. Mit 143 Graphiken, fünf bibliophilen
Ausgaben und Mappenwerken sowie 86 Zeichnungen bietet sie eine Übersicht über
das Gesamtschaffen des Meisters des Steindrucks in Asphaltschabmanier von seinem
furiosen Erstlingswerk, den Blättern zu Michail Bulgakows Der Meister und
Margarita (1975), bis heute. Zur Ausstellung ist ein Katalog mit vielen
vorzüglichen Abbildungen sowie Texten von Gerd Lindner, Dieter Gleisberg, Peter
Gosse und Rudolf Kober erschienen.

Pressendrucke nach 1945, illustrierte Bücher, Druckgraphik war der Titel
einer Ausstellung, die vom Februar bis März in der Kreisbibliothek Eutin über
hundert Pressendrucke und über fünfzig Graphiken aus der Sammlung von Klaus
Nowak zeigte. Es war dem Preetzer Pirckheimer-Freund eine Freude, diesen
speziellen Bereich des individuell, mit künstlerischem Anspruch gestalteten
Buches vorstellen zu können, während heute das Buch überwiegend in der
Massenproduktion als reiner Informations- oder Unterhaltungsträger gesehen wird.
In einem Gang durch rund sechzig Jahre Buchgeschichte wurde aufgezeigt, was
alles an Ideen in der Buchproduktion dieser Zeit verwirklicht wurde. Zudem
wurden in einzelnen Vitrinen Exponate zu speziellen Themen wie „Künstlerisches
Kinderbuch“, 13 Ausgaben zu Runges Märchen Von dem Fischer un syner Fru,
„Buchkuriosa" (Faltbücher, Beutel- und Unikatbuch, Leporello etc.) gezeigt.
Reizvoll war ferner die Korrespondenz zwischen Buch- und Druckgraphik – bei den
Beschreibungen der Exponate in den Vitrinen wurde auf die ausgehängten Graphiken
von denselben Künstlern verwiesen. Alles in allem eine üppige Auswahl aus einer
fast vierzigjährigen Sammlertätigkeit. Im Faltblatt zur Ausstellung schreibt
Nowak über seine Leidenschaft: „Schon während meines Studiums an der
Meisterschule für Graphik und Buchgewerbe in Berlin war ich in Buchverlagen
tätig. Somit war ich in der glücklichen Lage, fast vierzig Jahre lang mein Hobby
und den Beruf annähernd zu verbinden. Hilfreich war auch die Mitgliedschaft in
bibliophilen Gesellschaften, die mir häufig einen Vorsprung an Informationen
beim Erwerb diverser Künstlerbücher verschafften.“

Arno Schmidts
Leviathan und die Arno-Schmidt-Sammlung in Görlitz. Vom 20. Februar bis 19.
April 2009 präsentierte die Oberlausitzische Bibliothek der Wissenschaften (OLBdW)
in einer Kabinettausstellung im historischen Büchersaal einen Teil ihrer
umfangreichen Arno-Schmidt-Sammlung. Fünf Vitrinen mit sorgfältig ausgesuchten
Ausstellungsstücken und der dem Bargfeldschen Original nachempfundene
Arbeitsplatz Arno Schmidts mit Schreibmaschine, Adreßbüchern, einem kleinen
Zettelkasten und Zettls Traum in der handsignierten Erstausgabe von 1970
schufen im Verein mit den unzähligen alten Büchern des Saales eine einzigartige
Atmosphäre, die überzeugend die geistige (Bücher-)Welt Arno Schmidts imaginierte.
Einige Graphiken von Jens Rusch im angrenzenden Gang vervollständigten die
eindrucksvolle Auswahl. In einer der Vitrinen wurde auch jener Brief Arno
Schmidts an die Bibliothek gezeigt, in dem er 1963, zwei Jahre nach Erscheinen
des Funk-Essays Der Waldbrand oder: Vom Grinsen des Weisen um Auskunft
über den Nachlaß des Muskauer Dichterkomponisten Leopold Schefers bat. Solche
literarischen Bezüge zu Arno Schmidts frühen Jahren in der Oberlausitz
veranlaßten die OLBdW zum Aufbau einer mit den damaligen Mitteln möglichen,
kleinen Arno-Schmidt-Sammlung. Der bescheidene Grundstock erfuhr im Jahre 2006
eine bedeutende Bereicherung durch eine Schenkung Wolf-Dieter Krügers, eines in
der Gesellschaft der Arno-Schmidt-Leser (GASL) engagierten Sammlers, der mit
seiner Sammlung auch intensiv lebt und arbeitet. 2008 wurde die Sammlung durch
eine weitere Schenkung ergänzt. Von Hans-Rainer Burisch, ebenfalls in der GASL
aktiv, kamen 100 Aktenordner mit über 6000 Zeitungs- und Zeitschriftenartikeln
und rund 50 Audiokassetten hinzu. Inzwischen füllen zirka 30 laufende Meter „Arno-Schmidtiana“
ein ganzes Rollregal, darunter selbstverständlich die Erstausgaben, weitere
Primär- und Sekundärliteratur, aber auch Bücher, die sich in Schmidts Bibliothek
befanden, über die Arno Schmidt geschrieben oder mit denen er gearbeitet hat;
Bildbände über Bargfeld, Graphikmappen und Bücher mit Exlibris von Eberhard
Schlotter, Jens Rusch, Gert-Peter Reichert und anderen – also auch
Sekundärliteratur im weitesten Sinne. Laufende Zugänge aus der Sammlung Krüger
sorgen weiterhin dafür, „dass die Oberlausitzische Bibliothek der Wissenschaften
heute mit über 7000 Aufsätzen und Büchern zu Arno Schmidt beste Voraussetzungen
für die wissenschaftliche und künstlerische Auseinandersetzung mit seinem Werk
bietet“ (Aus: Schienenwolf & Zettelkasten. Arno Schmidt in & über Görlitz.
Hrsg. Oberlausitzische Bibliothek der Wissenschaften. Görlitz 2009.)
Bernd-Ingo Friedrich

