Redaktionsschluss 6. Januar 2009

Kinderwelten. Internationale Kinderbuchausstellung in Offenbach
HAP Grieshabers 100. in Halle
Das 19. Berliner Exlibris-Treffen
Schätze aus dem Nachlaß des Antiquars Martin Breslauer
Frühlingsgeschichten von Horst Hussel
Gerhard Altenbourg und Lothar Lang
Matthias Gubig widmet seinen 6. Spätdruck Giordano Bruno
Schnitzler in der Bibliothek SG.
Bibliothek im Deutschen Schiffahrtsmuseum in Bremerhaven
Der Wolfenbütteler Porträtkatalog
Neue Forschungsallianz zur Erhaltung des kulturellen Erbes
Horst Kunzes Bibliothek
 

 

 

 

Kinderwelten. Internationale Kinderbuchausstellung in Offenbach. Wie in jedem Jahr um diese Zeit zeigte das Klingspor-Museum in Offenbach vom 28. November 2008 bis zum 8. Februar 2009 Kinderbücher aus aller Welt, diesmal zum 53. Mal. Nicht nur an Buchkunst interessierte „Sehleute“ kamen auf ihre Kosten, sondern auch die „Leseratten“, denn ein Teil der Bücher war auf Lesetischen ausgelegt und lud zum Schmökern ein. Für Kinder wurden mehrere Animationsprogramme angeboten. Über 50 Verlage aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie weitere aus Australien, Frankreich, Italien, Japan, Kanada, Norwegen und Rußland zeigten ihre neuesten Bilderbücher und Kinderliteratur.

Die Bändchen waren nach Themen sortiert in Vitrinen ausgelegt. Oft mußte man bedauern, nicht blättern zu können – so reizvoll einladend konnten Bebilderung und Typographie sein. Daher war es versöhnlich stimmend, wenigstens einige bemerkenswerte Objekte am Schmökertisch in die Hand nehmen zu können. Da war zum Beispiel Jahrhundert einer Ratte (minedition) mit dem Blick einer Ratte auf die Weltgeschichte und Das schwarze Buch der Farben (S. Fischer, Reihe Schatzinsel), welches mittels Prägungen und Blindenschrift die Sinne eines Kindes zu sensibilisieren vermag. Das Buch vom Angsthaben (Patmos) und Haie und andere Meeresräuber (Oetinger) sind kinderpsychologisch beziehungsweise pädagogisch wertvolle Bücher, die nicht nur Kindern helfen. Mehrere Kinderbücher beschäftigen sich mit dem Verhältnis von Kindern zur Großelterngeneration, so Als Oma seltsam wurde (Moritz) und Meine Oma hat Alzheimer (Brunnen).

Im Eingangsbereich des Museums wurde mit mehreren ausgestellten Titeln des ehemals berühmten Bilderbuchillustrators Fritz Baumgarten (1883–1966) gedacht. Zwischen 1920 und 1960 waren etwa 500 von ihm mitgestaltete Bücher erschienen, wovon einige heute noch lieferbar sind. In einem Nebenraum zeigten Schüler von fünften Klassen der Offenbacher Geschwister-Scholl-Schule eigene Märchenillustrationen, wobei manch ein künstlerisches Talent sich andeutete. Gleichzeitig wurde im Obergeschoß des Klingspor-Museums eine Sonderausstellung zum großartigen Werk von Gerhard Oberländer (1907–1995) gezeigt. In den Originalzeichnungen, Kugelschreiberskizzen und Aquarellen, vor allem aus den dreißiger und vierziger Jahren, erweist sich die Meisterschaft des Künstlers, der sich vor allem als Illustrator bleibendes Ansehen erwarb.

