Redaktionsschluss 4. Oktober 2008

Rudolf Mayer gestorben
Bernhard Zeller gestorben
Nachlaß von Walter Werner
Ende der Edition Mariannenpresse
Potsdamer Verlagsgeschichte(n) beim Berliner Bibliophilen Abend
Gutenberglabyrinth in Frankfurt am Main
Vom Glück des Sammelns
Klaus Ensikat in der Klein-st-e(n) Galerie Arneburg
Punk in Kunst und Buch
Mechanica im Dresdner Bibliotheksbesitzn
Geschichte der Wissenschaftsverlage
Die „Stabi-Tüte“ kommt zu Ehren
Vor 775 Jahre starb Eike von Repgow, der Schöpfer des Sachsenspiegels
Verleger, Essayist und Kunstfreund – Gerhard Wolf wurde 80 Jahre alt
Der Aufbau-Verlag wurde verkauft

 

 

 

 

Rudolf Mayer gestorben. Im letzten Heft der Marginalien hat Dieter Hoffmann das Lebenswerk des Dresdner Kunstvermittlers und Verlegers anläßlich der Übergabe seines Vorlasses an die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek betrachtet. Das Porträt wurde leider zu einem Nachruf. Mayer starb am 16. September in Dresden und wurde am 2. Oktober auf dem Friedhof Dresden-Loschwitz beigesetzt.

 

Bernhard Zeller gestorben. Der langjährige Direktor des Schiller-Nationalmuseums und des Deutschen Literaturarchivs Prof. Dr. h.c. Litt D. h.c. Bernhard Zeller ist am 7. September 2008 gestorben. Unter seiner Leitung wurden beide Institutionen zu einer Heimstatt für die deutschen Literatur von der Klassik bis zur Gegenwart ausgebaut. Die Neuerwerbungen von Nachlässen und die Veranstaltung von Ausstellungen unter seiner Leitung sind kaum zu überschauen. Das Marbacher Magazin wurde zu einer Institution, die die Literaturfreunde und Wissenschaftler überall in Deutschland nutzen, auch wenn sie nicht in den Marbacher Lese- und Ausstellungsräumen arbeiten und schauen können. Der Pfarrerssohn aus Dettenhausen (geb. am 19. September 1919) griff selbst gern zur Feder. Seiner Bibliographie (Bonn 1984) ist zu entnehmen, wie kontinuierlich er über die Aktivitäten seines Hauses berichtete, Rezensionen und Ausstellungskommentare schrieb und nebenher auch Werkausgaben wie die von Eduard Mörike und Wilhelm Lehmann edierte. Weitere Arbeitsschwerpunkte waren Friedrich Schiller und Hermann Hesse. Ein ausführlicher Nachruf folgt im nächsten Heft.

 

Nachlaß von Walter Werner. Das Thüringische Staatsarchiv Meiningen hat den Nachlaß eines der bekanntesten Schriftsteller Thüringens des vergangenen Jahrhunderts Walter Werner (1922-1995) als Depositum übernommen. Er war zeitlebens vor allem Dichter. In den siebziger Jahren profilierte sich Werner mit Das Gras hält meinen Schatten, Die Strohhalmflöte und Heimkehr nach Buchonien – Wanderungen durch Rhön und Grabfeld zu einem bedeutenden Naturlyriker der DDR. In seinen Gedichten widmete er sich überwiegend der Landschaft des Thüringer Waldes, der Rhön und des Grabfeldes. Werner schrieb auch Texte für Chorsinfonien und Lieder-Zyklen. Mit dem Spätwerk Tautreten unterm Regenbogen (1992) knüpfte er noch einmal an seine Erfolge als Naturlyriker an.

Dieter Schmidmaier


Ende der Edition Mariannenpresse. Die Edition Mariannenpresse im Literaturhaus Berlin stellt ihr Erscheinen zum Jahresende ein. In 29 Jahren erschienen 129 Bücher mit Erstdrucken namhafter Autoren und Originalgraphik bildender Künstler. 1979 wurde die Edition am Kreuzberger Mariannenplatz gegründet und ehrenamtlich in Künstlerselbstverwaltung geführt. Die Edition wurde bis 2001 vom Berliner Senat gefördert, die letzten Jahre von Stiftungen und privaten Sponsoren. Alljährlich konnten sich Künstler und Autoren bei einer gewählten Jury um Buchprojekte bewerben. Als letztes Buch erschien im Herbst der Gedichtband Alaska! von Bora Cosic mit Originalradierungen von Wolfgang Petrick. In den Marginalien ist immer wieder über die Mariannenpresse und ihre Bücher berichtet worden, zuletzt in Heft 191, in der die Künstlerbriefe von Johannes Schenk mit Originallithographien von Natascha Ungeheuer rezensiert wurden. Eine Vorstellung der noch lieferbaren Titel findet sich im Internet unter www. mariannenpresse.de. Für Rückfragen steht der langjährige Leiter des Unternehmens Hannes Schwenger (Tel. 8612611) zur Verfügung.