Festschrift für Volker
Wahl. Dem Archivar und Landeshistoriker Volker Wahl wurde
anläßlich seines 65. Geburtstages eine voluminöse Festschrift mit 31 Beiträgen
überreicht: „Ältestes bewahrt mit Treue, freundlich aufgefaßtes Neue“.
Festschrift für Volker Wahl zum 65. Geburtstag. Hrsg. im Auftrag des Thüringer
Archivarverbandes von Katrin Beger, Dagmar Blaha, Frank Boblenz, Johannes Mötsch.
Rudolstadt: Thüringer Archivarverband, 2008. 655 S. Pp.8°. 24
Euro. ISBN 978-3-00-024781-1. Der Jubilar blickt auf eine fast
vierzigjährige Tätigkeit im thüringischen Archivwesen zurück. Er leitete unter
anderem das Universitätsarchiv Jena, das Goethe- und Schiller-Archiv Weimar, das
Thüringische Hauptstaatsarchiv Weimar und den Verband der Archivarinnen und
Archivare in Thüringen. Die meisten der 31 Aufsätze dieser exzellenten
Festschrift sind aus der archivarischen Forschung erwachsen, einige beschäftigen
sich mit der Geschichte der archivarischen Verbandsarbeit in Thüringen. Auf
einige für den Bücherfreund besonders interessante Beiträge sei im folgenden
hingewiesen: Schillers Umgang mit Büchern und Bibliotheken (Jochen Golz),
Quellen zur Altenburger Familie von der Gabelentz unter besonderer
Berücksichtigung des Sprachwissenschaftlers und Politikers Hans Conon von der
Gabelentz (Joachim Emig), der 1852 gegründete Verein für Thüringische Geschichte
und Altertumskunde als Anreger und Förderer von Projekten zur Erforschung der
thüringischen Landesgeschichte wie der Thüringen-Bibliographie von 1886 bis
1941, des Thüringischen Wörterbuches von 1907 bis 1930 und des geschichtlichen
Atlasses Mitteldeutschlands 1929 (Konrad Marwinski), Maritimes im Thüringischen
Hauptstaatsarchiv Weimar (Uwe Jens Wandel), Spiegelungen Thüringer Geschichte
und Geschichten in Thomas Manns Roman Königliche Hoheit (Bernhard Post)
sowie der Archivzweckbau in Weimar von 1885, der heute als „Mutter- und
Musteranstalt“ der deutschen Magazinarchive im 20. Jahrhundert gilt (Volker
Graupner). Den Abschluß des Bandes bildet eine Bibliographie von Wahls
Publikationen. Die Worte „Ältestes bewahrt mit Treue, freundlich aufgefaßtes
Neue“, die Goethe seiner Gedichtgruppe „Gott und Welt“ voranstellte, wurden von
Wahl gern und oft gebraucht und können als Leitmotiv für sein Berufsleben
gelten.
Dieter Schmidmaier

Sammelband mit Erinnerungen von
Friedhilde Krause. Im Nachgang zum 80. Geburtstag von
Friedhilde Krause, einst Generaldirektorin der Deutschen Staatsbibliothek zu
Berlin, erschien Anfang dieses Jahres ein den Pirckheimer-Freunden zu
empfehlender interessanter kleiner Band: Friedhilde Krause, Erlebt und
geprägt. Erinnerungen aus 80 Lebensjahren. Mit einem Geleitwort von Wolfgang
Schmitz und 10 Fotos von Manfred Krause. Hildesheim: Olms, 2009. 103 S. Br. 8°.
12,80 Euro. ISBN 978-3-487-13928-9. Der Band entstand auf Initiative des
Verlegers Georg Olms, mit dem Friedhilde Krause seit der gemeinsamen Arbeit am
Handbuch der historischen Buchbestände in näherem Kontakt steht.
Zusammengestellt wurden von ihr Aufsätze zu den vier Leitfiguren ihres Lebens,
dem Vater Friedrich Karl Jonat, einem evangelischen Pfarrer im Posenschen,
später Mecklenburgischen, dem Slawisten Wolfgang Steinitz, Vorbild während ihres
Studiums an der Humboldt-Universität, dem Staatssekretär für das Hoch- und
Fachschulwesen Gerhard Harig, unter dessen Leitung sie die ersten Berufsjahre
verbrachte, und zu ihrem Vorgänger im Amt des Generaldirektors der
Staatsbibliothek Horst Kunze, dessen Berufsethos für sie prägend wurde. Vier
Porträts von Freunden und wissenschaftlichen Weggefährten, wie des polnischen
Buchwissenschaftlers und Bibliothekars Jan Pirożyński, der russischen
Bibliothekarin und Vorsitzenden des Kulturkomitees bei der Sowjetischen
Militäradministration in Deutschland Margarita Ivanovna Rudomino, des
französischen Germanisten Pierre-Paul Sagave und der israelischen Chemikerin und
Holocaust-Überlebenden Janina Altman, zeigen, wie breitgefächert die Beziehungen
sind, in denen sich Friedhilde Krauses persönliches und berufliches Leben
entwickelt hat. Namentlich zu osteuropäischen und jüdischen Intellektuellen hat
sie lebenslang intensiven persönlichen und brieflichen Kontakt gehalten. Einige
Aufsätze sind den Marginalien-Lesern
bereits bekannt, andere erschienen bisher nur an entlegener Stelle. Für das
Verständnis ihrer Persönlichkeit besonders aufschlußreich sind die Erinnerungen
an ihren Vater, der vor und während der deutschen Besatzung ein Pfarramt in der
ehemaligen Provinz Posen ausübte. Er hatte „Hochachtung vor den Leistungen der
polnischen Kultur“, beherrschte die polnische Sprache, stand in gutem Verhältnis
zu den polnischen Nachbarn und hielt auch seine Kinder zum Erlernen des
Polnischen an. Wolfgang Schmitz zeichnet in seiner einfühlsamen Einführung in
das Buch Friedhilde Krauses Lebensgang nach und resümiert: „So ist sie sich
stets treu geblieben, in ihrer Überzeugung von einer besseren, gerechten,
sozialen Welt ...“