Ferdinand Puhe

HAP Grieshabers 100. in Halle. Der Hallesche Kunstverein erinnert mit der Ausstellung In Holz geschnitten ... Hommage à HAP Grieshaber in der Kunstvereinsgalerie der Oper Halle vom 28. März bis 10. Mai 2009 (Eröffnung am Sonnabend, dem 28. März 2009, 17 Uhr) an den für den Holzschnitt der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und darüber hinaus maßgebenden engagierten Künstler, der auch besonders den Pirckheimern sehr verbunden war. HAP Grieshaber wurde am 15. Februar 1909 in Rot an der Rot (Oberschwaben) geboren und starb am 12. Mai 1981 auf der Achalm bei Reutlingen. - Gezeigt werden Holzschnitte von heute im wesentlichen in Halle tätigen Graphikern, Malern und Bildhauern. Zugleich gibt der Hallesche Kunstverein aus Anlaß des Jubiläums unter dem gleichen Titel wie die Ausstellung eine Mappe mit acht originalen Holzschnitten (davon vier vier Farbholzschnitten) der an der Ausstellung beteiligten Künstler heraus: Franka Bartholomäi, Günter Giseke, Bernd Göbel, Christoph Meißner, Rolf Müller, Dietmar Petzold, Uwe Pfeifer, Frank Wahle. Das Mappenformat beträgt zirka 34 mal 23 Zentimeter (Hochformat), die Auflage 30 arabisch numerierte Exemplare (plus 10 römisch numerierte Exemplare für Künstler und Autoren und 5 als e.a. ausgewiesene Künstlerexemplare). Interessierte können die Mappe zum Preis von 265 Euro (zuzüglich Verpackung und Porto) bestellen bei: Dr. Hans-Georg Sehrt, Schleiermacherstraße 12, 06114 Halle (Saale). Außerdem ist in Abhängigkeit von den zur Verfügung stehenden Mitteln ein Katalog zur Ausstellung vorgesehen.

Hans-Georg Sehrt

Das 19. Berliner Exlibris-Treffen. Am 1. November 2008 fand, wieder im Nachbarschaftszentrum RUDI in Friedrichshain-Kreuzberg, ein gelungenes jährliches Treffen der Berliner Exlibrisfreunde mit ihren Gästen statt. Es waren zeitweise an die 60 Teilnehmer anwesend, fast zuviel für die vorhandenen Räume. Die Gäste kamen nicht nur aus Berlin, sondern aus der ganzen Bundesrepublik und sogar aus der Schweiz, aus Prag der Präsident der dortigen Exlibrisgesellschaft Dr. Vratislav Janda, aus St. Petersburg der Künstler Vladimir Vereschagin sowie die beiden "Stammgäste" aus Dänemark Klaus Rödel und Helge Larsen. Einige Besucher waren durch Presseveröffentlichungen angelockt worden. Neben eifrigem Tausch wurden bei Kaffee und Wein viele Gespräche geführt.

Die Hauptattraktion war die Ausstellung von Werken der aus Leipzig angereisten Graphiker Renate und Egbert Herfurth. In 20 Rahmen waren alle 100 Exlibris und weitere Graphiken von Egbert Herfurth zu sehen, zum größten Teil aus der Sammlung Claus P. Mader zusammengestellt. Die mit Witz, Humor und Hintersinn geschaffenen meist kolorierten Blätter machten deutlich, daß Egbert Herfurth zu den ganz Großen auf diesem Gebiet zählt. In weiteren 20 Rahmen zeigte aus ihrem Besitz Renate Herfurth ihre meist lustigen graphischen Blätter und auch bei Wettbewerben ausgezeichnete Plakate. Die Ausstellung wird weiter nach Schloss Burgk gehen, dort noch bereichert durch illustrierte Bücher von Egbert Herfurth. Einführende Worte zu den Künstlern und der Ausstellung trug launig Claus P. Mader vor. Den Vortrag und eine kurze Ausstellungsliste legte er in einer kleinen Broschüre vor. Auf die Einladung, das Poster und das Titelblatt wurden Holzschnitte gedruckt, auf denen sich das Ehepaar gegenseitig porträtiert hat. 2009 wird es am ersten Novembersamstag das 20. "bet" geben. Die Vorbereitungen haben begonnen.