 

Potsdamer Verlagsgeschichte(n) beim Berliner Bibliophilen Abend. Am 29. September stellte Wolfgang Tripmacker den Mitgliedern des Berliner Bibliophilen Abends im Bezirksmuseum Charlottenburg das von ihm verfaßte Buch Verwehte Spuren – Potsdamer Verlagsgeschichte(n) vor. Er hatte dabei mit demselben Problem zu kämpfen wie der unterzeichnende Berichterstatter: Die im Buch ausgebreiteteFülle ist in Kürze nicht zu bewältigen, denn es wird mehr oder weniger ausführlich über 68 Verlage berichtet, von denen allerdings nur zwei (Gustav Kiepenheuer, Rütten&Loening) von großer überregionaler Bedeutung waren. Gerade über diese zwei ist aber schon viel veröffentlicht worden (u.a. auch in den Marginalien). Der Referent entschied sich daher dafür, sich in seinem Vortrag besonders ausführlich den Verlegern des 18 Jahrhunderts (Neumann, Horvath, Voss, Bauer) zu widmen, die zwar großartige Pionierarbeit geleistet haben, von denen aber die meisten der Anwesenden jemals gehört, geschweige denn aus ihren Verlagen ein Buch in den Händen gehabt hat. Je mehr der Redner sich der Gegenwart näherte, desto interessanter wurde es. Walter Bullert, Edlef Köppen, Werner Stichnote haben in der Bibliophilie einen guten Namen. Schließlich ging es doch auch um Gustav Kiepenheuer und seine Frauen ...

Einige kritische Bemerkungen zum Buch selbst: Der locker geschriebene, mit Anekdoten angereicherteText läßt erkennen, daß der Verfasser ein Profi mit journalistischer Erfahrung ist. Redaktionsschluß war Ende 2001, lieferbar ist das Werk seit Sommer 2008. Offensichtlich hatte der Märkische Verlag Bedenken, ob sich über Potsdamer Lokalpatrioten hinaus genügend Interessenten finden würden. Der Preis ist daher günstig (15 Euro), die Ausstattung allerdings auch verbesserungsfähig. Zwar gibt es sehr viele interessante Abbildungen, aber sie sind meist stark verkleinert und unscharf. Rühmenswert ist dagegen der tabellarische Anhang. Darin findet der suchende Bibliophile zu allen Verlagen die wichtigsten Daten übersichtlich und in Kürze.

Bernd Illigner

 

Gutenberglabyrinth in Frankfurt am Main. So irritierend wie der Titel Gutenberglabyrinth sind die Exponate einer Ausstellung mit Werken des Krefelder Künstlers Hubertus Gojowczyk (Jahrgang 1943) in der Deutschen Nationalbibliothek Frankfurt am Main. Die noch bis zum 28. Februar 2009 laufende Exposition zeigt vielfältige, vielgestaltige „Buchobjekte, Texte und Situationen seit 1968“ in immer wieder überraschenden, bisweilen gar erschreckenden Variationen. In ihrer Begrüßung zur Ausstellungseröffnung meinte Generaldirektorin Dr. Elisabeth Niggemann denn auch: „Diese Ausstellung ist uns nah und fern zugleich.“

Bei den rund 110 Objekten geht es um zerstörte, verfremdete, andersartige, sowohl schöne als auch erschreckende Bücher. Der Künstler traf die Auswahl aus seinen etwa 900 Werken zum Thema und gestaltete die beiden Räume (Parterre und Obergeschoß). Das Zentrum des unteren Raumes bildet ein Labyrinth aus Buchseiten, sozusagen das Innere der Bücher. Rundherum sind Bücher mit schauerlichen Namen zu sehen, deren Titel deutlich das Gezeigte beschreiben: Brandbuch, Buch mit Wunde, Buch mit aufgekratzten Seiten, Zersägtes Buch. Versöhnlicher, beruhigender sind Objekte mit Titeln wie: Besonnte Vergangenheit, Buch, gen Süden zu lesen, Buch mit Nest, Buchlaib, Buch mit Kartoffelherz. Gogowczyks erstes Werk zum Thema, Rest eines Buches (1968), ist ebenfalls in der Ausstellung präsent. Dr. Stefan Soltek, der Leiter des Klingspor-Museums, führte in die Schau ein, betonte aber: „Der Begriff der Zerstörung ist ein Argument, aber nicht meines!“ Er zeigte dann aber anhand von projizierten Abbildungen den Jahrhunderte alten Zusammenhang zwischen Buch und Mensch. Das Buch als Teil des Lebens zu begreifen, sich mit ihm im wahrsten und tiefsten Sinn zu befassen, sei die Kunst Hubertus Gogowczyks. Dieser selbst warnte, die Ausstellungsobjekte seien nicht nur heiter, denn die Zeit sei es auch nicht. Weiter meinte der Künstler, Werke könnten ansprechen, auch dann, wenn sie nicht gerade ansprechend seien.