„Karl Ludwig
Leonhardt in memoriam!”
So lautet der Untertitel des Heftes 9 von Erotische Literatur.
Mitteilungen zur Erforschung und Bibliographie, herausgegeben von W. v.
Murat, erschienen beim Antiquariat Ars Amandi, Berlin 2008, 294 Seiten,
Quartformat. Erinnerungen und Würdigungen bringen die Beiträge der ersten 60
Seiten, so von Franz Bayer (Es gibt nichts Schöneres als eine Liste),
Rolf Hochhuth (Trauerrede), Nino Erné (Lesering), Jacques Duprilot (un
éditeur bibliomane unique en son genre), J. B. Rund (The last gentleman),
Hans-Jürgen Döpp (der Sammler), Anthony Fekete (Passion for Beauty and
Freedom). Dazu kommt eine Ergänzung zum Schriftenverzeichnis von Karl Ludwig
Leonhardt. Im zweiten Teil sind bisher unveröffentlichte Übersetzungen
erotischer Literatur von Leonhardt abgedruckt. 42 Seiten enthalten das Faksimile
eines Supplements zur Bibliographie von L’enfer, der sekretierten
Literatur der Nationalbibliothek Paris, erarbeitet und auf der Maschine
geschrieben von Gershon Legman. Der berühmte Sammler und Autor hat das Konvolut
Leonhardt mit einer Widmung geschenkt. Weitere auch für Bibliophile interessante
Beiträge und Bibliographien folgen. Das Heft macht die Bedeutung dieses
vielseitigen Mannes klar (vgl. unseren Nachruf in
Marginalien, H. 188, 2007) und
trägt zugleich viel zur Geschichte des erotischen Buches im 20. Jahrhundert bei,
meist auf sehr persönliche Weise aus eigenem Erleben der Autoren.
Wolfram Körner

Die Exlibrissammlung Dr. Axel
Leier im Stadtmuseum Cottbus. Der Cottbuser Bibliophile
und Exlibrissammler Dr. Axel Leier (1924–2006) hat um sich und seine Sammlung
nie viel Aufhebens gemacht. Der Name des Pirckheimers taucht in den
Marginalien (Heft 102, 1986) nur
einmal am Rande auf. Öfter findet man ihn in älteren Periodika des Bezirkes
Cottbus, wie der Lausitzer Rundschau, oder in Katalogen der
Pirckheimer-Gesellschaft. 1982 fand in der Bibliothek des damaligen
Bezirksmuseums Cottbus im Schloß Branitz eine Sonderausstellung mit einigen
seiner Akt-Exlibris statt. Dazu veröffentlichte die
Pirckheimer-Bezirksorganisation die Broschüre Akt-Exlibris (Cottbus
1982). Ein Jahr zuvor, ebenfalls von der Pirckheimer-Gesellschaft herausgegeben,
waren bereits Ärzte-Exlibris 1900–1930 (Dresden 1981) mit
Bucheignerzeichen von Axel Leier erschienen. Die Akt-Exlibris waren die
Lieblingskinder (nicht nur) des gebürtigen Hallensers. 2003, noch zu seinen
Lebzeiten, übergab er seine Sammlung dem Cottbuser Stadtmuseum, das sich im
weiteren erfolgreich darum bemühte, die komplette Exlibris-Bibliothek mit Hilfe
von Sponsoren zu erwerben. Zu diesem Zweck erschien in der Reihe Das Fenster
auch eine attraktive Publikation mit dem Titel Exlibris ... nicht ohne Biss!,
in der die Sammlung in thematischen Querschnitten vorgestellt wird. Inzwischen
ist diese in den Fundus des Museums integriert und annähernd erschlossen. Sie
umfaßt zirka 60 000 Exlibris in Ordnern, Spezial- und Sekundärliteratur,
Kataloge sowie Duplikate und Zeitungsausschnitte in Kartons. Die gesamte
Sammlung füllt eine Regalwand von etwa zweieinhalb mal drei Metern. In der
genannten Publikation stellt sich Axel Leier in Abschnitten wie Exlibris
eines Zahnarztes, Ein Lebensweg im Exlibris, Erotische Kunstwerke,
Sinnbilder des Lebens oder Der Musik und Literatur verpflichtet
selbst vor, schreiben andere über ihn und seine Sammlung, werden ausgewählte
Exlibris von bekannten und weniger bekannten Schöpfern aus aller Herren Länder
vorgestellt. Darunter sind natürlich so bedeutende Namen wie Oswin Volkamer,
Harry Jürgens, Heinz Planck, Gerhard Tag, Herbert Ott und Detlef Olschewski,
Pavel Hlavatý, Leonid Kuris, Jiři Bouda und Elena Antimonowa, aber auch der zu
Unrecht wohl nur wenigen Eingeweihten bekannte Graphiker und frühere Pirckheimer
Peter Müller aus Cottbus mit einem filigranen Holzstich. Der Katalog kann über
das Stadtmuseum oder den Regia-Verlag Cottbus bezogen werden. Die
bibliographischen Angaben dafür lauten: Exlibris ... nicht ohne Biss!
Exlibris aus dem Bestand des Zahnarztes und Sammlers Dr. Axel Leier.
Hrsg. Steffen Krestin. Cottbus: Stadtgeschichtliche Sammlungen / Regia Verlag
2003. (Das Fenster. Die besondere Reihe aus der Bahnhofstraße.)
Bernd-Ingo Friedrich