Wolfram Körner

 

Schätze aus dem Nachlaß des Antiquars Martin Breslauer. Martin Breslauer (1871-1940) bereitete sich von Jugend an systematisch auf den Beruf des Antiquars vor. Nach dem Abitur und einigen Semestern Germanistik lernte er das Metier in den führenden Antiquariaten in Italien, Frankreich und England. Die erworbenen profunden Kenntnisse zeigte er damals schon bei der Erstellung von Katalogen, die ihn bei gelehrten Sammlern bekannt machten. 1898 gründete er zusammen mit seinem Schulfreund Edmund Meyer eine Sortiments- und Antiquariatsbuchhandlung in Berlin in der Leipziger Straße. 1904 trennten sie sich einvernehmlich, Breslauer führte das Antiquariat Unter den Linden weiter, das dann (mit wechselnden Standorten in Berlin) bis 1933 zu einer der führenden Firmen Deutschlands aufstieg. 1929 glückte ihm ein sensationeller Erfolg: die Auffindung der kostbaren Bibliothek von Marie Louise, der zweiten Gattin Napoleons, in einem verstaubten Wiener Palais.

In allen bibliophilen Gesellschaften (natürlich auch im BBA) war er aktives und spendenfreudiges Mitglied. Zum 60. Geburtstag gratulierten Sammler und Geistesgrößen aus aller Welt, aber wenige Jahre später trieb der braune Ungeist den jüdischen Grandseigneur in die Emigration nach London. Seine großartige Handbibliothek wurde zum Großteil von dem Schweizer Sammler Martin Bodmer erworben, die Ausfuhr des verbleibenden Teils gelang durch die listige Hilfe seiner Freunde Hans Fürstenberg und Fritz Homeyer. Auch in England war Breslauer erfolgreich, bis 1940 nach einem Bombenangriff ein Herzanfall seinem Leben ein Ende setzte.

Dieser exemplarische Lebenslauf wurde uns von der Referentin mit Hilfe zahlreicher Dokumente, die der Staatsbibliothek zu Berlin von Breslauers Sohn Bernd Breslauer übergeben wurden, recht anschaulich gemacht. Wir sahen seine Lehrzeugnisse, seinen Geschäftsgründungsvertrag, sein Soldbuch (Militärzeit 1915-1918), seine Geschäftsbücher und die kunstvolle Kassette mit den Glückwunschadressen zum 60. (mit Originalschreiben von Stefan Zweig, Paul Hirsch, Fritz Milkau und sogar von der Chansonette Yvette Guilbert).

Der Abend wurde abgerundet durch einen Hinweis von Kaspar Nürnberg (Verein Aktives Museum) auf die Ausstellung Verraten und verkauft, die im Foyer der Humboldt-Universität vom 24. 10. bis 29. 11. 2008 exemplarisch das Schicksal von zwölf kleineren und mittleren jüdischen Unternehmen (u.a. auch dem Antiquariat Breslauer) während des Nationalsozialismus aufzeigte. Die zahlreich erschienenen BBA-Mitglieder und Gäste dankten Dr. Jutta Weber für die beeindruckende Veranstaltung.

Bernd Illigner

Frühlingsgeschichten von Horst Hussel. Wenn man dieses herrliche Buch durchgelesen hat, ist nichts mehr so, wie es vorher war. Einem solchen Ansturm von überbordenden Einfällen und grenzenloser Phantasie ist ein geordneter menschlicher Durchschnittsstandpunkt nicht gewachsen. Horst Hussel entführt den Leser in 13 kurzen Geschichten in eine bunte, prall-lebendige Welt, die von Franz, der Hauptperson, vielleicht seinem Alter ego, mit traumwandlerischer Sicherheit durchschritten wird – man möchte sagen, mit einer Berliner Nüchternheit, die durch nichts aus der Ruhe zu bringen ist. Denn der Text birst geradezu von skurrilen Ideen, Wortspielen, Bildungssplittern, Assoziationen etc. So finden wir Franz in immer neuen, phantastischen Situationen, meistens auf der Suche nach Frauen, selten auf der Flucht vor ihnen. Manchmal zieht es ihn auch ans Meer oder in einen Wald. Immer scheint er eine schöne, eine frühlingshafte Welt und gute Menschen zu erleben. Mit Shakespeare (Miranda im Sturm V,1) möchte man ausrufen: „O, wonder! How many goodly creatures are there here! How beauteous mankind is! O brave new world, That has such people in’t!“

Fünf ganzseitige Originalradierungen mit den für Horst Hussel typischen Linienornamenten sind in den Text eingestreut, jede vom Künstler mit zarten Pinselstrichen handkoloriert und einzeln signiert. Auf allen sehen wir Gesichter, Körper, Leben. Sie tragen einen großen Anteil von der faszinierenden Wirkung des Textes. Format, Typographie und Layout, ebenso wie Einband und Papier, alles ist mustergültig. Ein jeder kann gelungene Einzelheiten finden und genießen, wie die Farbe des Rückentitels des Halblederbandes, die sich in der Deckelschrift wiederholt und ähnliches. O glücklicher Berliner Bibliophilen Abend, der solche Jahresgaben verteilen kann – vielleicht deshalb, weil die Gesamtgestaltung der Schatzmeister in eigener Person zu verantworten hatte.