FP

 

Vom Glück des Sammelns. Die durch ihre Romane und Sachbücher (zum Beispiel Die Krinoline bleibt in Kairo. Reisende Frauen 1650 bis 1900) auch in Deutschland bekannt gewordene Archäologin Barbara Hodgson führt uns in ihrem neuesten Buch Vom Glück des Sammelns. Eine Entdeckungsreise zu Märkten in aller Welt (Hildesheim: Gerstenberg Verlag, 2007. 154 S. Pp. 8° 24.00 Euro. ISBN 978-3869-2973-8) an Orte, die in Reiseführern nur selten erwähnt werden. „Es gibt viele Möglichkeiten, Orte sehen und schätzen zu lernen: Die Besichtigung von Museen und Bauwerken ist eine, Menschen kennenzulernen eine andere. Mir haben es Fragmente des materiellen Lebens angetan: Wohnungsannoncen, private Briefe, Fotonegative, alte Bücher mit Widmung auf dem Vorsatzpapier oder rätselhaften Notizen zwischen den Seiten.“ Ihre Leidenschaft bezeichnet sie als eine Suche nach den Treibgütern des Lebens. Und die Fundorte? Straßen, Märkte und Buchläden, denn hier „gibt eine Stadt auf verhaltene, verlockende Weise ihr intimstes Selbst preis, indem sie den Inhalt ihrer Dachböden und Mülleimer zur Schau stellt.“

Die Weltenbummlerin Barbara Hodgson hat ihre Streifzüge in einem wunderbaren Buch zusammengefaßt und nimmt uns an jene 18 Orte mit, die ihr das größte Vergnügen bereitet und die größten Offenbarungen beschert haben – zum Beispiel nach London auf den kleinen interessanten Antiquitätenmarkt Camden Passage, nach Brüssel auf den Flohmarkt auf der Place du Jeu de Balle, der wie ein mit Papier vollgestopfter Karton wirkt und von alten Schulbüchern und abgewetzten alten Schulheften dominiert wird, nach Paris auf den Flohmarkt Les Puces de Saint-Ouen mit seinen gigantischen Bücherstapeln, „die beim geringsten Lufthauch einzustürzen drohen“, nach Budapest in seine „gut ausgestatteten und im Überfluss vorhandenen Antiquariate“, nach Istanbul auf den Großen Basar, das „gigantische Labyrinth“, in dem Entdeckungen vorprogrammiert sind, sowie nach Los Angeles, das „Paradies für Flohmarkthändler“. Eingebettet in diese Entdeckungsreisen sind interessante Gespräche mit Händlern und wunderbare Geschichten über einzelne Personen wie den französischen Schriftsteller Pierre Loti (1850-1923). Die Autorin hat das Buch mit zahlreichen originellen Flohmarktfunden und alten Fotos von Flohmärkten bebildert und selbst gestaltet. 

Weil Barbara Hodgson von den Sehnsüchten der Sammler berichtet, ist ihr Bericht eine Anleitung zum Sammeln, wie sie schöner nicht sein kann, voller Anregungen und Entdeckungen. Es versteht sich von selbst, daß er auch ein guter Reisebegleiter auf Floh- und Antiquitätenmärkten ist. „Ich stoße auf Bücher, die so dick und griffig sind, dass ich mich zwischen die Seiten schlafen legen möchte. Ich koste den Geruch nach Alter aus, und wenn ich den Stand verlasse, hängen Heftfäden in meinem Haar.“ Finden wir uns in solchen Bekenntnissen nicht irgendwie wieder?

Dieter Schmidmaier

 

Klaus Ensikat in der Klein-st-e(n) Galerie Arneburg. Es war bereits die 169. Ausstellung, die am 1. Oktober 2008 hier, diesmal mit Arbeiten von Klaus Ensikat in Anwesenheit des Künstlers, eröffnet wurde. Eine Auswahl von Zeichnungen, Illustrationen und Plakaten, ganz auf die ein wenig verwinkelten, aber reizvollen Raum- und Präsentationsmöglichkeiten im Hotelrestaurant „Zum Goldenen Anker“ abgestimmt, wo sich die Galerie heute befindet. Arne Könnecke, Architekt i.R., betreut sie seit 1981, unermüdlich und umsichtig, widrigen Umständen immer wieder trotzend. Anfangs als „Kleine Galerie“ im städtischen Kulturhaus gegründet, 1993 infolge Privatisierung des Kulturhauses (heute eine Investruine!) heimatlos geworden, arbeitet sie seit 1997 als „Klein-st-e Galerie Arneburg“ in der Elbestraße 17. Ein verlockender Ort, der einlöst, was er verspricht. Davon überzeugten der Ensikat-Abend und die Ausstellung ebenso wie das Ausstellungsverzeichnis der Jahre 1981 bis 2008, die ausliegenden Gästebuch-Chroniken und die Vorplanungen bis 2010.