Die Inselbuch-Sammlung
Dr. Gerd Zimmermann. Der schlichte Titel des Vortrags erzeugte beim
Unterzeichner zunächst Skepsis: Würde der Referent etwa aufzählen, welche
Bändchen er besitzt und welche ihm noch fehlen? Doch der Vortrag bot mehr,
bewegte sich um die thematischen Schwerpunkte „Beeinflußung des Verlagsprogramms
durch Politik und Zeitgeist“ und „GestalterischeBesonderheiten“. Hier soll auf
das erste Thema nur kurz eingegangen werden, da dem interessierten Bücherfreund
geläufig ist, daß Anton Kippenberg (1874-1950), der langjährige Leiter des
Insel-Verlages, ein national-konservativer Bildungsbürger war, der eben leider
nicht nur Goethe verehrte, sondern auch dem Hurra-Patriotismus während der
Weltkriege nicht entging. Seinen jüdischen Freunden hielt er nach 1933 die
Treue, solange es irgendwie möglich war. Allgemein bekannt ist auch, daß es
zwischen 1945 und 1990 eine Ost-West-Spaltung des Verlages gab und damit zwei
Verlage, die weitgehend unabhängig voneinander in Leipzig und Frankfurt die
Insel-Bücherei fortsetzten.
Die gestalterischen Besonderheiten
interessierten die Zuhörer, unter denen sich auch einschlägige IB-Sammler
befanden, natürlich besonders, zumal der Referent hier zahlreiche Spezialitäten
aus seiner Sammlung zeigen konnte. Schon die frühesten 12 Bändchen überzeugen
durch ihre schöne gediegene Ausstattung: holzfreies Papier, Pappeinband im
Oktavformat, Buntpapierüberzug nach Vorlagen der Firma Rizzi, typographisch
gestaltetes Titelschildchen. Ab Nummer 28 wurde die Ausstattung noch durch ein
Rückenschildchen komplettiert. Nach diesem Muster ist die "Normalausgabe" bis
heute gestaltet. Der Sammler achtet natürlich auf abweichende Gestaltungen,
sowohl zum Schlichten (broschierte Ausgaben mit schlechterem Papier in den
Kriegs- und Nachkriegszeiten) als auch zum Edlen hin (Ganzleder - und
Halbledereinband mit farbigem Vorsatz in den zwanziger Jahren). Außerdem gab es
zu besonderen Anlässen oder für gute Kunden Spezialanfertigungen mit
entsprechendem Ein- oder Aufdruck, es gab Bändchen mit "Bauchbinde" und so
weiter. Als in den 1960er Jahren der Umsatz im Westen aufgrund der starken
Konkurrenz durch ansprechend gestaltete Taschenbücher zurückging, wich man vom
Altbewährten ab und schuf Bändchen, die kaum noch als IB zu erkennen sind. –
Alle angesprochenen Varianten wurden vorgezeigt, außerdem die schönsten
Mehrfarbendrucke. Den Zuhörern gingen die Augen über. Herzlicher Beifall dankte
dem Referenten.
Bernd Illigner