Die Auflage ist begrenzt auf 100 Exemplare. Das Buch kostet 290 Euro, die Vorzugsausgabe mit einer zusätzlichen Originalkaltnadelradierung 360 Euro (nur noch wenige Exemplare vorhanden). Bestellung an Uwe Domke, Pertisauer Weg 48-50, 12209 Berlin, E-Mail: domlibri@web.de.

Arnulf Backe

Gerhard Altenbourg und Lothar Lang verband eine über mehrere Jahrzehnte, bis zu Altenbourgs frühem Tode währende künstlerische und menschliche Beziehung. Höhepunkte waren stets die gegenseitigen Besuche in Freienbrink, auf Schloß Burgk oder in der Braugartenstraße in Altenburg, anregend und bereichernd für beide Partner gleichermaßen. Beim Gedankenaustausch über Literatur, Kunst und die irren Weltenläufe, beim gemeinsamen Schauen auf des Künstlers neue oder neuerworbene Blätter nahmen auch Projekte wie Langs Mappen der Kabinettpresse Gestalt an, sollte doch in diesen auch Altenbourgs Beitrag nicht fehlen. Überdies konnte man bei jenen Begegnungen über alles frei sprechen, bei Telefonaten und Briefen hingegen waren Mithörer beziehungsweise -leser nicht auszuschließen. Trotz der folglich gebotenen und gelegentlich geübten Zurückhaltung liefert der kürzlich veröffentlichte Briefwechsel zwischen Altenbourg und Lang aufschlußreiche Einblicke in Altenbourgs künstlerisches Selbstverständnis und Langs kunstphilosophisches Denken sowie in beider Urteile über Künstler und die damaligen kulturpolitischen Verhältnisse: Gerhard Altenbourg / Lothar Lang: Briefwechsel 1965 – 1988. Hrsg. v. Christa Grimm. Bearb. u. kommentiert v. Katrin Roth. Leipzig: Lehmstedt Verlag, 2008. 198 (2) S., 16 Tfl., Pp. ISBN 978-3-937146-60-7. 29,90 €. Zu den mehr als 150 sorgfältig kommentierten Briefen sowie einigen Aufzeichnungen des Künstlers hat die Herausgegeberin Christa Grimm weitere Texte Lothar Langs über Altenbourg gestellt, die, bislang in Katalogen oder Faltblättern schwer auffindbar oder nur gekürzt veröffentlicht, nun wieder leicht verfügbar sind und die Betrachtungen im Briefwechsel fortsetzen und vertiefen. Überdies enthält die Ausgabe Reproduktionen der acht Holzschnitte und sechs Lithographien Altenbourgs aus der Bobrowski-Mappe Über dem Strom ein Gezweig, einem der Hauptwerke des Künstlers, das damit erstmals einem breiteren Publikum zugängig gemacht wird.

Am 8. Dezember 2008 hatte der Verleger Mark Lehmstedt zur Buchpremiere ins Leipziger „Haus des Buches“ geladen, und die Freunde Altenbourgs und Langs waren aus nah und fern angereist, auch des Künstlers Schwester Anneliese Ströch, die das Entstehen des Bandes mit befördert hat. Die Herausgeberin Christa Grimm gab eine sehr persönliche Einführung in die Edition, ist sie doch als unmittelbare Nachbarin Altenbourgs einerseits und als Schülerin Lothar Langs andererseits mit Personen, Anschauungen und Verhältnissen bestens vertraut. Zur Freude der Anwesenden hatte auch Lothar Lang die für ihn beschwerliche Reise nach Leipzig nicht gescheut und konnte an Hand seiner Tagebuchnotizen noch manch Interessantes über seine Begegnungen und Gespräche mit Altenbourg hinzufügen.