Mit Graphik von Walter Herzog, Berlin, eröffnete am 14. Februar 1981 die Kleine Galerie ihre erste Ausstellung, wechselte regelmäßig sechs- bis achtmal im Jahr, lud Künstler ein aus Magdeburg, Dresden, Schwerin, Stendal, Klein Machnow, Halberstadt, Halle, eigentlich von überall, um „Künstlern und Kunstwerken, auch abseits der großen Zentren, Publikum, Wirkungsmöglichkeiten und Resonanz zu  verschaffen …“ Die Künstler kommen gerne, manche immer wieder, so der Karikaturist Harald Kretzschmar (1991, 1997, 2002), der Berliner Manfred Pietsch (1982, 2006), Werner Schinko aus Waren (1989, 2002). Unter den vielen Namen finden sich auch Manfred Bofinger (1994), Nuria Quevedo (1991), Werner Stötzer (1991), Helmut Gebhardt (1985), Jürgen Schieferdecker (1989), Ernst Barlach (1985), Wilhelm Rudolph (1995). Regelmäßig werden auch Karikaturisten und Illustratoren eingeladen. Auf Klaus Ensikat folgt seit dem 19. November Hartwig Hamer mit Zeichnungen und Graphik, und die 175. Ausstellung wird im Herbst 2009 Lothar Sell aus Meißen mit Graphik und Kleinplastik bestreiten.

Ensikat zeigte neben Theaterplakaten unter anderem Bilder zu einem populärwissenschaftlichen Artikel in der Zeitschrift Natur (1992/1993), Zeichnungen zu Rabelais’ Comment Pantagruel monta sur mer (Hatier, 1994), Farbzeichnungen zu dem Buchstaben-Bilderbuch Das A steht vorn im Alphabet von Peter & Klaus Ensikat (Leipzig: leiv, 1998), Farbillustrationen zu Faust nach Goethe (Berlin: Kindermann, 2002), Zeichnungen zu Satyren & Launen der Berliner Handpresse. Und natürlich lagen Ensikat-Bücher bereit, teils zur Ansicht in Vitrinen, teils zur Freude des zahlreich versammelten Publikums auch zum Verkauf. In dem vergnüglichen Gespräch, das Könnecke mit Ensikat führte, gab der Künstler geduldig Auskunft. Dem Computer mißtraue er, setze beharrlich auf Originalität und bleibe seiner Zeichenfeder treu. Anreger für Zeichnungen in Büchern seien zuvörderst die Formate und auch die Titel, die Texte würden (meist) aber auch gelesen … Zu erfahren war zudem, daß es an Aufträgen nicht mangele (für anderes bliebe kaum Zeit). – Eine sehenswerte Ausstellung, ein gutes Gespräch, ein dankbares Publikum; so geht es zu in der Klein-st-en Galerie Arneburg. Möge es noch lange so bleiben!

Ursula Lang

 

Punk in Kunst und Buch. Von 16. Mai bis 7. September 2008 war in der Kunsthalle Wien die Ausstellung Punk. No One is Innocent zu sehen. Zu der von Thomas Mießgang kuratierten Schau, die gemäß ihrem Untertitel auf Kunst – Stil – Revolte ausgerichtet war, ist ein Ausstellungskatalog erschienen, der auch unter buchwissenschaftlichen Aspekten von Bedeutung ist: Punk – No One is Innocent. Kunst – Stil – Revolte. Herausgegeben von Gerald Matt und Thomas Mießgang für die Kunsthalle Wien. Nürnberg: Verlag für moderne Kunst Nürnberg 2008. Engl. Br. 4°. 212 S., 200 Abb. 38,– Euro. Die reich bebilderte Publikation bietet nicht nur mehrere Überblicksaufsätze und ein Interview mit dem enfant terrible Malcom McLaren, sondern auch ein sorgfältig aufbereitetes Werkverzeichnis. Auffällig dabei ist, das zahlreiche Exponate aus dem auf Druckmedien spezialisierten The Jon Savage Archive der John Moores Universität (Liverpool) stammen. Neben Fotografien und Graphiken zählen auch Bücher und buchähnliche Objekte und Fanzines, also in Kleinstarbeit erstellte und zumeist privat produzierte Zeitschriften, zu den wohl spannendsten Belegen der klassischen Ära des Punk. Den geographischen Schwerpunkten London, New York, Berlin und Wien folgend, wurde in der Ausstellung ein nicht unwesentlicher Teil der Ausstellungsfläche und des korrespondierenden Buches auf die für Punk bedeutsamen Druckgraphiken, die visuelle Gestaltung von Kleidungsstücken und Plattencovers und die Vielzahl von Zeitschriften, Flugzetteln und Publikationsprojekten verwendet.