Der jüdische Maler und
Pressezeichner David Friedmann. Detlef Lorenz hat im
Verlag Hentrich & Hentrich ein Buch über den jüdischen Maler und Pressezeichner
David Friedmann (1893-1980) veröffentlicht. Der Berliner Bibliophilen Abend lud
ihn ein, am 16. Februar 2009 über diesen Künstler einen Vortrag zu halten,
obwohl Friedmann weder Bibliophile war noch an Büchern mitgewirkt hat. Sein
Schicksal steht aber stellvertretend für das anderer jüdisch-deutscher Künstler,
die wir nicht vergessen wollen. Friedmann wurde in Mährisch Ostrau geboren,
lernte Schildermaler und ging 1911 nach Berlin, wo er zunächst alsTheatermaler
arbeitete. 1914 war er kurzzeitig Schüler von Lovis Corinth, bevor er als
"Kriegsmaler" abkommandiert wurde. Nach Kriegsende war er erfolgreich als Maler
tätig, speziell aber als Pressezeichner für die BZ am Mittag und andere
Zeitungen. Zur Porträtierung und zur Visualisierung aktueller Anlässe war damals
die Zeichnung dem Photo hinsichtlich Ausdrucksstärke und
Übermittlungsgeschwindigkeit noch überlegen. Friedmanns Bilder und
Zeichnungsoriginale sind fast sämtlich verschollen. Der Vortragende hat aber aus
den damaligen Zeitungen Kopien anfertigen können, die von Friedmanns Talent
zeugen.
1933 verlor er diese
befriedigende Arbeit und mußte sich als Stubenmaler durchschlagen. 1937
heiratete er, 1938 wurde Tochter Mirjam geboren, und die Familie floh nach Prag.
Von dort wurde sie 1941 zunächst ins Ghetto Litzmannstadt deportiert, 1944 dann
nach Auschwitz, wo Frau und Tochter ermordet wurden. Friedmann überlebte dank
seines Talents für Porträts. Die folgenden Jahre waren von hartem Existenzkampf
gekennzeichnet. Friedmann suchte in Prag, dann in Israel Fuß zu fassen. 1954
gelang es ihm, in den USA an die frühere Tätigkeit als Theatermaler erfolgreich
wieder anzuknüpfen. Die in zweiter Ehe 1949 geborene Tochter erhielt wieder den
Namen Mirjam. Sie versucht heute, durch Nachforschung im Internet die
verschollenen Bilder ihres Vaters wiederzufinden. David Friedmann verstarb 1980
in St. Louis. – Viele Fragen an den Referenten bezeugten, daß die Zuhörer von
dem Vortrag stark beeindruckt waren.
Bernd Illigner

Ein bibliophiles Poesiealbum.
Zum Jahresende erhielten die Mitglieder des Berliner Bibliophilen Abends als
Jahresgabe 2008 ein schlicht-dezentes Büchlein, das sich als ein bewegendes
Dokument des Berliner jüdischen Geisteslebens erweist. Die Studentin an der
Hochschule für die Wissenschaft des Judentums Lili Frank legte 1909 unter dem
Titel Memorandum ein kleines Album an, in das sich viele Dozenten und
Kommilitonen der Hochschule mit Sprüchen, Zitaten und persönlichen Wünschen
handschriftlich eintrugen. Lili Franks Lebensweg endete 1943 in Auschwitz, das
Album blieb erhalten und kam in die Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum
Judaicum, wo es nun vom Direktor Hermann Simon herausgegeben und eingeleitet und
von Daniela Gauding wissenschaftlich bearbeitet und redigiert wurde. Im Verlag
Hentrich & Hentrich erschien es als Faksimiledruck mit Übersetzungen der
hebräischen Texte und Kurzbiographien mit Porträts der Beiträger. Zu ihnen
gehören neben so bedeutenden Rabbinern und Professoren wie Ismar Elbogen, Leo
Baeck, Zugen Täubler oder Arthur Spanier auch wenig bekannte damalige Studenten.
Der letzte Eintrag ist von 1929. Exil oder Vernichtung im Lager hieß die
Alternative für fast alle, die das Jahr 1933 erlebten. Durch ihren Eintrag in
dies private Album haben sie sich dank dieser, wenn auch limitierten,
Veröffentlichung selbst ein Denkmal gesetzt. Dank sei allen Beteiligten dieser
nicht wenig Aufwand fordernden Gabe, so auch der Brandenburgischen
Universitätsdruckerei und Verlagsgesellschaft Potsdam. Interessenten können beim
BBA (c/o Uwe Domke,
Pertisauer Weg 48-50, 12209 Berlin, E-Mail:
domlibri@web.de)
ein Exemplar zum Preis von 39 Euro erwerben.
Konrad Hawlitzki