H. K.

Matthias Gubig widmet seinen 6. Spätdruck Giordano Bruno. Schwarz wie die Nacht ist der Schuber und hell wie ein Lichtstreifen am Horizont der schmale gelbe Buchrücken – ein Spätdruck mit frühem Text Vom unendlichen All und den Welten. Der Text verboten, der Autor verbrannt: Giordano Bruno (1548-1600), exkommunizierter Dominikaner auf der Flucht vor der Inquisition und der Suche nach einem Lehrstuhl, veröffentlichte 1584 in London eine Schrift über Gott und die Welt, auf die sich später Spinoza und Leibniz bezogen. Matthias Gubig fand den Text in einer Ausgabe des 1904 im Verlag Eugen Diederichs Jena von Ludwig Kuhlenbeck herausgegebenen Werkes. Er beschränkte sich auf die Wiedergabe des Ersten Dialogs, den er in einem schmalen Hochformat mit edlem Pappeinband und Graphik auf tiefblauem Fond präsentiert. Quittegelb die Rückenleiste und das Titeletikett, wie eine Fahrkarte ins All. Bildhafter Einstieg in ein magisches Astrolabium mit kopernikanischem Weltbild, wirksam durchkreuzt vom Diktat der römischen Kirche, die zwar nach 400 Jahren die Hinrichtung Giordano Brunos für Unrecht erklärte, ihn aber wegen seiner pantheistischen Lehre nicht vollständig rehabilitierte. Seine Schriften waren bis zur Abschaffung des Index 1966 verboten.

Diesen Text, der seine naturphilosophische Lehre kennzeichnet, holte Matthias Gubig nun aus der Vergessenheit zurück, ließ ihn von Harald Weller auf einer Linotype setzen, druckte ihn mit seiner Andruckpresse auf Büttenpapier und fünf illustrative Acrylschnitte, kombiniert mit ebenfalls fünf Linoldruckformen, auf China-Papier in einer einmaligen Auflage von 33 Exemplaren. Die Handeinbände fertigte Michael Knop. Dunkel der Einband, schwarz das Vorsatzpapier. Vorsätzlich schwarz wie das All, in dem Bruno die göttliche Einheit von Materie und Dunkelheit als Ursprung der Natur sah und die aristotelische Auffassung von der Zweigeteilheit der Welt, der Trennung in Himmel und Erde, dem irdischen Sein und dem Reich Gottes zerbrach. Die Existenz dieser Welt schloß die Möglichkeit weiterer Welten im Universum ein. Die unendliche Geschichte von der unvorstellbaren Unendlichkeit des Alls bewegt Menschen seit Menschengedenken bis heute. Raketen tragen Sonden ins All, um den Kosmos zu erforschen und nach fernen Welten oder intelligenten Wesen zu suchen. Sein oder Nichtsein?

»Wie sollte es möglich sein, daß das All unendlich wäre?« So beginnt der Dialog, der eigentlich ein Quadrolog ist, ein Frage-und-Antwortspiel zu viert. Vier unterschiedliche Charaktere ringen um Wahrheit und Erkenntnis. Matthias Gubig gibt mit schlichtem Haupttitel seine Gestaltungselemente vor, die sich in wohlproportionierten Kolumnen in den Doppelseiten spiegeln, begleitet von kraftvollen silhouettenhaften Figurationen, die er in Linoleum und Acryl schnitt. Auf zart durchscheinendem China-Papier ergeben sich reizvolle Simultaneffekte, wenn zum Beispiel die Gestalt des Philosophen, von der Idee der räumlichen und zeitlichen Unendlichkeit des Alls »entflammt«, beim Umblättern im Feuer der Inquisition unterzugehen scheint. Der Typograph und Buchgestalter Matthias Gubig, der seit Jahrzehnten unter nicht immer günstigen Bedingungen mit ungezählten »Schönsten Büchern« hervortrat, überrascht als emeritierter Hochschullehrer immer noch und seit einiger Zeit auch als eigner Illustrator immer wieder mit anspruchsvollen Beispielen schöpferischer Qualität und innovativer Vielfalt, wie dieser bibliophilen Erinnerung an einen weltbewegenden Text eines Zeitgenossens Galileis. - Das Buch ist zum Preis von 250 Euro zu beziehen bei Prof. Matthias Gubig, Bayerischer-Wald-Straße 13, 15827 Blankenfelde.