Anhand eines Beispiels läßt sich die Präsenz und Brisanz dieses Schwerpunkts verdeutlichen:1976 erscheint in der Zeitschrift Sideburns ein zwischenzeitlich legendär gewordenes Diagramm, daß die Akkorde A, E und G darstellt. Begleitet werden diese Illustrationen von der nicht minder berühmten Aufforderung »This is a chord. This is another. This is a third. Now form a band.« Diese provokante Ausstellung minimalster musikalischer Anforderungen gilt bis heute als Einladung zur Selbstermächtigung und Sinnzertrümmerung. Abseits bürgerlicher Kunstnormen, Wertevorstellungen und technischer Virtuosität manifestiert sich hierin Punk als künsteübergreifendes Nutzungskonzept der im wirtschaftlichen Sinne keineswegs neutralen technischen Produktionsmittel, die nicht vom eigentlichen Prozeß des Arbeitens oder dem jeweiligen Ergebnis selbst abgelöst werden können. Punk war und ist kein isoliertes Phänomen, war und ist immer schon mehr als Musik und (Anti-)Mode. Als ästhetisches Konzept kann Punk als Teil und Fortsetzung westlicher avantgardistischer Bewegungen verstanden werden, die sich in ihrer Säkularisierungstendenz überschneiden. Mit Dynamik und Humor reflektiert Punk nicht einfach nur die konservativ-miserablen historisch-kulturellen Rahmenbedingungen der sechziger und siebziger Jahre – Punk war der deutlichste Ausdruck der Krisen selbst. Als Subkultur und Haltung gegenüber den Konventionen und Inszenierungspraxen, die sich spätestens in den achtziger Jahren weiter ausdifferenzieren sollten, begünstigte Punk den eingelösten Wunsch nach einer Kunst und Produktionsweise der Interventionen, deren Schwerpunkte auf dem Inhalt und dem Ausdruck, und eben nicht auf technischer Fertigkeit und Fragen der Wirtschaft/Wirtschaftlichkeit, lagen. Aus dem ungelöst bleibenden Spannungsverhältnis zwischen Ästhetik und Ökonomie heraus schafft Punk einen publizistischen und gestalterischen Stil der Künstlichkeit und der Aufforderung. Werke, die dem Punk als Leitästhetik verpflichtet sind, sind laut dem Historiker Stacy Thompson nicht nur Ausdruck einer Gegenpositionen zu wirtschaftlich potenten Produzenten, sprich Verlagen, sondern auch eine Lektion des Do-it-yourself-Ansatzes, der auf das Publikum einwirken soll. Die Infragestellung der gesellschaftlichen Normen, insbesondere die bereits angesprochene Kritik am Materialismus und seinen Systemen der Abhängigkeit, manifestieren sich in den künstlerischen Belegen. Die Kritik, die in dieser Ausgestaltung auch besagt, daß der künstlerische Ausdruck amateurhaft wirken mag, aber keineswegs bedeutet, daß die vermittelte Botschaft ebenso amateurhaft wäre, erlaubt es uns, Punk als Option der Identität und Sinnstiftung abseits gesellschaftlicher Normen und Reglementierungen zu begreifen. Punk ist somit auch eine Ideologie der Nonkonformität, die im günstigsten Fall immer neuen, weiteren Punk nach sich zieht.

Thomas Ballhausen

 

Mechanica im Dresdner Bibliotheksbesitz. Der Autor, Bücherfreunden unter anderem bekannt durch seinen Beitrag über die Geschichte des Dresdner Buchdrucks (Marginalien, H. 185, 2007, S. 49-60), veröffentlicht nun seine im Sommersemester 2007 an der Humboldt-Universität zu Berlin verteidigte Dissertation: Konstantin Hermann, Der Bestand „Mechanica“ der Kurfürstlichen und Königlichen Bibliothek Dresden von 1556 bis 1918. Eine kulturgeschichtliche Studie der Erwerbungswege und Motivationen. Berlin: Logos, 2008. 371 S. (= Berliner Arbeiten zur Bibliotheks- und Informationswissenschaft, Bd. 21.) ISBN 978-3-8325-1632-1. Eigentlich haftet solchen Bestandsanalysen gewöhnlich „der Odem des Langweiligen, der Beschäftigung mit sich selbst an.“ Aber in dem vorliegenden Fall ist es eine Untersuchung, die Bibliotheksgeschichte, Buchgeschichte und Kulturgeschichte miteinander verbindet. Grundlage bildet die Gruppe „Mechanica“ im Bestand der Kurfürstlichen und Königlichen Bibliothek Dresden mit einem Umfang von 1270 Titeln, erworben in einem Zeitraum von über 350 Jahren. Ihm gehören in erster Linie allgemeine technische Schriften und Literatur zur Statik, Gravitation, Hydraulik, Pneumatik und Luftfahrt und zu Motoren an. Bücherfreunde können die Sisyphusarbeit nachvollziehen, die der Autor leisten mußte, um aussagekräftige Ergebnisse zu erzielen: Durchsicht der Bestände in den Magazinen auf der Grundlage der Kataloge, Notierung von Besitzervermerken, Akquisitionsnummern, Exlibris, Einbandprägungen und weiteren Provenienzhinweisen sowie Ermittlung und Begründung der Erwerbungswege. Ein Hauptanliegen der Arbeit ist die Motivation der Schenker und Käufer im Mechanica-Bestand. Die Motivationen für Geschenke an die Bibliothek waren recht unterschiedlich, so vermachte der Königliche Leibarzt Franz Adolph Koberwein seine Bücher 1835 aus Verehrung für den Landesherrn, der Realschullehrer Paul Hohlfeld 1910 postum aus Dankbarkeit für Hilfe und Führungen in der Bibliothek, der Königlich Sächsische Altertumsverein ab 1888 auf Grund guten Zusammenwirkens mit der befreundeten Institution der Königlichen Bibliothek und König Albert von Sachsen aus Fürsorge für den eigenen Besitz, den er 1884 nach dem Tod des mit ihm verwandten Herzogs Wilhelm von Braunschweig-Oels um die ererbte reichhaltige und wertvolle Bibliothek mit 30 000 Bänden vermehrte. Der Autor zeigt an diesen und anderen Beispielen auch, wie die Bibliothek auf die Entwicklungen in der Wissenschaft in ihrem Bestandsaufbau reagierte. Die hochinteressante interdisziplinäre Forschungsarbeit ergibt ein reiches historisches Gemälde einer Bibliothek und ihrer Wirkungen. Eine Bibliothek kann nur aus der Wechselwirkung mit ihrem Umfeld leben und sich auch nur daraus legitimieren. Hermann leistet mit seiner Arbeit einen wertvollen Beitrag zur Kulturgeschichte der heutigen Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, in der die Erforschung der Bibliotheksgeschichte eine große Tradition besitzt (vgl. Marginalien, H. 186, 2007, S.73-78).