Neue illustrierte Bücher von Dieter
Goltzsche, getrüffelt mit Aquarellierung. Der
Berliner Maler und Graphiker Dieter Goltzsche illustriert seit Jahrzehnten
Bücher. Schon 1973 versah er Zaubersprüche, eines der Hauptwerke von Sarah
Kirsch, mit Zeichnungen. Im vergangenen Jahr erschien wiederum ein Buch von
Sarah Kirsch mit Illustrationen von Goltzsche:
Sommerhütchen. Göttingen: Steidl Verlag, 2008.
159 S. Halbleinen. 18 Euro. ISBN: 3-86521777-X. Ein heiter-melancholisches
Tagebuch eines Sommers, den Sarah Kirsch wie eh und je in ihrem Haus an der
Nordsee verbrachte. Es ist ein Buch vom Leben in Garten und norddeutscher
Landschaft. Dieter Goltzsche hat dazu 23 schöne Zeichnungen gestellt, Garten-
und Landschaftstücke sowie Genrehaftes mit der Dichterin vor Wanduhr, mit Katze,
am Laptop, beim Spaziergehen und so weiter.
Das fast gleichzeitig
erschienene zweite illustrierte Buch stammt von dem jüngeren Lyriker Ralf Meyer
(Jg. 1970) – ein Zyklus erotischer Gedichte: Wiederstedter Elegien. Pappband mit
Deckelillustration. Halle/S.: Mitteldeutscher Verlag, 2008. 80
S. 16 Euro. ISBN 978-3-89812-581-9. Der Titel spielt auf Goethes berühmte
Römische Elegien an. Inspiriert ist das Buch aber vor allem von Novalis,
der in Wiederstedt seine Kindheit verbrachte. Im Wiederstedter Park entwickelt
sich ein Liebesverhältnis, das delikaterweise nur solange anhält, wie das
lyrische Ich die Geliebte zu besingen weiß. Goltzsche hat dazu eine Vielzahl von
Aktstudien, Stilleben und sparsam angedeuteten Parkszenerien gezeichnet.
Für Freunde des schönen Buches
bietet Prof. Dieter Goltzsche (Scharnweberstraße 55, 12587 Berlin) beide Bücher
in Vorzugsvariante an: Sarah Kirsch mit aufwendiger Aquarellierung des
Frontispizes zum Preis von 90 Euro und Meyer mit farbiger Einzeichnung für 45
Euro (jeweils zuzüglich Versandkosten). – Dieter Goltzsche begeht in diesem Jahr
seinen 75. Geburtstag. Unter mehreren Ausstellungen ist der Überblick über
Arbeiten zur Literatur im Tucholsky Museum Rheinsberg hervorzuheben. Näheres
findet sich unter:
www.tucholsky-museum.de.
Die italienischen Zeichnungen in
Weimar. In gleicher Ausstattung wie der Katalog zu den
deutschen Zeichnungen aus dem Kupferstichkabinett der Hamburger Kunsthalle von
Peter Prange (2 Bände, Böhlau Verlag, 2007, vgl.
Marginalien, H. 191, 2008, S.
86-87) erschien jetzt ein Verzeichnis des Gesamtbestandes der italienischen
Zeichnungen vom 15. bis zum 19. Jahrhundert, der sich in der Klassik Stiftung
Weimar befindet: Ursula Verena Fischer Pace, Die italienischen Zeichnungen.
Band 1: Bestandskatalog. Ehemalige Großherzogliche und Staatliche Sammlung.
Köln, Weimar und Wien: Böhlau Verlag, 2008. VIII, 450 S. Pp. 4°
Abb. (= Klassik Stiftung Weimar. Graphische Sammlungen.) 120 Euro. ISBN
978-3-412-20049-7. Für den Aufbau der für den großherzoglichen Hof
angelegten Sammlung waren in der Frühzeit Johann Wolfgang Goethe und Johann
Heinrich Meyer (1760-1832) verantwortlich. Unter den nachfolgenden
Sammlungsleitern wurde der Bestand durch großzügige Stiftungen und bedeutende
Erwerbungen vermehrt, so durch die Schenkung der Privatgelehrten Sibylle Mertens
Schaaffhausen (1797-1857) und das Vermächtnis des Musikschriftstellers Friedrich
Rochlitz (1769-1842). Zu den Kustoden zählte auch Carl Ruland (1834-1907, Leiter
von 1870-1906), der durch seine vorherige Tätigkeit als Bibliothekar des
Prinzgemahls Albert von Sachsen-Coburg-Gotha auf Schloß Windsor enge Kontakte zu
den englischen Sammlern und Kunsthändlern knüpfte. Während seiner Amtszeit
kamen einige der kostbarsten Zeichnungen nach Weimar. Der Band enthält ein
Vorwort, eine Einführung, 54 Farbtafeln, den Katalog mit einer Beschreibung der
997 Exemplare sowie einen Anhang (Literaturverzeichnis, Konkordanz der
Zuschreibungen, Verzeichnis der Künstler). Der Katalog ist nach dem Alphabet der
Künstlernamen geordnet. Die Beschreibung der einzelnen Stücke ist umfassend, so
wurden beispielsweise die Zeichenmaterialien angegeben, die Provenienz
verzeichnet, die Inventarnummern aufgeführt und der technische Befund der
Zeichnungen aufgenommen. Im Katalog finden sich unter anderem Zeichnungen von
Giuseppe Bossi, Leonardo da Vinci, Carlo Maratti, Raffael und Giulio Romano. Der
Einband ist in Weiß gehalten (mit einer Zeichnung von Giuseppe Cesari) und das
Vorsatz in Hellblau. Der in Rom ansässigen Autorin Ursula Verena Fischer Pace
und dem Böhlau Verlag ist für diesen großartigen Katalog sehr zu danken. 2008
und 2009 wurden für drei Monate 55 kostbare Blätter dieses Kunstschatzes in der
Casa di Goethe, dem römischen Domizil Goethes, heute Deutschlands einzigem
Museum im Ausland, gezeigt. Auf den demnächst erscheinenden zweiten Band mit der
Verzeichnung des Bestandes italienischer Zeichnungen aus der Sammlung Goethes
darf man gespannt sein.
Dieter
Schmidmaier

Friedlaender/Mynona finanziert postum
seine Werkausgabe.
Der Berliner Philosoph und Satiriker, Kantianer und Kulturkritiker Salomo
Friedlaender/Mynona (1871-1946) wird wieder entdeckt. Von Zeitgenossen wie Georg
Simmel, Walter Benjamin, Hugo Dingler, Kurt Hiller oder Alfred Kubin hoch
geschätzt, war er nach 1933 im Pariser Exil in eine unverdiente Vergessenheit
geraten. Abenteuerlich war die Auffindung seiner Manuskripte und Korrespondenz.
Die zur Zeit veranstalteten Gesammelten Schriften umfassen alles zu
Lebzeiten Gedruckte sowie den umfangreichen unveröffentlichten Nachlaß. Die auf
30 Bände angelegte kommentierte Ausgabe erscheint in Privatinitiative von
Hartmut Geerken, in Zusammenarbeit mit Detlef Thiel und der
Kant-Forschungsstelle der Universität Trier. Seit 2005 liegen bisher acht Bände
vor, das Projekt soll im Laufe der nächsten vier Jahre zum Abschluß kommen.
Ermöglicht wird die Edition durch den Verkauf des Nachlasses an das Archiv der
Akademie der Künste, Berlin. Es dürfte einmalig sein, daß ein zu Lebzeiten
bettelarmer Autor seine Werkausgabe posthum selbst finanziert. Weitere
Informationen finden sich unter www.hartmutgeerken.de.