Hans-Eberhard Ernst

Schnitzler in der Bibliothek SG. Als Band 33 erschien in der Bibliothek SG Arthur Schnitzler: Leutnant Gustl. Erzählungen. 139 S. Pp. 8°. ISBN 9783-920856-51-3. Die Reihe dürfte zu den letzten gehören, die ganz auf der Monotype in Blei gesetzt und im Buchdruck gedruckt wird. Sie wird seit 1974 von Eckehart SchumacherGebler herausgegeben, von ihm zusammen mit Heinz Hellmis gestaltet und bei Buchdruckerei und Verlag SchumacherGebler in München gesetzt, gedruckt und verlegt. Für jedes Buch wählt der Herausgeber eine historische Schrift aus, zu der er eine schriftgeschichtliche Studie schreibt. Außerdem gibt es immer ein kleines literaturgeschichtliches Nachwort, diesmal von Friedhelm Kemp. Der neue Band ist in der Goudy Old Style gesetzt, die 1915 bei American Type Founders in Jersey City und 1930 bei der Monotype herauskam. Stilgeschichtlich handelt es sich um eine Neorenaissance-Schrift. Goudy greift auf Vorbilder von Francesco Griffo da Bologna und Aldus Manutius zurück. „Das Ergebnis ist eine offene und sehr gut lesbare Buchschrift. Die weiten Binnenräume in Verbindung mit einer verhältnismäßig zarten Strichführung verleihen ihr ein helles, lichtes Satzbild“, wie SchumacherGebler schreibt.


Bibliothek im Deutschen Schiffahrtsmuseum in Bremerhaven. Die 1971 gegründete Bibliothek des Deutschen Schiffahrtsmuseums steht neben Fachwissenschaftlern auch der maritim interessierten Allgemeinheit zur Verfügung. Das Sammelgebiet der Bibliothek umfaßt alle Bereiche der deutschen Schiffahrtsgeschichte in ihren internationalen Verflechtungen, so die internationale Schiffahrts- und Marinegeschichte, die Schiffahrts- und Hafenwirtschaft, den Schiffbau, die Marinegeschichte, die Navigation und die Fischerei. Die vergleichsweise junge Einrichtung besitzt über 80 000 Titel, neben den Neuerscheinungen auch zahlreiche ältere Bücher sowie 400 laufend gehaltene Zeitschriften. Zu den Rara gehört eine vollständige Reihe der berühmten „26 Schiffahrten“ des Nürnberger Schriftstellers, Verlegers und Buchhändlers Levinus Hulsius (1546/50-1606) und seiner Nachfahren aus den Jahren 1598 bis 1650 sowie der Nachlaß des Segelschiffahrtsexperten Jürgen Meyer, in dem auch 900 seltene Bücher enthalten sind. Die Bibliothek kann kostenlos und unabhängig von einem Ausstellungsbesuch im Museum aufgesucht werden. Der vollständige Katalog der Bibliothek und andere Informationen finden sich unter http://www.dsm.museum/bibliothek.

Dieter Schmidmaier

Der Wolfenbütteler Porträtkatalog. Die Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel ist eine reiche Schatzkammer zur Geschichte Europas. Zum Bibliotheksbestand gehört auch eine Porträtstichsammlung von 28 000 Blättern. Diese beträchtliche Sammlung entdeckte Paul Raabe nach seinem Amtsantritt als Direktor (1968) im Zustand völliger Vernachlässigung auf dem Dachboden der Bibliothek. Ein großer Teil der Sammlung geht noch auf den eigentlichen Bibliotheksgründer, Herzog August d.J. zu Braunschweig und Lüneburg (1579-1666), zurück. Dieser Kernbestand erfuhr im Laufe der Jahrhunderte zahlreiche Erweiterungen. Dazu gehört die Sammlung von vorwiegend Gelehrtenporträts des Wolfenbütteler Juristen Carl Gesenius (1746-1829) und eine kleine, nach Stechern geordnete Sammlung aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die auch Porträts enthält. Diese verschiedenen Sammlungen wurden von Paul Raabe zu einer einzigen vereinigt. Die Porträtstiche wurden sorgfältig restauriert und anschließend auf Karton oder unter Passepartout gelegt. Raabe hatte den visionären Plan eines durchgängig bebilderten Porträtkatalogs. Mit Peter Mortzfeld als Bearbeiter und Klaus G. Saur als Verleger fand er zwei Personen, denen es in erster Linie zu verdanken ist, daß von Dezember 1986 bis Oktober 2008 der Katalog der graphischen Porträts in der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel 1500-1850 in fünfzig (!) Bänden erscheinen konnte. Damit sind alle 28 000 Porträts der Wolfenbütteler Porträtsammlung in einem Katalog abgebildet und beschrieben sowie durch vielfältige Register erschlossen. Ein epochales Werk, das seinesgleichen sucht. Mortzfeld hat seine Begegnungen mit Saur in einem Beitrag zur Festschrift Erste Begegnungen – gemeinsame Projekte. Klaus G. Saur zum 60. Geburtstag (Leipzig 2001, S. 236-238) beschrieben.