Dieter Schmidmaier

 

Geschichte der Wissenschaftsverlage. Der Bücherfreund nimmt dankbar ein neues Buch zur Entwicklung von Wissenschaftsverlagen in Deutschland entgegen, entstanden als Ergebnis einer Tagung des Wolfenbütteler Arbeitskreises für Buch-, Bibliotheks- und Mediengeschichte im Jahr 2005: Wissenschaftsverlage zwischen Professionalisierung und Popularisierung. Hrsg. von Monika Estermann und Ute Schneider. Wiesbaden: Harrassowitz, 2007. 204 S., zahlr. Abb. Pp. Gr.-8°. (Wolfenbütteler Schriften zur Geschichte des Buchwesens Bd. 41.) 59,– Euro. ISBN 978-3-447-05626-7. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gaben viele alte Universalverlage, die sowohl Belletristik als auch wissenschaftliche Literatur und Sachbücher publizierten, ihr breites Angebot zugunsten einer stärkeren Profilbildung auf (zum Beispiel der Verlag Julius Springer), Verlagsneugründungen spezialisierten sich von Beginn an auf eine oder wenige Disziplinen (zum Beispiel der Verlag Max Niemeyer). Dieser mediale Aspekt, die Publikationsstrategien eines Verlags, sich durch seine Produktion sowohl auf dem wissenschaftlichen Markt zu behaupten als auch auf die Entwicklung der Disziplin einzuwirken, steht im Mittelpunkt der Beiträge des vorliegenden Bandes. Die Autoren untersuchen die Beziehungen zwischen den Vertretern einzelner Wissenschaftsdisziplinen und ihren Verlegern, deren Bücher und Zeitschriften einerseits der Unterstützung von Lehre, Forschung und Praxis dienten, andererseits zur Verbreitung der neuen Erkenntnisse unter den Wissenschaftlern anderer Disziplinen und dem breiten Publikum gedacht waren.

Das Buch enthält zuerst drei allgemeine Beiträge, der erste über die Wechselwirkungen von Wissenschaft und Buchhandel, der zweite über die Bedeutung der internationalen Komparatistik in der Buchhandelsgeschichte und der dritte zu allgemeinverständlichen Büchern über Naturwissenschaften und ihrem Erfolg im 19. Jahrhundert. Acht Beiträge beschäftigen sich mit einzelnen Aspekten: 1. mit dem Verlag Salomon Hirzel in der historischen Frühzeit der Germanistik, unter anderem mit dem Grimmschen Wörterbuch, 2. mit der Weidmannschen Buchhandlung und Theodor Mommsens Römischer Geschichte, für die der Autor 1902 als erster Deutscher den noch jungen Nobelpreis für Literatur erhielt, 3. mit dem J.G. Cotta Verlag und der Bibliothek deutscher Geschichte, 4. mit der Rolle des Verlagswesens zwischen Popularisierung und Professionalisierung der Geographie im 19. Jahrhundert unter besonderer Berücksichtigung der populärwissenschaftlichen Zeitschriften, der Reiseliteratur und der Kartographie (mit zahlreichen Abbildungen), 5. mit Traditionsgebundenheit und Rollenverständnis im Verlagsunternehmen von Walter de Gruyter im Netz der Wissenschaften um 1900, 6. mit Mathematik im Verlag B.G. Teubner während des Kaiserreiches, 7. mit Medizinjournalen am Beispiel der Münchner medizinischen Wochenschrift aus dem J. F. Lehmanns Verlag und der Deutschen medizinischen Wochenschrift aus dem Thieme-Verlag und 8. mit wissenschaftlichen und politischen Aspekten mathematischen Publizierens zwischen 1933 und 1945. Ein Personen- und Verlagsregister schließt diese Veröffentlichung ab, die sich einem wichtigen interdisziplinären Aspekt der Buchwissenschaft widmet.