Türkische Bibliothek. 2007 erschien der
letzte Band der von Hans-Dieter Zimmermann, der Deutschen Verlags-Anstalt und
der Robert Bosch Stiftung initiierten Reihe Die Tschechische Bibliothek in 33
Bänden (Marginalien, H. 188,
2007, S. 109-110). Eine weitere landestypische Sammlung haben die Robert Bosch
Stiftung, der Züricher Unionsverlag und die Herausgeber Erika Glassen und Jens
Peter Laut 2005 mit der Publikationsreihe Türkische Bibliothek ins Leben
gerufen. Diese Bibliothek präsentiert in insgesamt 20 Bänden Meilensteine der
türkischen Literatur von 1900 bis in die unmittelbare Gegenwart. Das
Schwergewicht liegt auf Autorinnen und Autoren, deren Werke trotz ihrer
Bedeutung bislang noch nicht in deutscher Sprache erschienen sind. Zur Reihe
gehören unter anderem Romane der klassischen Moderne, darunter das 1900
erschienene Sippengemälde Verbotene Lieben von Halid Ziya Uşaklıgil und
das 1949 erschienene Kultbuch Seelenfrieden von Ahmet Hamdi Tanpınar, die
Memoiren der Frauenrechtlerin und Mitstreiterin Mustafa Kemals Halide
Edib Adıvar, Kurzgeschichten und Romane der jüngsten Generation wie das
Erstlingswerk Zorn von Murat Uyurkulak (2002) sowie sechs Anthologien.
Jeder Band enthält zusätzlich ein Nachwort, ein Verzeichnis mit Worterklärungen
und biographische Hinweise auf die Autoren. Die Reihe ist ein lohnendes
Sammelobjekt für Bücherfreunde. Bis Ende Juni zeigt die Stiftung Lesen im
Zentrum Moderner Orient Berlin (Kirchweg 33 in Berlin-Nikolassee) eine
Wanderausstellung, die neben den Büchern einen Einblick in die türkische
Literaturgeschichte sowie Leben und Werk der jeweiligen Autoren gibt. Die
Stiftung Lesen und die Robert Bosch Stiftung haben zwei interessante Broschüren
herausgegeben, eine widmet sich der türkischen Literatur in der Schule in
Analogie zu den Themen in der Türkischen Bibliothek, die andere ist als
Begleitheft zur Ausstellung gedacht. Weitere Informationen zum Vorhaben und zur
Ausstellung unter
www.zmo.de
und
www.tuerkische-bibliothek.de.
Dieter Schmidmaier

Antiquariatskatalog mit einer Bibliographie der Büchergilde Gutenberg. Antiquariatskataloge werden in den
Marginalien eher nicht rezensiert, doch Antiquariatskataloge enthalten
nicht nur wahre Schätze, manche Kataloge, wie der folgende, sind selbst ein
Schatz: Katalog 155. Das 20. Jahrhundert. Bibliographie der Büchergilde
Gutenberg. Aus dem Nachlaß von Rolf Schott. Schriesheim: Verlag und Antiquariat
Frank Albrecht, 2009. 52 S., 152 Abb. Br. 8°.
Schutzgebühr 5 Euro. Mit ihm liegt endlich eine vollständige Bibliographie
der Büchergilde Gutenberg bis 1933 vor, eine längst überfällige Arbeit, die
unser Mitglied, der Antiquar und Verleger Frank Albrecht, geleistet hat. Wie
sehr Sammler auf diese Bibliographie gewartet haben, zeigt sich daran, daß
bereits wenige Stunden nach Veröffentlichung eines Hinweises auf den Katalog auf
der Internetseite der Pirckheimer-Gesellschaft dazu Nachfragen eintrafen.
Die Bibliographie wird für
manchen Sammler Anlaß sein, sich wieder einmal näher mit der verdienstvollen
Büchergilde Gutenberg zu beschäftigen, die in verlegerisch und buchkünstlerisch
anspruchsvollen Ausgaben, teilweise Erstausgaben, Autoren wie Jack London, B.
Traven oder Martin Andersen Nexö für Leser der unteren Bevölkerungsschichten
bereitstellte. Sie enthält wertvolle Hinweise auf ungenaue Angaben zu
Erscheinungsjahr und Auflage einzelner Ausgaben, auch wenn mitunter ungeklärt
bleiben muß, ob es sich bei bestimmten Varianten eines Buches um eine Neuauflage
oder lediglich um eine neue Bindequote handelt. Besonders verdienstvoll sind
zahlreiche Hinweise auf Varianten, die bislang in einschlägigen Darstellungen,
wie Britta Friedsam, Das illustrierte
literarische Gebrauchsbuch bei der Büchergilde Gutenberg (2008.
http://www.buchwiss.uni-erlangen.de/AllesBuch/Friedsam/Friedsam.pdf)
oder Bernadette Scholl, Die
Büchergilde Gutenberg 1924-1933 (in: Buchhandelsgeschichte 1983, Nr.
3), noch nicht katalogisiert sind.
Der Katalog 155 enthält nicht
nur die Bibliographie, sondern neben einem Angebot lieferbarer Titel der
Büchergilde auch Bücher aus dem Nachlaß des Künstlers und Schriftstellers Rolf
Schott. Damit führt Frank Albrecht eine Reihe von Katalogen fort, die sich mit
Einbandgestaltung des 20. Jahrhunderts, Georg Salter, der Reihe Der jüngste
Tag, russischer Avantgarde und anderen interessanten Themen beschäftigen.
Die Kataloge und damit auch die Bibliographie der Büchergilde Gutenberg sind
nicht nur gedruckt erhältlich, sondern kostenlos online (http://www.antiquariat.com/kat155.pdf)
abrufbar, die Bibliographie ist online sogar mit Farbabbildungen versehen,
während die Printausgabe nur in Schwarzweiß gedruckt ist. Der Autor hat als
langjähriger Sammler, Liebhaber der Büchergilde Gutenberg und Antiquar gründlich
und gewissenhaft recherchiert, dennoch wird es für den Sammler eine
Herausforderung sein, eine nicht in diesem Katalog beschriebene Ausgabe zu
finden und sie dem Bibliographen zu präsentieren. Mit dem ersten Fundstück wäre
eine zweite Ausgabe der Bibliographie begonnen, die eventuell nicht nur als
Bestandteil eines Antiquariatskatalogs erscheint.
Abel Doering