Dieter Schmidmaier

Neue Forschungsallianz zur Erhaltung des kulturellen Erbes. Am 28. Oktober 2008 wurde in Berlin eine „Forschungsallianz Kulturerbe“ gebildet. Zum ersten Mal kooperieren eine der weltweit größten Sammlungen von Kulturgütern und ihrer wissenschaftlichen Betreuung (die Stiftung Preußischer Kulturbesitz), eine der führenden anwenderorientierten technologischen Forschungsinstitutionen in Deutschland (die Fraunhofer-Gesellschaft) und eine einzigartige querschnittsorientierte Wissenschaftsorganisation (die Leibniz-Gesellschaft). Das Ziel dieser Allianz besteht darin, die Rahmenbedingungen für den Schutz der Kulturgüter wesentlich zu verbessern, die nationalen und internationalen Netzwerke auszubauen und den wissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern. Themen sind unter anderem die Entwicklung zerstörungsfreier Test- und Prüfverfahren, die Dekontaminierung von mit Pestiziden belastetem Kunst- und Kulturgut, die Weiterentwicklung der Plasmatechnologie für Reinigung und Konservierung von Kunst- und Archivgut, die Auswirkung des Klimawandels auf Kulturgüter sowie das Alterungsverhalten und die Beständigkeit der Materialien des Kunst- und Kulturguts des 20. Jahrhunderts. Die Forschungsallianz knüpft an die großen Traditionen der vor 120 Jahren in Berlin begründeten wissenschaftlichen Konservierung an. An den Königlich-Preußischen Museen wurde 1888 durch Friedrich Rathgen das erste Chemische Museumslabor der Welt eingerichtet. Es trägt heute den Namen „Rathgen-Forschungslabor“.

Dieter Schmidmaier

Horst Kunzes Bibliothek. Zu unserem Beitrag Menschen, Bücher und Bibliotheken. Berliner Bibliotheksdirektoren und ihre Privatbibliotheken II von Friedhilde Krause im 191. Heft (3, 2008) erreichte uns ein Schreiben von Agnes Kunze:

In dem genannten Aufsatz hieß es: „Die Staatsbibliothek zu Berlin kaufte nach seinem Tod den schriftlichen Nachlaß, der in ihre Handschriftenabteilung aufgenommen wurde. Mit Ausnahme einiger Druckwerke, die in ihrem Bestand nicht vorhanden waren, und einiger Widmungsschriften, verblieb seine Privatbibliothek im Besitz der Familie und wird nicht mehr geschlossen aufbewahrt.“ Wer sich heute über die wesentlichen Teile der Bibliothek Horst Kunzes informieren will, kann dies in der Staatsbibliothek Berlin, Abteilung „Historische Drucke“ tun. Die Staatsbibliothek hat entsprechend der vertraglichen Vereinbarung mit Frau Wilma Kunze vom 16. Februar 2001 aus der Bibliothek von Horst Kunze übernommen: „die eigenen Werke von Horst Kunze, die Widmungsexemplare, die Klemke Sammlung, die Lieblingsbücher, vor allem des 19. Jahrhunderts (etwa 305 Bücher), die Werke zur Buchillustration / Buchkunst. Diese Bücher erhalten als ‚Bibliothek Horst Kunze‘ einen Sonderstandort und werden der Abteilung Historische Drucke [...] zugeordnet.“