Dieter Schmidmaier

 

Die „Stabi-Tüte“ kommt zu Ehren. Die stabile durchsichtige Polyethylen-Tragetasche mit dem preußisch-blauen Schriftzug Staatsbibliothek zu Berlin, von den Benutzern liebvoll „Stabi-Tüte“ genannt, wird in die Sammlung der Bröhan Design Foundation im Bereich Typographie/Verpackung aufgenommen. Eingeführt wurde sie Mitte der achtziger Jahre. Wer sie einst entworfen hat, ist nicht mehr zu klären. Heute ist sie ein Kultgegenstand. Die Tasche wird derzeit bei der Firma PAM Verpackungen in Berlin-Marienfelde in jährlich über 100 000 Exemplaren hergestellt. Sie soll ausgeliehene Bücher schützen und den Mitarbeitern die Kontrolle erleichtern. Sie wird, wie Berliner beobachten können, auch gern zum Einkaufen genutzt. Eine ebenfalls durchsichtige Tüte mit der in Schwarz aufgedruckten und eingerahmten Warnung Lesen gefährdet die Dummheit nutzen die S. Fischer Verlage für ihre Werbung.

Dieter Schmidmaier

 

Vor 775 Jahre starb Eike von Repgow, der Schöpfer des Sachsenspiegels. Eike von Repgow, ein Lehnsmann des Grafen Hoyer von Falkenstein und Stiftsvogts von Quedlinburg, schuf Anfang des 13. Jahrhunderts den berühmten Sachsenspiegel, der das bis dahin ungeschriebene und nur durch Gerichtsgebrauch überlieferte Gewohnheitsrecht des Sachsenlandes im Sinne „erzieherisch-vorbildhafter Lebensregeln“ im Wort festhielt und durch anschauliche Illustrationen ergänzte. Das Buch, das aus einem Land- und einem Lehnrechtsteil besteht und nach der ersten lateinischen Fassung von 1220/21 von Eike von Repgow um 1227 ins Niederdeutsch-Elbostfälische seiner Heimat übersetzt wurde, fand in Abschriften schnell Verbreitung in ganz Deutschland und in Übersetzungen in West- und Osteuropa. Es erlangte gesetzesähnliche Geltung, gedieh über den Tod seines Autors hinaus zum Vorbild für andere mittelalterliche deutsche Rechtsbücher vom Magdeburger Stadtrecht über den Schwabenspiegel bis zum Deutschenspiegel.

Eike von Repgow entstammte einer edelfreien Familie aus Reppichau zwischen Dessau und Köthen in Anhalt, wo er um 1180 geboren wurde. Er besaß eine umfassende Bildung, beherrschte die lateinische Sprache, kannte sich bestens in der lateinischen und frühen deutschen Dichtung aus, verfügte über gute theologische Kenntnisse und war bis ins Detail mit dem überlieferten Gewohnheitsrecht und dessen Anwendung vertraut. Eike von Repgow soll der Legende nach, den Sachsenspiegel auf der Stammburg Falkenstein 134 Meter über dem idyllischen Selketal geschrieben haben. Die Bemerkung im Sachsenspiegel, daß „der Mensch durch Gott frei geschaffen“ wurde und „Unfreiheit nicht von Gott“ kommt, und die eindeutige Zurückweisung unangemessener kirchlicher Ansprüche deuten daraufhin, daß Eike von Repgow eine eher kritische Haltung zur Kurie hatte. Da wundert es nicht, daß vom Papst allein 14 Artikel des Sachsenspiegels als „ketzerisch“ verdammt wurden. Doch dieser römische Einspruch konnte die Verbreitung des Werkes nicht aufhalten. Dessen Autor starb wohl in der zweiten Jahreshälfte 1233.

In Sachsen wurde bis 1865 und in Thüringen bis 1900 auf der Grundlage des Sachsenspiegels Recht gesprochen. Einige besonders progressive Rechtsgrundsätze fanden zudem im aktuellen bundesdeutschen Recht Berücksichtigung. Dazu gehören die Artikel über die „Schuldunfähigkeit für Schwangere sowie Geisteskranke“, über die „Wirkungslosigkeit von in Unfreiheit abgegebenen Versprechen“, über den „Grundsatz vom rechtlichen Gehör“ sowie über das „Widerstandsrecht“ und das „Gleichheitsprinzip“, das die Forderung nach Gerechtigkeit gegenüber jedermann beinhaltet.