Opulentes Buchobjekt zum 60.
Geburtstag von Wolfgang Windhausen. Wolfgang
Windhausen, Lyriker, Menschenrechtsaktivist und Freund von Buch und Kunst,
publizierte rechtzeitig zu seinem 60. Geburtstag am 4. April 2009 die fünfte und
letzte Ausgabe einer Folge von Büchern mit Gedichten von ihm selbst und mit
Graphiken und Zeichnungen von befreundeten Künstlern: Wolfgang Windhausen:
Nichts ist allein. Edition Wort und Bild 2009. Das Buch in einer Auflage von
25 Exemplaren hat wie die vorherigen Ausgaben einen Einband, der mit einem vom
Stock gedruckten Holzschnitt von HD Gölzenleuchter überzogen ist. Neben einem
Originalfoto von Harald Hauswald enthält das Buch zwölf weitere Originalblätter,
so von H D Gölzenleuchter eine Radierung, von Ulrich Hollmann einen
handkolorierten „Geburtstagselefanten“, von Gerda Lepke einen Siebdruck, von
Harald Metzkes einen Holzschnitt, von Ronald Paris einen handkolorierten Druck,
von Alfred Pohl einen Holzschnitt, von Volkmar Schulz Rumpold eine farbige
Zeichnung, von Jörg Seifert zwei Holzschnitte, von Hans Vent eine handkolorierte
Radierung, von Kay Voigtmann eine handkolorierte Radierung und von Louvada Yang
einen Linolschnitt auf Reispapier mit Silberblattauflage. Mehrere Künstler
nehmen auf Windhausens Jubiläum und auf sein Wirken für die Menschenrechte
Bezug. Im Anhang finden sich weitere, teils handschriftliche Geburtstagsgrüße
von Freunden und Mitstreitern, wie den Schriftstellern und Freunden vom PEN
Katja Behrends und Guntram Vesper, dem Bücherpastor Martin Weskott und der
Leipziger Graphikerin Ursula Mattheuer-Neustädt. Der Band kostet 260 Euro und
kann nur beim Autor selbst bezogen werden:
Wolfg1Windhausen@aol.com.
Eine Rarität nicht nur für
Kunert-Sammler. Echos sollte ein Gedichtband von
Günter Kunert heißen, den der Aufbau-Verlag 1958 als Nummer 9 in seiner neu
eingerichteten Publikationsfolge für junge Autoren mit dem anspruchsvollen Namen
Die Reihe vorbereitete. Das Projekt wurde auf Einspruch der vorgesetzten
Zensurbehörde im Kulturministerium erst gestoppt, als der Umbruch schon
hergestellt war. Anstoß erregten neben dem allgemeinen Thema der Vergänglichkeit
vor allem zwei Goya-Gedichte, die von unverkennbarer Aktualität waren: „Unser
Genosse, der gewissenhaft kämpfende, ist / Er gesichert gegen Versteinerung und
den / Tod zu Lebzeiten?“ Außer im Verlagsarchiv überdauerten einige Exemplare
des Umbruchs im Besitz von Autor und Lektoren. Zum 80. Geburtstag von Günter
Kunert hat der Pirckheimer-Freund und Kunert-Sammler Jürgen Müller das
Manuskript aus dem Orkus geholt und im gleichen Layout wie die Reihe, versehen
mit einem Nachwort und der Abbildung zweier Caprichos von Goya zum Druck
befördert. Kunert schrieb dazu die Vorbemerkung Tödliches Echo, in der er
sich an den seinerzeitigen Zensurvorgang erinnert. „Von diesen Gedichten aus bin
ich in meinem Schreiben weitergegangen; ich kann sagen, ich habe mich wie
Münchhausen, nur als ehrlicher Mensch, am eignen Zopf meiner literarischen
Tätigkeit, aus dem Sumpf des ‚Arbeiter- und Bauernstaates‘ gezogen“. Viele
Gedichte aus dem Manuskript wurden von Kunert bis heute nicht in andere Bände
aufgenommen. Der Privatdruck ist in einer kleinen Auflage erschienen und kann
zum Preis von 12 Euro zuzüglich Versandkosten nur beim Herausgeber Jürgen Müller
(Obere Dorfstraße 69, 02747 Großhennersdorf) bestellt werden.

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