Martin Stolzenau

 

Verleger, Essayist und Kunstfreund – Gerhard Wolf wurde 80 Jahre alt. Anläßlich seines 80. Geburtstages am 16. Oktober veranstaltete die von Christa und Gerhard Wolf mitbegründete Galerie am Forum Amalienpark in Berlin-Pankow, gleich um die Ecke von seinem Wohnort, eine Ausstellung mit alten und neuen Werken von Künstlerfreunden des Verlegers und Essayisten, darunter Hartwig Hamer, Angela Hampel, Helge Leiberg, A. R. Penck und Günther Uecker. Bereits 1995 wurde im Schloß Rheinsberg Kunst aus dem Besitz von Christa und Gerhard Wolf ausgestellt. In dem aus diesem Anlaß erschienenen Katalog Unsere Freunde, die Maler ist nachzulesen, wie intensiv sich Gerhard Wolf jahrzehntelang mit der aktuellen Kunst auseinandersetzte. Davon zeugen Bücher über Albert Ebert und Elena Liessner-Blomberg und viele Essays, so über Wieland Förster, Carlfriedrich Claus und Klaus Sobolewski. In frühen Berufsjahren war Wolf als Außenlektor für den Mitteldeutschen Verlag in Halle/Saale tätig. Hier stellte er mit vielen jungen Lyrikern wie Adolf Endler, Karl Mickel, Volker Braun und Sarah Kirsch in den sechziger Jahren die Manuskripte zu deren frühen Gedichtbänden zusammen. Nahezu legendär sind einige Lyrik-Anthologien, die ein Lebensgefühl und eine Poesie verbreiteten, wie man sie im Nachhinein kaum mehr mit der DDR in Verbindung zu bringen vermag. Sonnenpferde und Astronauten (1964) etwa, gestaltet und mit einem malerischen Umschlag versehen von Roland Paris. Mehrfach setzte er sich in Büchern und Essays mit Johannes Bobrowskis Leben und Werk auseinander. Die letzte Tat von Gerhard Wolf in DDR-Jahren war Ende der achtziger Jahre die Präsentation einer neuen Dichtergeneration, die beinahe zehn Jahre aus dem Literaturbetrieb ausgegrenzt war. In der Reihe Aufbau – Außer der Reihe erschienen Bücher von Bert Papenfuß-Gorek, Jan Faktor, Gabriele Stötzer und Peter Brasch, eingeführt mit knappen, prägnanten Charakteristiken von Wolf. Als mit der politischen Wende in der DDR die Gewerbefreiheit eingeführt wurde, gehörte Wolf zu den ersten Verlegern, die eine selbständige Firma eröffnete. Bei Janus press verwirklichte er viele Projekte, die unter den Bedingungen der Marktwirtschaft sonst kaum jemand gewagte hätte, etwa sprachexperimentelle Bücher von Franz Mon und Otl Aicher, graphische Bücher von Carlfriedrich Claus, Angela Hampel und Oskar Manigk. Der Verlag ruht zwar seit einiger Zeit, kann jedoch bei Bedarf revitalisiert werden.

 

Der Aufbau-Verlag wurde verkauft. Im Frühjahr dieses Jahr erreichten die Bücherfreunde bestürzende Nachrichten aus dem Aufbau-Verlag. Der langjährige Inhaber Bernd F. Lunkewitz, Immobilien-Investor aus Frankfurt am Main, hatte plötzlich genug von seinem Lieblingsobjekt. Es kam zu einem öffentlichen Zerwürfnis zwischen dem Verleger und der Geschäftsführung unter René Strien. Pressekonferenzen und Öffentliche Briefe jagten einander. Der Verlag ging in Insolvenz und schien für viele Beobachter verloren. Hintergrund war ein langwieriger Rechtsstreit, der große Anwalts- und Gerichtskosten verschlungen hat. Bernd F. Lunkewitz gewann zwar die Feststellungsklage, ohne jedoch daraus unmittelbar Nutzen ziehen zu können. Der Bundesgerichtshof bestätigte, daß der Aufbau-Verlag bis 1990 dem Kulturbund gehörte und somit nicht von der Treuhandanstalt hätte verkauft werden dürfen. Neuer Eigentümer ist nun seit Oktober der 64jährige Unternehmer Matthias Koch. Der Verlag soll vom Hackeschen Markt an den Moritzplatz in Berlin-Kreuzberg umziehen. Zu den ersten Amtshandlungen gehörte die Ankündigung eines Personalabbaus von 60 auf 51 Mitarbeiter. Der Rechtsstreit um den Verlag geht inzwischen in eine neue Runde, berührt die Firma unter dem neuen Eigentümer aber nicht mehr. Bernd F. Lunkewitz will jetzt nachweisen, daß ihm durch den seinerzeitigen widerrechtlichen Verkauf Schaden entschaden ist, und die bisherigen Gerichts- und Anwaltskosten erstattet haben.